"Pop und Poesie" auf dem Ehinger Marktplatz

Wer schon 2013 die dritte Staffel des Erfolgsformats "Pop und Poesie" auf dem Ehinger Marktplatz besucht hatte, der erlebte am Freitag ein Wiederhören mit den gleichen Titeln, Musikern und Witzen.

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  • Bei Bilderbuchwetter war der Marktplatz am Freitag voll, das Publikum sah und hörte bei "Pop und Poesie in Concert" ein exzellentes Musikensemble. 1/2
    Bei Bilderbuchwetter war der Marktplatz am Freitag voll, das Publikum sah und hörte bei "Pop und Poesie in Concert" ein exzellentes Musikensemble. Foto: 
  • Erfinder und Moderator Matthias Holtmann half an den Drums. 2/2
    Erfinder und Moderator Matthias Holtmann half an den Drums. Foto: 
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"Best of" nennt SWR1 seine vierte Staffel des Erfolgsformates "Pop & Poesie in Concert", das heuer auch wieder in Ehingen auftrat. Wie schon 2013 herrschte ein Wetter wie aus dem Bilderbuch, das gut gelaunte Menschen auf den Marktplatz strömen ließ. Am Freitagabend zog die Veranstaltung wieder die treuen Hörer des Senders an, die mit Matthias Holtmann ein bisschen in ihren wilden Jugendjahren schwelgen konnten.

Das waren die Jahre, in denen "Wenn bei Capri de Sonne im Meere versinkt" im elterlichen Radio ertönte und die Jugend sich ihre ersten Beatles-Schallplatten kaufte. "Mein Vater sagte damals, ,die bringst du wieder zurück'", witzelte Matthias Holtmann.

Der Abend hatte jedoch ungemein melancholisch und berührend begonnen. Holtmann startete mit dem gesungenen Kunstlied "An die Musik" von Franz Schubert, in dem der Moderator auch seiner lebenslangen Passion huldigte. Die Liedzeilen "Den Himmel beßrer Zeiten mir erschlossen, Du holde Kunst, ich danke dir dafür!" darf man bei Holtmann auch unter dem Aspekt seiner Krankheit sehen, die ihn immer mehr beeinträchtigt. Der Moderator macht seit Jahren keinen Hehl aus seiner Parkinson-Erkrankung, die ihm - Gott sei Dank - ein flottes Mundwerk bewahrt, aber körperlich stark einschränkt. Als echte Rampensau, die Holtmann immer noch ist, macht er sein Gebrechen öffentlich. Auch dann, wenn selbst der Griff zu den Trommelsticks ein körperlicher Kraftakt ist.

Konzept und Personal sind in der von Moderator Holtmann kreierten Show gleich geblieben. Bekannte Popsongs der 60er bis 80er Jahre werden aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt und als Originalsong auf die Bühne gebracht. Dabei ist der Moderator ein Meister der Stimmungswechsel. Nach Schubert folgte mit John Miles' "Music was my first love" die "richtige Musik, um den Rollator wegzutreten".

Im Mittelteil dieses Songs zeigte sich auch die Spitzenbesetzung der Band um Pianist und Arrangeur Peter Grabinger. Die ausgezeichneten Musiker ersetzten locker ein opulentes Orchester. Alex Kraus legte in Geige und Stimme das ganze Pathos dieser Hymne. Das zehnköpfige Ensemble war exzellent besetzt. Der Schauspieler und Sänger Jochen Stöckle gab den Verruchten und den aalglatten Lover. Die Sängerinnen Simone von Racknitz und Britta Medeiros klagten, kreischten und jammerten in die Mikrophone. Auch am Drum-Set, Geige und der Gitarre saßen Könner ihres Fachs. Die Hommage an den kleinen grüne Kaktus der Comedian Harmonists war ein gelungenes a capella-Stück der Musiker, die damit auch ihre Fähigkeiten als Sänger bewiesen. Das Ensemble intonierte mitreißend schwungvoll unter anderem Melissa Etheridges "Like The Way I do" und den Beatles-Evergreen "She Loves You", dem die Band gleich die von Camillo Felgen eingedeutschte Fassung "Sie liebt dich" folgen ließ. Man amüsierte sich im Land der Autobauer auch köstlich über die Umdichtung von Janis Joplins Hit "Oh Lord Won't You Buy Me A Mercedes Benz".

Matthias Holtmann stimmte das Publikum mit Erinnerungen an die Nachkriegszeit ein. Da war die erste, vom eigenen Geld gekaufte Schallplatte, die Borgward Isabella, der näselnde Theo Lingen und Rudi Schuricke. Man musste schon ein gewisses Alter haben, um mit diesen Autos oder Entertainern vertraut zu sein. Auch den Werbeblock übernahm Michael Holtmann höchstpersönlich. Allerdings ist der Slogan "Waschmaschine leben länger" von Calgon aus den 90ern genau so abgesetzt wie "Kumpf, Kumpf, Kumpf - die reine Natur". Aktuell und witzig war dagegen der Auftritt von Seitenbacher-Chef Willi Pfannenschwarz, der seinen eigenen Werbespot vom Blatt lesen sollte. Weiter als bis "Woisch Karle . . ." kam der Müllersohn und Rockmusiker nicht. Man kennt ihn, den Holtmann und seine Konsorten.

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