Waffe hoffentlich nie nötig
Ehingen. Sie hat ihren Kindheitstraum fast verwirklicht: Tanja Ruff ermittelt derzeit im Polizeirevier Ehingen. Nach dem Studium wird sie Kommissarin. Eine Waffe abzufeuern war der 20-Jährigen erst nicht geheuer.
Auf die Frage, ob man bei der Polizei als Frau nicht zu kämpfen habe, braucht die große, blonde 20-Jährige nicht mal abzuwinken. "Das ist kein Thema mehr, bei uns in der Ausbildung sitzen eigentlich zur Hälfte Frauen", sagt Tanja Ruff und beendet das Thema kurz und schmerzlos. Dumme Sprüche hört die Kommissaranwärterin im Ehinger Polizeirevier keine, sagt sie: "Die sind alle so lieb, und man kann immer Fragen stellen."
Schon von Kindesbeinen an war der Beruf für Ruff, die aus Munderkingen kommt, ein Traum. Ihr Vater arbeitet selbst im Ehinger Streifendienst. Der wollte eigentlich, dass sie Lehrerin wird, doch sein Beruf schien ihr interessanter: "Es ist ein ganz bunter Beruf, man hat mit Menschen zu tun, mit Gesetzen, und Sport ist auch dabei."
Eine Waffe in der Hand zu halten fühlte sich dann doch nicht ganz geheuer an, berichtet die BA-Studentin: "Am Anfang war es seltsam, ich habe großen Respekt vor Schusswaffen." In der Ausbildung muss sie fast wöchentlich in den Schießstand nach Ulm. Mittlerweile sehe sie das Schießen als Sport, der nun auch Spaß macht. "Ich bin froh, wenn ich die Waffe draußen nie brauche."
Ruffs Ausbildung hat vor einem Jahr mit einer neunmonatigen Vorausbildung bei der Bereitschaftspolizei begonnen. Derzeit absolviert Ruff ihr Einführungspraktikum in Ehingen: Nach vier Monaten Streifendienst stehen zwei Monate Ermittlungsdienst am PC und vor Ort an. Sie vernimmt Zeugen, besichtigt Tatorte, nimmt Fingerspuren mit Rußpulver auf. "Es ist interessant, was man aus Spuren alles rauslesen kann", sagt die Studentin. Zum Beispiel, woher ein Einbrecher gekommen sein muss und wie er flüchtete. Jeder Fall sei anders und neu, das sagen auch alteingesessene Ehinger Kollegen, berichtet Ruff. "Es ist ein Erfahrungsberuf."
Zusammen mit Kollegen musste die Studentin schon einen volltrunkenen, hilflosen Mitbürger in Gewahrsam nehmen: "Wichtig ist, dass man bei Vernehmungen wie Festnahmen den Leuten ihre Rechte klarmacht und vor der Zelle noch die Haftfähigkeitsprüfung kommt." Ein Arzt muss dabei signalisieren, dass dem Häftling in Haft gesundheitlich nichts passieren wird.
Nach jeder Handlung steht der Papierkram an, aber selbst das schreckt die 20-Jährige nicht: "Geschrieben habe ich schon immer gern, das macht mir Spaß." Nach ihrem Praktikum in Ehingen kommen zwei Jahre Studium in Villingen-Schwenningen, unterbrochen durch ein halbjähriges Praktikum - das will sie zwecks Vergleich in einer größeren Stadt absolvieren -, Prüfungen und Bachelor-Arbeit. Großeinsätze bei Demonstrationen sind im Ausbildungsprogramm des gehobenen Dienstes "leider nicht vorgesehen", bedauert Ruff. "Das wäre schon mal interessant."
Am Ende ist die Munderkingerin "Bachelor of Arts", Police Service. Was danach kommt, kann Ruff derzeit noch nicht sagen. Sie wird als Kommissarin entweder zur Schutzpolizei in den Streifendienst gehen oder zur Kriminalpolizei. "Vielleicht mache ich erst ein paar Jahre Streifendienst und spezialisiere mich später." Das tolle an dem Beruf sei auch, dass er keine Einbahnstraße ist: Ruff kann Lehrerin bei der Bereitschaftspolizei werden, sie kann zur Hundeführerstaffel, zur Wasserschutzpolizei, zur Verkehrspolizei, je nach Fähigkeiten und Interessen. Eines ist sicher, sagt sie: "Es war die richtige Entscheidung."
Info Mehr Infos zum Polizeiberuf auf www.polizei-ulm.de oder beim Einstellungsberater der PD Ulm, Peter Frey, Telefon: (0731) 188 11 10.
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Autor: KARIN MITSCHANG | 02.09.2010
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Der angehenden Kommissarin Tanja Ruff (links) gefällt der Kontakt mit Menschen - hier ein gestelltes Bild. Foto: Karin Mitschang
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