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Auch Wuschel lässt alle paar Wochen nachschneiden

Margareta Aberle ist "Ganzkörperfriseurin" - sozusagen. Denn ihre Kunden sind Hunde. Die laufen seit drei Jahren im Ehinger Salon "Beauty Dog" ein und aus. Der Yorkshireterrier "Wuschel" ist Neukunde.

ISABELLA HAFNER | 0 Meinungen

Eigentlich wurde er auf den Namen Angelo vom Bärenkeller getauft. Sein Vater ist Quanto vom Bärenkeller, seine Mutter Mona Möhre vom Wittelsbacher Park; die Oma heißt Fontagiro Prinzessin, die Urgroßeltern Amor von der Märchenwiese und Pina von der Lilienkrone. Sein Frauchen, Doris Mertel, 80, machte den reinrassigen Angelo zum "Wuschel". Als sie zusammenkamen, habe der Yorkshireterrier wie ein Wollknäuel ausgesehen - im zarten Hundealter von acht Wochen. Jetzt ist er fünf Hundejahre alt. Wäre er ein Mensch, wäre er ungefähr 35. Der Gang zum Hundefriseur, alle sechs bis acht Wochen, ist für ihn ein alter Hut.

An diesem Tag ist er allerdings in einem neuen Hundesalon gelandet - bei "Beauty Dog" in der Ehinger Hauptstraße. Seine Besitzerin vertraut ihn den Händen von Margareta Aberle, 46, an. Baden, Föhnen, Schneiden steht auf dem Programm. Wie immer, wenn er beim Friseur ist. Wuschel soll keine blauen Strähnchen bekommen. "Nein. In einer Stadt wie Ulm ist das egal. Da wollen die ihre Püppchen. Aber in einer kleinen Stadt muss man sich anpassen", sagt die diplomierte Hundefriseurin. Seine "Adoptivmama" Doris Mertel will einen natürlichen Wuschel. Damit er pflegeleichter ist, soll sein Fell nachgeschnitten werden, besonders an den Pfoten. "Beim Gassigehen bleiben da ständig Tannennadeln stecken, die er wegnagen will." Margareta Aberle fügt hinzu: "Und wenn bald das Eis kommt, tun sich die Hunde beim Laufen schwer, denn das gefriert in ihren Zotteln."

Doris Mertel lässt ihren Hund zurück, um Besorgungen in der Stadt zu machen. Wuschel wird erst einmal gebadet. "Gell, jetzt machen wir Wellness, Wuschel", sagt die Friseurin. Der Terrier ist brav, lässt an sich rubbeln und schrubben, schon sieht er aus wie ein begossener Terrier. Während des Badens merke man, wie ein Hund daheim behandelt wird, sagt Aberle. Gründlich massiert sie das Shampoo ins Fell ein.

Für manche Hundehalter seien die Hunde wie Kinder. Oder Modeaccessoires. "Eine Kundin ist kürzlich mit einer Handtasche gekommen. So sollte ihr Pudel aussehen." Dazu wünschte sie einen "französischen Schnitt": Die Beine zur Hälfte nackt geschoren, kurzes Fell am Hintern, vorne etwas opulenter. Dabei wird der Schwanz in "Baumform" geschnitten. Der Hauptteil ist kahl, das Ende buschig. "Der Schwanz muss stehen, dass sieht super aus", sagt Aberle und lacht. Ein solches Styling ist teurer als das von Wuschel. Dessen etwa zweistündiges Umstyling kostet 28 Euro.

In Margareta Aberles Hundesalon kommen Hunde, die Cappo heißen, Happy oder Jenny. Sie hat den Salon im Jahr 2007 eröffnet. Der Grund dafür: Sie war es leid, ständig 25 Kilometer mit ihrem Pudel zum nächsten Hundefriseur fahren zu müssen. Nach einer dreimonatigen Ausbildung zur Hundefriseurin war sie bereit für "Beauty Dog".

Auf einem Behandlungstisch wird Wuschel trocken geföhnt. Das Gerät ähnelt einem Staubsauger. "Es massiert und ist gut für den Blutdruck", sagt Aberle. Im Gesicht will sich Wuschel nicht rumblasen lassen. Er sträubt sich - die Hundefriseurin beruhigt ihn. Dann rümpft sie die Nase. "Hast du gerade gepupst, Wuschel?"

Der kleine Raum ist spärlich eingerichtet. An einer Wand steht ein Sofa. Dort warten die Herrchen. An einer anderen Wand steht ein Regal mit Pflegeprodukten. Gegenüber ist eine Kleiderstange in Form eines Hundeknochens montiert.

Immer wieder entdeckt Margareta Aberle Ähnlichkeit zwischen Hunden und ihren Herrchen. "Es gibt einen älteren Mann, dessen Hund genauso langsam läuft wie er selbst - obwohl der Hund erst drei Jahre alt ist." Die Hunde aus Familien mit Kindern seien viel aufgeweckter. Eine Frau, die reichlich Schmuck trägt, lässt auch ihren Collie ein breites Swarovski-Halsband tragen. Während Aberle erzählt, fällt ihr ein: "Die Halsbänder aus Bernstein waren in diesem Sommer total in Mode - angeblich halfen sie gegen Zecken."

Mittlerweile geht es Wuschel mit der Schere ans Fell. Er lässt alles über sich ergehen - bis die Hundefriseurin an seinem Gesäß ansetzt. Er wird nervös und dreht sich ständig weg. Margareta Aberle streichelt ihn und pfeift leise. Das wirkt.

Doris Mertel ist vom Einkaufen zurück und will "ihren Wuschel" abholen. Sie hat einen roten Norwegerpulli in Hundepassform dabei. "Ich hab Angst, dass der sich erkältet, weil er ja frisch gebadet ist." Bei Regenwetter zieht sie ihm "ein Regenmäntele" über, im Winter dann ein Winterjäckchen. Wenn er schon Fell lassen muss, soll er nicht frieren. Margerita Aberle will wissen, ob die Haare ins Gesicht fallen sollen. "Die ganz vorne bitte hochfrisieren und den Rest nach hinten kämmen", sagt Wuschels Frauchen. "Ich hätte da ein spezielles Haargel . . .", frohlockt Aberle. "Ne, ne, ne", kommt die Antwort sofort.

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