Rom und seine Reiter im Südwesten

Archäologische Museen und Museumsabteilungen schlafen öfter mal vor sich hin oder aber sie werden mit Führungsangeboten und Projekten so lebendig umgetrieben, dass es von Gruppen und Schulklassen nur so wimmelt. Das Limesmuseum in Aalen macht seinem Status als das größte Römermuseum Süddeutschlands, das auf dem Gelände des damals - im 2. Jahrhundert nach Christus - größten römischen Reiterkastells nördlich der Alpen steht, alle Ehre. Zwischen 45 000 und 60 000 Besucher kommen jährlich in die Ausstellung und den archäologischen Park, seit das Areal 2005 zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt und attraktiv erweitert wurde.

Ja, diese bemerkenswerte Resonanz geht zu einem guten Stück darauf zurück, dass Museumsleiter Ulrich Sauerborn sehr aktiv und praxisbezogen die Schulen im Land anspricht. Und dass im Limesmuseum für Kinder eigentlich immer etwas los ist, ob sie sich nur mal rasch als Römer verkleiden oder mit buntem Programm dort ihren Geburtstag feiern. Entscheidend für die Anziehungskraft und Qualität eines archäologischen Museums ist aber natürlich, dass die inhaltliche und ästhetische Aufbereitung generationenübergreifend ankommt. Und das klappt in Aalen mit einem Wechselspiel von großformatigen Schaubildern, klarem Text, Modellen und Vitrinen mit Ausgrabungsstücken, das sich zu allen Themen und auf allen Ebenen durchzieht.

Der Einstieg in die Römerzeit im Südwesten - 15 v. Chr. waren die Eroberer über die Alpen losgezogen, im Jahr 476 hatten die Alamannen die Römer dann endgültig aus der Provinz Raetien vertrieben - ist optisch gleich eindrucksvoll. Gut sechseinhalb Meter hoch ist die Jupitersäule mit ihren Götterporträts, die im offenen Treppenhaus bis ins Obergeschoss hinaufragt, ein Fund aus dem Kastellareal von Walheim.

Auch die Nachbildung einer Traiansstatue oder zum Teil prächtig erhaltene, zum Teil fragmentierte Gesichtshelme können uns noch heute imponieren. Sie symbolisieren: Gegen "Pax Romana", den römischen Frieden, den die Besatzung dem süddeutschen Raum aufgezwungen hatte, sollte man damals besser nicht aufmucken.

Die 1000 Mann und 1000 Pferde, die im 2. Jahrhundert am Platz des heutigen Aalen zur Sicherung des obergermanisch-raetischen Grenzwalls stationiert waren, sind zwar immer wieder beispielgebend. So erfährt man, dass im Kastell Aalen allein 1360 Tonnen Getreide pro Jahr verbraucht wurden. Die Präsentation führt jedoch Funde und Erkenntnisse von zahlreichen Ausgrabungsorten zusammen und macht das Geschichtsporträt breit. Schauen - ob vor dem endlos langen Zinnfiguren-Diorama oder eben den klassischen Vitrinen mit Waffen, Werkzeug, Geschirr, Schmuck, Münzen oder Götterstatuetten - und Informieren geht im Limesmuseum wie von selbst ineinander über. Wobei das zivile Leben in den Kastelldörfern ebenso wichtig genommen wird wie das militärische - waren Besiedlung, Landwirtschaft, Handwerk doch nachhaltige Errungenschaften für die Regionen.

Ein starkes Plus des Limesmuseums ist in der warmen Jahreszeit natürlich der Archäopark. Da beginnt jetzt die Saison. Erst auf die Ernennung zum Welterbe hin wurden auf dem Kastellgelände die Mauerreste des Stabsgebäudes freigelegt, das mit gut erhaltenem Fahnenheiligtum, dem religiösen Zentrum des Kastells, mächtig Eindruck macht, Geschichtsgefühl aufkommen lässt. Im Nachbau einer Reiterkaserne inklusive Pferd und Legionär geht es rustikaler zu. PETRA KOLLROS


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Autor: SWP | 04.04.2011

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