"Die größte Errungenschaft ist die Freiheit"

"Demokratie ist immer in Gefahr", sagt Christoph Mehner, der in der DDR aufgewachsen ist. Für ihn endete mit dem Mauerfall eine Gefangenschaft.

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Christoph Mehner hat sich 1987 aus der DDR abgesetzt.  Foto: 

"Man hat es jeden Tag gespürt, dass uns Grenzen gesetzt waren", sagt Christoph Mehner. Damit meint der Kantor nicht nur die gemauerte Grenze, die die Bewegungsfreiheit einschränkte, sondern auch die Ideologie eines undemokratischen Regimes. Deshalb ist für ihn die größte Errungenschaft des Mauerfalls die gewonnene Freiheit. Dieses hohe Gut schätzt er auch heute noch jeden Tag.

Christoph Mehner erlebte den Mauerfall 1989 vor dem Fernseher. Und zwar im Westen. Schon 1987, zwei Jahre zuvor, hatte sich der Organist bei einer Konzertreise in den Westen abgesetzt. Der junge DDR-Bürger Mehner war ein begabter Organist und wurde 1984 mit 29 Jahren Zweiter beim renommierten Leipziger Bachpreis. Dieser Preis öffnete ihm die Türen, denn gute Musiker waren für die DDR auch gute Devisenbringer. Der junge Organist durfte erstmals 1986 in Holland und in der Schweiz konzertieren, 1987 in Saarbrücken setzte sich Mehner dann ab. "Ich hatte nur meinen Konzertanzug und einen Packen Noten dabei", erinnert er sich. "Plötzlich stand man nicht vor der Mauer, sondern hinter der Mauer." Die Eltern seien zwar in die Pläne eingeweiht gewesen, "aber etwas Konkretes konnte ich ihnen nicht sagen. Das wäre zu gefährlich gewesen." Als privater Lebensmittelhändler sei sein Vater der Staatssicherheit immer verdächtig gewesen, erinnert sich Christoph Mehner. Das religiöse Elternhaus war genau so wenig staatskonform wie die Tatsache, dass der junge Christoph nicht an der Jugendweihe teilgenommen hatte.

Die größte Sorge des Vaters sei gewesen, dass sein Sohn womöglich nie am Grab des Vaters stehen könnte. Als dann 1989 die Mauer fiel, war die Erleichterung grenzenlos. Die Familie konnte wieder zusammen kommen. Im Rückblick gilt Mehners Sorge den demokratischen Systemen. "Man muss darauf achten, das demokratische Prozesse erhalten bleiben", ist seine Mahnung. Die Überwachungsmechanismen der DDR kommen ihm mittlerweile plump vor. "Wir wussten wenigstens, von wem wir überwacht wurden", meint er. Heute sei die Überwachung viel perfekter.

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