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Mit Tauschring hat alles begonnen

Die Kromet der originellen Gruppe Falch/Bertsche ist fertig. Ehrensache, dass das Motto vorher nicht verraten wird. Das närrische Volk soll von der seit 65 Jahren bestehenden Truppe wieder überrascht werden.

INGEBORG BURKHARDT | 0 Meinungen

Die Gruppe Falch/Bertsche sei "ein sehr lohnendes Forschungsobjekt", das hatte Professor Dr. Werner Schmezger von der Fasnetsforschung aus Tübingen alias Steffi Bertsche während der internen Feier zum 65. Geburtstags der ältesten Maschkergruppe in Munderkingen festgestellt. Die Enkelin der Mitbegründerin Josefa Bertsche, die "den Referenten" mimte, hat das Fasnetsfieber mit der Muttermilch eingesogen. Ihre Mama Thea Bertsche, die aus Erbstetten kam, war gleich nach der Hochzeit mit Robert Bertsche mit dem Fasnetsbazillus infiziert und leitet die 20-köpfige närrische Schar, die über Generationen hinweg für eigenen Nachwuchs sorgt und aktuell vier Kinder hat. Bei ihrem närrischen Treiben bei Umzügen oder auch in den Lokalen greifen sie aktuelle Themen auf oder zeigen schelmisch, wo die Bürger der Stadt der Schuh drückt.

"I bin so alt wie die Gruppe", sagt die 65-Jährige, und somit hängt der ihr von ihrer Gruppe verliehene Lorbeerkranz, der zur Fasnetszeit an die Haustüre in der Weitzmannstraße kommt, goldrichtig. Von hier aus starteten nämlich schon 1947 die Geschwister Mohn (Josefa Bertsche, Rosa Bieg und Karl Mohn) mit Auguste Selg sowie Freunden und Nachbarn als "Tauschring". Spontan hatten sie nach Ende des ZweitenWeltkriegs mit bescheidener Kostümierung und Ziehharmonika die Jahrhunderte alte Tradition der Straßenfasnet und des "Maschkera gau" wieder aufgenommen.

Weil es so "schee war", sei die Tradition fortgesetzt, mit der Zeit auch die Kostüme besser und die Gruppe größer geworden, sagen Bertsches, die auch ein Archiv führen. Demnach bekam nach dem Eintritt der Fabrikantengattin Toni Falch 1953 die bis dato namenlose Mäschkerles-Formation den Titel "Gruppe Falch verpasst. Zum 50-jährigen Bestehen 1997 sah die närrische Schar die Zeit gekommen, den Familiennamen der federführenden "Frau der ersten Stunde" anzuhängen und damit die Verdienste von Josefa Bertsche zu würdigen.

Ob im Alleingang, mit ihrem Team, in Kooperation mit Hans Peter Kneer oder anderen Akteuren, die am Glombigen Donnschtig oder Fasnetsmeetig spontan ins Häs schlüpften, um irgendeine Vorführung zu gestalten, stets war "Sefa Bertsche" dabei. So parodierte sie 1972 den früheren Dorfpolizisten Golde (Karl John), inszenierte mit ihrer Clique am Fasnetsmeetig auch eine unvergessliche "Hochzeit des Jahres", schlüpfte 1955 beim Zirkusspiel unter die dicke Haut des Elefanten und war auch bei der "Einweihung der Angerbrücke" 1968 aktiv. Mit dieser Aktion waren die Munderkinger und die Gruppe Falch/Bertsche wieder einmal ihrer Zeit voraus, denn die desolate hölzerne Behelfsbrücke aus dem Jahr 1947 wurde erst 1969 abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt.

Als die Mitbegründerin zum 50-Jährigen Bestehen der Gruppe in der Kutsche fuhr, hatte ihre Schwiegertochter Thea schon längst ihre Arbeit als "Führungskraft" übernommen. Im Kostümlager auf dem Dachboden waren schon Kostüme von "feinen Damen" (1951), der Modenschau 1958, den Hampelmännern 1979, von den "Bauern vom Rindviehmarkt" (1956), von der Hochzeit des Schahs (1960), von Internatstöchtern oder der Stadtgarde (1970) eingereiht und mit kleinen Abänderungen erneut im Einsatz gewesen.

Schon 1959 hatte die Gruppe bei der Sparkasse ein Spendenkonto angelegt, über das die Trommgesellenzunft ab 2059 verfügen kann. Manche der von Falch/Bertsche im Laufe der Jahrzehnte gespielten Tipps zur Belebung der Kleinstadt, wie das Stadttheater, das "Pensionat für höhere Töchter", die "Gondeln in Klein-Venedig" bei der Wörthinsel, die Neueröffnung des Inselbads oder ein Pferderennen à la Ascot blieben einfach nur närrische Visionen.

Weil die Straßenfasnet Frauensache war, sind beim "Maschkera gau" und am Fasnetssonntag im Umzug fast nur die Frauen und Kinder unterwegs. Montags macht man bei Falch/Bertsches eine Ausnahme: Da dürfen beim Kinderumzug auch zwei Männer mit. Ansonsten agieren sie im Hintergrund. Anton Klein und Karl-Heinz Brunner bauen seit 20 Jahren die Umzugswagen. Josef Ott, der 35 Jahre lang im Umzug bei der Frauentruppe oft den Ton angeben durfte, verstarb im vergangen Jahr. Kurze Zeit später erlitt die Gruppe mit dem Tod von Annemarie Zimmermann einen weiteren herben Verlust. Doch beide hätten ihnen gesagt, dass das Leben weitergeht und die nächste Fasnet bestimmt kommt.

Info Der närrischen Gruppe gehören an: Thea Bertsche, Sonja Blersch, Claudia Brunner, Sabine Edel, Heidi Fues, Steffi und Markus Gall, Paul und Ulrike Gröber, Margret Haaga, Gabi Heckmann, Carmen Klein, Martina Kreutle, Elke Mayer, Marianne Neher, Sonja Neumann, Uschi Ottenbreit, Susanne Rupp und Alexander Schmidhofer.

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