Neue Impulse für die Alb

Jetzt ist es offiziell: Aus der ehemaligen Soldatensiedlung Altes Lager in Münsingen wird eine „Wohlfühlwelt“. Lagerhallen in der Nähe, die Liebherr Ehingen gemietet hat, sind aber von den Plänen nicht betroffen.

Joachim Lenk |
Am Freitag ist der Verkauf des Alten Lagers in Münsingen notariell beurkundet worden (wir haben berichtet). Um 13.30 Uhr setzten Investor Franz Tress sowie Michael Scharf und Angela Gänzle von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) ihre Unterschriften unter den Vertrag.

„Ich freue mich“, sagte ein sichtlich zufriedener Tress. Für ihn sei das ein historischer Tag. „110 Jahre militärische Nutzung und zehn Jahre Dornröschenschlaf des Alten Lagers gehen nun zu Ende“. Mehr als zwei Jahre Verhandlungen seien vorbei. Tress gehören vom kommenden Monat an nicht nur das rund 70 Hektar große Alte Lager, sondern weitere 20 Hektar Fläche um das Lager herum. Dazu zählt auch das ehemalige Wohngebiet Am Kapf. Dort standen bis vor ein paar Jahren neun Häuser für Bundeswehrangehörige, sie wurden inzwischen abgerissen. Der angrenzende Friedhof Hörnle, die insgesamt 38 Kilometer lange Panzerringstraße und die Lagerhallen auf dem Gänsewag, die Liebherr Ehingen gemietet hat, bleiben indes weiter im Eigentum der Bima.

Vom 1. November diesen Jahres an gehen alle mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben geschlossenen Verträge auf die Tress Betreibergesellschaft Albgut GmbH über. Im Alten Lager gibt es derzeit 60 Mieter, die Gebäude und Hallen in einer Größenordnung von 50 bis 500 Quadratmetern gemietet haben. Dazu zählen neben verschiedenen Handwerksbetrieben und Firmen auch die Daimler AG, die Verkehrswacht Reutlingen-Münsingen und das Militärhistorische Museum. Derzeit gibt es zudem noch einen Vertrag mit dem Landratsamt Reutlingen, das sechs Gebäude für bis zu 250 Asylbewerber angemietet hat. „Dieser endet am 30. April 2016“, antwortete Tress auf Nachfrage unserer Zeitung. Es sei nicht vorgesehen, ihn zu verlängern, fügte er hinzu.

Während des jetzt in Auftrag gegebenen Bebauungsplanverfahrens werden im Alten Lager von November an parallel Instandsetzungs- und Sanierungsmaßnahmen laufen. Danach beginnt der erste von zwei Bauabschnitten. In zehn Jahren soll die „Wohlfühlwelt“ im „Albgut“-Ressort fertig sein. „Unser Bestreben ist, die Wirtschaft, die Umwelt und Soziales in Einklang zu bringen.“ Im Bereich Soziales sieht Investor Tress vor, Wohnraum, Arbeits- und Ausbildungsplätze für sozial Schwache und Menschen mit Migrationshintergrund zu schaffen. Der Investor geht davon aus, dass im Alten Lager in den nächsten Jahren mehr als 100 neue Arbeitsplätze entstehen. Der ehemalige Fernmeldeturm Gonio, den einst das französische Militär auf einer Anhöhe neben dem Hochbehälter Hornwald bauen hat lassen, steht noch und gehört demnächst ebenfalls dem Investor.

Über den Verkaufspreis schwiegen sich die Vertragspartner aus. Beide lobten indes die Vertreter der Stadt, des Landratsamtes, des Regierungspräsidiums und des Staatsministeriums. Ohne deren Mithilfe wäre man sicher nicht so zügig vorangekommen, sagten beide. Immerhin habe es „eine Handvoll seriöse und unseriöse Interessenten“ gegeben, berichtete Scharf. Einige hatten nur Interesse an ein paar Gebäuden, nicht aber am gesamten Ensemble bekundet.

Politiker und Behördenvertreter zeigten sich hocherfreut über die Pläne des Investors: „Hut ab vor dem, der in der heutigen Zeit in ein solches Projekt investiert. Da gehört viel Herzblut dazu“, lobte Bima-Vertreter Scharf während der Pressekonferenz am Freitagnachmittag. Vor ein paar Jahren hatte die Stadt Münsingen, die ebenfalls kurzzeitig Interesse am Alten Lager hatte, ausgerechnet, dass allein in die Infrastruktur rund 4,5 Millionen Euro investiert werden müssen.

Münsingens Bürgermeister Mike Münzing zeigte sich sehr erfreut darüber, dass nun endlich, knapp zehn Jahre nach dem Abzug der Soldaten, die Zukunft des Alten Lagers gesichert und in guten Händen sei. „Dieses Projekt wird auch der Alb und dem Biosphärengebiet neue Impulse geben.“ Albgut sei auch für die Weiterentwicklung der Stadt von großer Bedeutung. Deshalb werde die Stadtverwaltung Münsingen dem Investor und seinen Mitstreitern jede nur erdenkliche Hilfe anbieten, versprach Münzing am Telefon.

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