Politischer Aschermittwoch: Klare Worte der SPD

Nicht auf Lautstärke, sondern auf Inhalte setzte die SPD bei ihrem politischen Aschermittwoch in Schelklingen. Die zentralen Themen waren Griechenland und die Rolle der Partei in der großen Koalition.

SVEN KOUKAL |

Während in Bayern die Stimmung in Bierzelt-Atmosphäre Jahr für Jahr überbrodelt, verlief der politische Aschermittwoch der SPD im Rittersaal des Alten Spitals in Schelklingen weitaus leiser und gediegener. Das lag nicht an fehlenden Themen, sondern vielmehr an der Ernsthaftigkeit dieser.

Ohne größere Umschweife setzte die Bundestagsabgeordnete Hilde Mattheis zu ihrem Vortrag an, dem die rund 40 Gäste interessiert lauschten. Zu den Zuhörern zählten neben dem Vorsitzenden des SPD-Kreisverbands Alb-Donau, Bernhard Gärtner, unter anderem auch das Ehinger SPD-Mitglied Klara Dorner, die Fraktion aus Schelklingen um Rolf Sontheimer, Uwe Sauder und Thomas Tolksdorf sowie der jüngste Neuzugang, Martin Hilsenbeck.

Dem Thema Griechenland wurde am Abend die meiste Zeit gewidmet. Mattheis warnte vor unguten Entwicklungen: "Verteilungsungleichheit führt zu Nationalismus, Faschismus und keinen demokratischen Strukturen." Ihr liege besonders der soziale Ausgleich am Herzen, der nur über eine Umverteilung erreicht werden könne.

Doch auch die Entwicklungen in der Ukraine bereiteten Mattheis Sorge: "Es ist wirklich bedrückend, was nur wenige Flugstunden von uns entfernt, entbrannt ist", sagte sie. Das Verhalten Russlands sei dabei "schwierige Begleitmusik, die wir alle nicht wollen". Schließlich gehe es darum, Frieden ohne Waffen zu schaffen.

Noch bevor die offene Fragerunde im Saal startete, sah sich die Abgeordnete verpflichtet, auch innerdeutsche Themen anzusprechen. Anhand der "Pille danach" und Cannabis als Medizin zeigte sie auf, wo es in der Großen Koalition noch ordentlich knirscht: "Es sind zwei kleine Teilbereiche. Vielleicht scheint es banal, aber es zeigt, von welchen unterschiedlichen Sternen die beiden Parteien kommen."

Um weiterhin in einer offenen und pluralistischen Gesellschaft zu leben, in der Fortschritt, Innovation und Wohlstand zentral sind, müsse auch ein ordentliches Einwanderungskonzept her, konstatierte Mattheis.

Mit Blick auf das Wahljahr 2017 gelte bei der SPD somit nur ein Slogan: "Wir lassen nicht los." Auch in einem Wahlkreis, der so schwarz scheine, sei einiges möglich. "Demokratie lebt von Wechsel", ist Mattheis' Ansicht. Viele kleine Rädchen machen dabei am Ende eine große Bewegung.

"Heute geht es nicht um Dezibel, sondern um Inhalte", freute sich der Schelklinger SPD-Vorsitzende Jürgen Haas. Im Anschluss an ihren Vortrag stand Mattheis den Gästen Rede und Antwort. Im Fall von Griechenland könne man nur hoffen, dass ein Weg zwischen der rigorosen Art eines Wolfgang Schäuble und dem totalen Schuldenschnitt à la Tsipras gefunden werde. Ansonsten sei "ein Auseinanderbrechen des europäischen Gedankens" die mögliche Folge. Klara Dorner brachte es treffend auf den Punkt: "Hat die Politik noch die Macht, das Steuer im Staat zu führen oder ist es das Kapital?" Zur Frage eines anderen Zuhörers, welche Rolle Bundeskanzlerin Merkel bei ihren Reisen durch die Welt spiele, sah Mattheis eher Außenminister Frank-Walter Steinmeier als denjenigen, der die Strippen ziehe.

"Leider konnten wir viele Themen nur streifen. Die Diskussion war gut und gehört zu diesem traditionellen Tag", schloss Haas den offiziellen Teil ab. Der politische Aschermittwoch wurde dann mit einem Treffen im Museums-Café beendet.

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