Wolfgang Lackerschmid bei Open Air in Ulm

Wolfgang Lackerschmid spielt in Shakespeares Sommernachtstraum auf der Wilhelmsburg in Ulm die Musik. Klangteppiche, ironisierte Liebesszene und Zaubermusik werden beim Sommer-Open-Air zu hören sein.

CHRISTINA KIRSCH |
Es ist kalt im Innenhof der Wilhelmsburg. Regisseur Andreas von Studnitz trägt eine dicke Winterjacke und auch die Souffleuse und Regieassistentin haben sich in Schals und Mäntel eingewickelt. Nur der Musiker Wolfgang Lackerschmid braucht keine Daunenjacke. Er steht etwas windgeschützt in Jeans und Jackett in einem bunten Wohnwagen an seinem Vibraphon und macht Musik. Das Ensemble probt Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“, der am Samstag , 6. Juni, um 21 Uhr auf der Ulmer Wilhelmsburg Premiere hat.

Das Sommer-Open-Air des Theater Ulm bietet den Zuschauern dieses Jahr mit dem Sommernachtstraum und der „West Side Story“ zwei sehr unterschiedliche Produktionen. Im märchenhaften Sommernachtstraum dreht sich das Liebeskarussell zwischen drei Paaren. Ein paar Elfen sorgen für zusätzliche Verwirrung. Dagegen ist das Musical „West Side Story“ gesellschaftlicher Sprengsatz mit gesanglichen Hits wie „Maria“ oder „Amerika“.

Der Sommernachtstraum, zu dem der Ehinger Musiker Wolfgang Lackerschmid live spielt, wird insgesamt acht Mal aufgeführt. Weit mehr als die Hälfte der Karten seien schon ausverkauft, berichtet Sprecherin Susanne Lemke.

Bei den Proben auf dem Asphalt im Innenhof der Wilhelmsburg haben sich gerade Demetrius, Helena, Lysander und Hermia ineinander verhakt. Es hagelt derbe Schimpfworte. „Hau ab, du blondes Gift“, wettert Lysander. „Große Klappe und nichts dahinter“, ärgert er sich über Zudringlichkeiten der falschen Frau.

Im Hintergrund der Bühne steht ein bunt bemalter Wohnwagen, in dem Wolfgang Lackerschmid seine Instrumente aufgebaut hat. Mit Percussionsinstrumenten untermalt er das Wortgefecht. „Ich greife aber auch musikalisch in das Geschehen ein“, sagt der Vibraphonist. Regisseur Andreas von Studnitz hat den Musiker regelrecht in das Stück mit eingeschrieben. Wolfgang Lackerschmid darf eine Musikelfe mit dem Kosenamen „Baby“ spielen und freut sich diebisch, dass Oberon so richtig sauer auf ihn wird. „Der ist eifersüchtig auf mich“, erklärt der Musiker die Szene. In seiner Eifersucht steigt Oberon dem Wohnwagen aufs Dach. Das bunte Gefährt, das der Musikelfe als vorübergehendes Zuhause dient, ist poppig bemalt und wurde von der Firma Hymer zur Verfügung gestellt. Nach dem Theatersommer wandert die Kulisse ins Hymer-Museum. Andreas von Studnitz treibt die Probenarbeit vorwärts. Als der Waldgeist Puck auftritt, will er vom Musiker „Musik, meinetwegen gestrichen, gestreichelt, geleckt“.

Für Wolfgang Lackerschmid bieten diese Vorgaben genügend Spielraum. Für den Sommernachtstraum hat Wolfgang Lackerschmid drei Songs komponiert, „die eigentlich richtige Suiten sind“. In einer Zaubermusik muss er das Zurücksortieren der verwunschenen Paare untermalen und ein anderes Mal will der Regisseur „ein paar Grüße von Arnold Schönberg“. Es darf also mal leicht und märchenhaft, mal verzwickt und schrill sein. Es gibt „gestrichene und geklöppelte Klangteppiche“ und Musik, die auch Schmerz ausdrückt. Eifersucht tut nun mal weh. Während der Proben notiert sich der Musiker Stichworte in seine Noten und verfolgt das Bühnengeschehen genau. Aber es bleibe immer Raum für Improvisationen, betont er. „Ich will auch auf das Wetter eingehen, das am jeweiligen Aufführungsabend herrscht“, sagt Wolfgang Lackerschmid.

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Themenschwerpunkt

Theatersommer auf der Wilhelmsburg

Theatersommer auf der Wilhelmsburg

Vom 6. Juni bis 15. Juli 2015 veranstaltet das Theater Ulm auf der Wilhelmsburg seinen Theatersommer. Inszeniert werden die Komödie "Ein Sommernachtstraum" von William Shakespeare sowie Leonard Bernsteins Musical "West Side Story".

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