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Das Bäumchen ist zum Narrenbaum herangewachsen

Besonders in der Fasnet treten althergebrachte Rivalitäten zwischen Städten zutage. Ehingen und Munderkingen machen da allerdings eine kleine Ausnahme: Sie haben sich vor 50 Jahren ineinander vernarrt.

STEFAN BENTELE | 0 Meinungen

Vor bald 50 Jahren haben sich Narren aus Ehingen und Munderkingen "vernarrt". Das zumindest verkündeten die beiden Narrenzünfte in einer Anzeige im EHINGER TAGBLATT am 22. Februar 1963. Sie hatten sich damals darauf geeinigt, nicht mehr an ein- und demselben Tag Umzüge abzuhalten, sondern sich abzusprechen. Seitdem tummeln sich am Fasnetssonntag die Narren aus Ehingen auf den Straßen in Munderkingen; umgekehrt besuchen am darauffolgenden Dienstag die Munderkinger den Umzug in Ehingen. Von einem "Bäumchen der Verbundenheit" war damals die Rede, dass zu einem "starken Narrenbaum emporwachsen soll".

"Einigung" nennt Günter Reisch, "Narrenvadder" der Narrenzunft Spritzenmuck, die Übereinkunft heute; als "lokales Denken" beschreibt sie dagegen Konrad Weiß von der Trommgesellenzunft Munderkingen. Trotz verschiedener Bezeichnungen, das eigentliche Ziel war dasselbe: sich nicht gegenseitig die Zuschauer streitig machen. Kein einfaches Unterfangen. "Es war lange Tradition, dass beide Termine von beiden Zünften verwendet worden sind", sagt Spritzenmuck-Zunftmeister Lothar Huber.

Schon zuvor hatte es so manchen Versuch gegeben, das Problem aus der Welt zu schaffen. Doch diese Kontakte glichen eher Sticheleien denn einem ernsthaften Versuch, das Problem zu lösen. Im Jahr 1958 etwa gab es ein erstes Gespräch zwischen Zunftvertretern beider Städte, wie die Aufzeichnungen von Günter Reisch zeigen. "Munderkingen muss nur guten Willen zeigen, der von Ehingen ist ja bekannt", heißt es darin hämisch. Doch erst fünf Jahre später konnten sich Vertreter beider Zünfte zu einer Einigung durchringen. Heiner Hähnle, Josef Selig und Albert Rist verhandelten für Munderkingen mit den Ehingern Karl Kleiner, Richard Munding und Günter Reisch. Die Trennung sei sinnvoll gewesen, "weil keiner an den Umzügen eigentlich einen vollen Erfolg gefeiert hat", sagt Reisch jetzt.

Heute also herrscht Einigkeit. An die Sticheleien freilich erinnern sich Zunftvertreter und Mitglieder noch immer gerne. Der "Schoafseckelumzug" in Munderkingen zeugt davon. Im Jahr der Übereinkunft entstanden, zieht ein unorganisierter Haufen zurückgebliebener Narren am Fasnetsdienstag durch die Wirtshäuser der Stadt, während die Mehrheit der Munderkinger den Ehinger Umzug besucht.

"Es gibt immer noch eine gesunde Rivalität. Aber geht es um die Sache, hält man zusammen", sagt Ralf Lindner, Zunftmeister der Trommgesellenzunft. Wie etwa im Ringen um das Landschaftstreffen 2013 in Ehingen. Die Munderkinger haben sich dabei vor dem Präsidium der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte für die Ehinger eingesetzt. "Ohne diese Hilfe wäre das Treffen durchzusetzen schwierig geworden", sagt Zunftmeister Lothar Huber. Schlussendlich sind sie halt doch seit 50 Jahren ineinander vernarrt, die Ehinger und Munderkinger Narren.

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