Agro-Gentechnik in der Diskussion

Was bringt Agro-Gentechnik dem Verbraucher und dem Landwirt? In Berg diskutierten Bundestagskandidaten vor etwa 100 Interessierten über Vor- und Nachteile genveränderter Pflanzen.

CHRISTINA KIRSCH |

Ein gentechnisch veränderter Mais beunruhigt derzeit die Landwirte in der Region. Der vom amerikanischen Konzern Monsanto mitentwickelte Mais bildet in der Pflanze sechs verschiedene Insektizide und ist resistent gegen zwei Unkrautvernichtungsmittel. Bisher gibt es in der EU keine Mehrheit gegen die Einfuhr der Sorte. Deutschland enthielt sich bei der Abstimmung.

Auf Initiative des Bündnisses für eine gentechnikfreie Region Ulm, ein Aktionsbündnis gentechnikfreie Landwirtschaft in Baden-Württemberg, diskutierten unter der Moderation von Sabine Bauer fünf Bundestagskandidaten auf dem Podium der Brauereiwirtschaft in Berg über Agro-Gentechnik. Die ursprünglich vorgesehene Rednerin Annette Schavan, ehemals Forschungsministerin, wurde auf dem Podium durch Manfred Nothacker vom CDU- Kreisverband Alb-Donau-Ulm vertreten. Im Publikum saßen überwiegend Landwirte, Biolandwirte und Vertreter von Bündnissen gegen Gentechnik in der Landwirtschaft. MdB Harald Ebner (Grüne) beschrieb die Gefahren gentechnisch veränderter Pflanzen. So seien die möglichen Folgen aus den Resistenzen gegen Pestizide nicht ausreichend erforscht. Das Bündnis befürchtet Resistenzbildungen gegen Krankheitserreger, die wiederum dazu führen könnten, dass die Menschen verordneten Antibiotika nicht mehr wirken. Es gebe keine Technikfolgenabschätzung, meinte der Agraringenieur Harald Ebner.

"Wir können nicht forschen, weil Versuchsfelder zerstört werden", erklärte dagegen MdB Prof. Erik Schweickert, der verbraucherschutzpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion. So sei man auf Forschungsergebnisse aus dem Ausland angewiesen. Der FDP-Abgeordnete vertrat in der Diskussion die Ansicht, dass man Chancen und Risiken der Gentechnik abwägen müsse.

Es sei überhaupt die Frage, was zu schützen sei, warf Manfred Nothacker, der ehemalige Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Ulm-Ehingen, ein. Es sei bisher kein einziger Krankheitsfall bekannt, der auf gentechnisch veränderte Pflanzen zurückzuführen sei. Man wolle nicht auf Krankheitsfälle warten, meinte Elvira Drobinski-Weiss, die verbraucherpolitische Sprecherin der SPD. Sie sehe jedoch Gefahren in Auskreuzungen und Resistenzen, erklärte die Schuldirektorin. Karin Binder von den Linken erkannte in der Agro-Gentechnik wenig Chancen. "Monokulturen verhindern, dass Kleinbauern überleben", sagte sie. Gerade in armen Ländern bräuchten Landwirte Artenvielfalt und der Region angepasstes Saatgut. Zusammen mit Harald Ebner bedauerte sie zudem, dass es in Deutschland keine Kennzeichnungspflicht für gentechnisch veränderte Lebensmittel gibt. Andererseits sehe man sich als Verbraucher einer Flut an Siegeln und Kennzeichnungen ausgesetzt, die man gar nicht mehr einordnen könne, meinte Erik Schweickert.

Auch der Welthunger würde mit Gentechnik nicht in den Griff zu bekommen sein, war Harald Ebner überzeugt. Man müsse anders ansetzen. So habe Indien drei super Erntejahre gehabt, aber 20 Millionen Tonnen Weizen seien wegen mangelhafter Lagerung vergammelt. Bisher werden in Deutschland keine gentechnisch veränderten Pflanzen angebaut. Das sei auch ein Erfolg der Bündnisse, meinte Harald Ebner, der sich auch davon überzeugt zeigte, dass konventionelle Saatgutzüchter leistungsfähigeres Saatgut produzierten. Auch in Deutschland werde jedoch die Gentechnik immer mehr kommen, war sich Schweickert sicher. Außerhalb Europas sei Gentechnik Realität, bestätigte Nothacker. In den Wortbeiträgen aus dem Publikum bekräftigten die Zuhörer ihre Bedenken gegen die Agro-Gentechnik und sahen darin keine Entwicklung, der man Vorteile abgewinnen könne. Vehement wehrte man sich auch gegen Patente auf Lebewesen. Aber das war ein anderes Thema.

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