Wo Existenzgründer ein Zuhause haben
Es ist ein Ort, an dem sich Gründer einmieten und beraten lassen können: Die TFU (ursprünglich: Technologie-Fabrik Ulm) gibt es nun seit 25 Jahren. Wir sprachen mit Geschäftsführerin Ulrike Hudelmaier.
Was ist das für ein Typus von Gründer, der zu Ihnen kommt und sich in einem Ihrer drei Häuser ein Büro mietet?
ULRIKE HUDELMAIER: Keine Hilflosen, keine Unselbstständigen. Es sind tolle Leute, die tolle Ideen haben. Leute, die wissen, dass anfangs Probleme auftauchen. Leute, die sich helfen lassen. Keiner kann ein Unternehmen alleine gründen. Wer hingegen die günstigste Miete sucht, ist bei uns nicht richtig.
Weil es eben gerade nicht Ihre Aufgabe ist, einzelne Gründer zu subventionieren.
HUDELMAIER: Genau. Mit einer Miete von 11 Euro pro Quadratmeter - inklusive aller Nebenkosten - liegen wir bewusst im Normalbereich des Mietspiegels. Dazu kommt eine Dienstleistungsumlage für Telefon/Fax und Beratung von 155 Euro im Monat. Wir vermieten sehr kleinteilig, auch einzelne Räume. Und unsere Mieter sparen sich eigene Besprechungszimmer, Teeküchen, WCs. Die werden zur Verfügung gestellt. Dadurch ist das Angebot durchaus günstig. Wir sind allerdings kein billiger Jakob.
Gibt es den idealen Unternehmer?
HUDELMAIER: Sie meinen so etwas wie den Verkäufer, der Eskimos Kühlschränke andrehen kann. Dieses Bild wird meines Erachtens völlig überschätzt. So jemand ist auf lange Sicht nicht erfolgreich. Meine Erfahrung ist die: Es gibt sehr zurückhaltende Menschen, die - sofern sie sich für den extrovertierten Außenpart einen Partner suchen - überaus gute Unternehmer sein können. Und es gibt die so genannten wahren Unternehmertypen, die allerdings gut beraten sind, für fachliche Details Experten hinzuzuziehen.
Was ist das Wichtigste, das Sie jungen Unternehmern mit auf den Weg geben?
HUDELMAIER: Wir haben beileibe nicht nur junge Gründer - das nur vorneweg -, unser jüngster Mieter ist 21 Jahre alt, unser ältester über 70. Das ist auch Ausdruck einer älterwerdenden Gesellschaft. Was wir allen raten, ist, auf die typischen Fallstricke zu achten. Häufig wird der Vertrieb unterschätzt. Viele haben ein großartiges Produkt, bringen es aber nicht in den Markt. Also helfen wir bei der Suche nach geeigneten Partnern. Das zweite große Thema ist die Finanzierung. Verhandlungen mit Banken. Fördertöpfe. Das dritte: die allgemeine Unternehmensführung. Das Geschäftsleben ist voll von Unwägbarkeiten, nichtsdestotrotz sollte man planen. Das fällt einem Betriebswirt naturgemäß leichter als einem Ingenieur, der es gewohnt ist, mit belastbaren Daten umzugehen.
War das schon immer so - oder hat sich der Beratungsbedarf in den vergangenen 25 Jahren geändert?
HUDELMAIER: Die Möglichkeiten Kooperationen mit anderen Unternehmen einzugehen sind inzwischen besser geworden. Die Notwendigkeit wird auch eher gesehen. In den Anfangsjahren ging es vor allem darum, die nötige Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Telefon, Fax et cetera. Heute können Sie von zu Hause aus mit der ganzen Welt in Verbindung stehen. Natürlich haben solche Entwicklungen dazu geführt, das Selbstverständnis der TFU zu überdenken. Wir verstehen uns heute in erster Linie als Begleiter im Alltagsgeschäft und kümmern uns um die täglichen Probleme.
Wie war das mit der Gründung der TFU? Barg dieser Anfang nicht gewisse Risiken?
HUDELMAIER: Es gibt hier gewisse Parallelen zu Unternehmensgründungen. Damals wurde Neuland betreten. Wie man so eine Einrichtung betreibt, wusste niemand. Es gab keine Erfahrungswerte. Die Gründung war Teil einer Strategie, mit der die Region auf den Strukturwandel antwortete, der sich in der großen Krise Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre abzeichnete. Nach dem Desaster um Videocolor und weiteren großen Industriefirmen.
Sie sagten einmal: Es gibt kein Wirtschaftsleben ohne Krisen - dieser Satz lässt sich auch auf die TFU übertragen, nicht wahr?
HUDELMAIER: Ja, das kann man durchaus so sehen. Als vor fünf Jahren die Frage aufkam, ob so eine Einrichtung noch Sinn macht, hat dies durchaus eine Krise ausgelöst. Es kam einiges zusammen: Die TFU hatte Defizite. Die Auslastung war nicht gut - und man hatte gerade das Haus von der Dasa gekauft. Aber die Restrukturierung gelang.
Nicht zuletzt, nachdem Sie als neue Geschäftsführerin eingesetzt wurden.
HUDELMAIER: Ich finde es absolut okay, regelmäßig die Wirtschaftlichkeit darzulegen. Eine sinnvolle Wirtschaftlichkeit, wohlgemerkt. Denn wir können nicht jedes Jahr 100 Prozent der Kosten erwirtschaften, allenfalls 90. Wenn alle Häuser vollbelegt blieben, könnten wir keine neuen Gründer aufnehmen - somit keinem neuen helfen. Ein- und Auszug sind ein normaler Prozess. Die TFU kann folglich nicht 1:1 aufgehen. Ich glaube, die Gesellschafter verstehen das inzwischen.
Die Gebäude sind vergleichsweise schlicht. Sind sie zufrieden damit?
HUDELMAIER: In diesem Punkt begeben wir uns bewusst auf die selbe Stufe wie die Gründer. Wir wollen kein Hochglanzgebäude, sondern eine angemessene Adresse.
Wie sieht das Gründerzentrum der Zukunft aus?
HUDELMAIER: Es wird weiterhin eine wichtige Rolle als Anlaufstelle spielen. Angesichts der fortschreitenden Individualisierung wollen und müssen wir uns zugleich öffnen, für jene, die nicht bei uns einziehen möchten. In Ansätzen ist das für uns schon jetzt ein Thema.
Wenn die Gründer nicht zu Ihnen kommen, gehen Sie dann raus zu den Gründern?
HUDELMAIER: Ja, wenn uns Gründer in den Landkreisen brauchen, stehen wir jetzt schon vor Ort zur Verfügung. Und wir pflegen ein umfangreiches Netzwerk, um unseren Gründern mit den richtigen Kontakten helfen zu können. Zudem besuchen wir spezielle Veranstaltungen. Schon allein, um die TFU bekannt zu machen.
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Autor: REGINA FANK | 02.09.2010
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Ulrike Hudelmaier spricht über Existenzgründungen.
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