"Leute wie die Creszenz gibts nicht mehr"

Morgen wird Creszentia Miehlich im Ehinger Seniorenheim 100 Jahre alt. Die betagte Dame lebte in einem winzigen Häuschen am Viehmarkt.

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Creszentia Miehlich feiert morgen ihren 100. Geburtstag.  Foto: 

"Die Leut fragen heute noch nach ihr", sagt Irmgard Einsiedler, "solche Leute wie die Creszenz gibts nämlich nicht mehr", bekräftigt die Wirtin in der Ehinger Gaststätte "Schwert". Creszentia Miehlich wurde in Ehingen geboren und lebte am Viehmarkt in dem schmalen Häuschen gegenüber des Museums. Das halb verfallene Haus ist den Ehingern als "Judenschule" bekannt, obwohl es darüber keinen Nachweis gibt, dass es als solches genutzt wurde. Die Juden waren bereits um 1457 aus der Stadt vertrieben worden. Schon Creszentia Miehlichs Eltern wohnten in dem Haus, und die Tochter pflegte sie bis zu ihrem Tod. Das Haus hatte weder ein Bad noch eine Heizung, so dass für die Seniorin vor allem die Winter sehr beschwerlich waren. "Sie erzählte uns oft vom Reif an den Wänden", weiß Irmgard Einsiedler. "Deshalb kam die Creszenz oft zu uns zum Aufwärmen."

Es ist auch bekannt, dass Creszentia Miehlich gerne Brennholz für ihren einzigen Ofen annahm und für schlechte Zeiten lagerte. Wenn auf dem Viehmarkt der Christbaummarkt der CDU stattfand, war die Seniorin stets eine dankbare Abnehmerin der Stammstücke, die beim Kürzen eines Baumes anfielen. Im hohen Alter habe sie noch versucht, das Holz zu spalten, erinnert sich Irmgard Einsiedler. Die Jubilarin kann über ihre Jugend nichts mehr erzählen. Die unmittelbaren Nachbarn Lore und Rolf Sauter haben das Haus mittlerweile gemietet und Creszentia Miehlich früher vor allem an den Festtagen zu sich eingeladen. In jüngeren Jahren muss die Seniorin als Büroangestellte bei der Reichsbahn gearbeitet haben. "Sie ist immer zum Bahnhof rübergelaufen", erinnert sich Lore Sauter. Später habe sie bis zur Rente in der Küche des Klosters Untermarchtal gearbeitet. So steht es in Akten des Seniorenheims, in dem sich die alte Dame sehr wohl fühlt. "Sie ist eine unserer freundlichsten Bewohnerinnen", sagen die Pflegekräfte. Gelegentlich lässt sich die Greisin dazu bewegen, ein Gedicht aufzusagen. Das von der Schnakenjagd sei ihr liebstes, meinen die Schwestern. Miehlich hatte einen inzwischen verstorbenen Bruder in Stuttgart und eine Schwester im Kloster Untermarchtal. Die Schwester habe sie oft besucht, erinnert sich Einsiedler. Deshalb ist die 99-Jährige auch im Singen von Kirchenliedern ziemlich fit. Wer sie kennt, beschreibt Creszentia Miehlich als freundlich und zufrieden. Das hat sie sich auch im hohen Alter noch bewahrt.

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