Stempeln ist Vergangenheit
Ehingen. Die Ehinger Geschäftsstelle der Agentur für Arbeit ist auf eine Art einzigartig. Auch gibt es dort keine Wartezeiten mehr. Dies und mehr hat OB Johann Krieger gestern in der Ehinger Arbeitsagentur erfahren.
"Die Kurzarbeit hat uns durch die Krise getragen", sagt Paul Junginger, früherer Leiter der Ehinger Geschäftsstelle der Agentur für Arbeit Ulm. Denn 30 Prozent des Arbeitsausfalls im Alb-Donau-Kreis im ersten Halbjahr 2009 sei durch die Kurzarbeit aufgefangen worden. Gäbe es dieses Instrument nicht, wären 950 Menschen mehr ohne Arbeit gewesen. Bei insgesamt 4446 Arbeitslosen hätte dies eine Steigerung von 20 Prozent ausgemacht.
Doch gebe es erste Anzeichen, sagte Petra Cravaack, Leiterin der Agentur für Arbeit Ulm, gestern anlässlich eines Besuchs von OB Johann Krieger in der Ehinger Geschäftsstelle, dass die Kurzarbeit langsam weniger werde. Bei den Arbeitslosenzahlen hoffe man auf eine gute wirtschaftliche Entwicklung im zweiten Halbjahr. Denn im Jahresdurchschnitt waren im Krisenjahr 2009 in Ehingen 1385 Personen arbeitslos gegenüber 987 im Jahr 2008. Und die Zahlen der ersten beiden Monate des aktuellen Jahres lassen kaum Besserung erwarten.
So dürfte der Ehinger Behörde, früher Arbeitsamt genannt, die Arbeit noch lange nicht ausgehen. Zudem agiert die Agentur in der Großen Kreisstadt, was bundesweit einzigartig sei, in beiden Rechtskreisen: Sie betreut sowohl "Erstarbeitslose", die zunächst befristet Arbeitslosengeld empfangen und dem so genannten SGB III-Kreis angehören - SGB steht für Sozialgesetzbuch. Zum zweiten ist sie für SGB II-Kunden, im Volksmund Hartz IV-Empfänger genannt, zuständig. Dies habe sich bewährt, berichtete Petra Cravaack. Zwar bedeute die Lösung "spürbar mehr Personalaufwand", die Kunden könnten sich jedoch lange Wege nach Ulm sparen. "Es ist wichtig, in Ehingen zu bleiben", fügte die Agenturchefin an.
Denn immerhin leben gut 50 000 Menschen im Altkreis Ehingen, für den die Ehinger Geschäftsstelle zuständig ist. Und 39 Prozent aller Kunden der Agentur Ulm gehören zum Bereich Ehingen. Demnächst wird der SGB-II-Bereich in den Anbau des Ritterhauses umziehen, der allerdings laut Cravaack schon wieder zu klein ist. "Wir haben so viele SGB II-Kunden", sagte sie dem OB.
Er erfuhr auch, dass es bei der Agentur keine Wartezeiten mehr gibt wie früher, dass Kunden keine Nummern mehr ziehen müssen und dass auch das landläufig bekannte "Stempeln" längst Vergangenheit ist. Die Besuche werden vorab terminiert, erklärte Dieter Kaiser von der Agentur, die Mitarbeiter helfen beim Ausfüllen der schwierigen Antragsformulare "in verständlichem Deutsch". Die Anträge würden so schnell berechnet, dass der Bescheid spätestens vier Tage nach Antragstellung eintreffe, versicherte Petra Cravaack.
"Bürger aus spätrömischer Dekade" seien ihm noch kaum untergekommen, beantwortete Kaiser eine Frage Kriegers zur aktuellen, von Außenminister Guido Westerwelle (FDP) angestoßenen Diskussion um Hartz IV-Empfänger. Schwarze Schafe gebe es überall, in Ehingen sei die Zahl der Missbrauchsfälle aber nicht hoch.
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Autor: RAINER SCHÄFFOLD | 20.03.2010
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Mario Vetter, Leiter der Ehinger Geschäftsstelle, Petra Cravaack und Dieter Kaiser (ganz rechts) führten den OB durch die Arbeitsagentur. Foto: Rainer Schäffold
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