Reizend und gereizt
Ehingen. Amüsant und leicht frivol: So war der Chansons-Abend im Franziskanerkloster mit der Munderkingerin Monika Kneer und Stefan Keulen aus Berlin.
Mitten in Ehingens fünfter Jahreszeit, wenn das gesellschaftliche Leben ganz auf die Fasnet ausgerichtet ist, einen Liederabend anzubieten, könnte man als ziemlich gewagt ansehen. Das glatte Gegenteil war der Fall. In das Franziskanerkloster strömten Menschen, die der wilden Feierei entkommen wollten. 150 Zuhörer erlebten ein wunderbares Gesangsduo, das sich mit Witz und Elan durch die Schlagerwelt der 30er Jahre bewegte. Die Munderkinger Diplomrestauratorin Monika Kneer und ihr Partner Stefan Keulen ließen mit alten Gassenhauern und Berliner-Luft-Liedern die Schellack-Ära wieder aufleben. Nicht nur Max Raabe ist damit derzeit sehr erfolgreich. Die gewagten Verse, in denen sich "Fidschi-Inseln" auf "Körper schwarz bepinseln" reimt, amüsieren immer wieder.
Zudem legte das Duo, das bisher überwiegend im Munderkinger Raum auftrat, ein großes komödiantisches Talent an den Tag. "Josef, ach Josef, was bist Du so keusch", schmachtete Monika Kneer im grünen Samtkleid mit schwarzer Federboa. Die Diva setzte ihrem Adjutant so sehr zu, dass der sich dieser Übergriffe kaum erwehren konnte. Kaum war das Hemd wieder in der Hose und die Fliege gerade gerückt, hatte das Paar musikalisch Zoff. In den Heiratssong kamen ordentliche Dissonanzen hinein. Songs von den Comedian Harmonists wechselten mit Schlagern von Jacques Brel oder Titeln aus Musicals wie "Cabaret".
Der Berliner Sänger Stefan Keulen ist ausgebildeter Schauspieler, aber auch Monika Kneer liegt die Schauspielerei im Blut. Ihr 1977 gestorbener Vater Hans-Peter Kneer hat die Kuttla-Kapelle mitbegründet und ist auch als solistischer Fasnachter in Munderkingen unvergessen. Zu dem Ulmer Restaurator und Maler Kurt Kneer, der 2006 im Franziskanerkloster ausstellte, besteht aber kein verwandtschaftliches Verhältnis. Mit Leichtigkeit schlüpfte Monika Kneer aus dem Arbeitskittel der Restauratorin in die Roben einer Diva wie Hildegard Knef, deren "Ochs tut es, Kuh tut es, ein gesundes Känguru tut es" amüsierte.
Die beiden Interpreten konnten aber auch ganz schön giftig sein. Beim "Tauben vergiften im Park" von Georg Kreisler und dem Regenwurmlied bekam die Satire einen schwarzen Einschlag und mit sichtbarem Genuss wurde das arme Regenwürmchen mit den Schuhen zertreten. Am Klavier begleitete der Holländer Frank Pols das Paar, das sich auch aufreizend und gereizt zeigen konnte. Auf jeden Fall ein reizender Abend.
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Autor: CHRISTINA KIRSCH | 09.02.2010
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Was sich liebt, das neckt sich - und ging sich am frivolen Chansons-Abend auch an die Wäsche. Die Munderkingerin Monika Kneer und Stefan Keulen aus Berlin unterhielten 150 Zuhörer im Franziskanerkloster auf das Amüsanteste. Foto: Christina Kirsch
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