Neu im Pavillon
Ein Sommerfest und eine ungewöhnliche Gerichtsverhandlung - darüber wurde vor 25 Jahren berichtet. Vor 50 Jahren wurde darüber diskutiert, ob Mädchen Hosen tragen sollten oder lieber nicht.
Vor 25 Jahren
Es waren Sommerferien - und genauso wie heute gähnte manchmal das Sommerloch. Kaum Veranstaltungen, keine politischen Entscheidungen. Die Ehinger CDU richtete ihr Sommerfest aus, gefeiert wurde auf dem Lindenplatz. Damit verbunden war eine Premiere: Zum ersten mal wurde im so genannten Rohrpavillon musiziert. Allerdings kam nur ein Dutzend Zuhörer vorbei, und auch die Gastgeber drückten sich. "Nicht einmal ein halbes Dutzend der 25 CDU-Gemeinderäte hatte es für nötig erachtet", das Fest zu besuchen. Vielleicht waren manche von ihnen aber auch im Urlaub.
Mit einem eher ungewöhnlichen Fall befasste sich das Ehinger Amtsgericht: Es ging um Hausfriedensbruch - im Schweinestall. Oder doch um etwas anderes. Begonnen hatte alles mit einer trächtigen Sau und der Sorge des Bauern, ob das Tier denn alleine zurecht käme. Deshalb hatte er sich eines Nachts in den Stall begeben und war dort auf zwei junge Männer gestoßen. Sie hatten sich an dem Tier zu schaffen gemacht. Der Bauer hatte zunächst geglaubt, dass die Burschen die Sau stehlen wollten und griff zur Mistgabel, um sein Hab und Gut zu verteidigen. Doch dann war von "unsittlicher Näherung" die Rede. Schließlich wurde das Verfahren eingestellt, der Bauer hatte seinen Strafantrag zurückgezogen. Wohl auch zur Erleichterung des Richters.
Den Begriff Komasaufen gab es vor 25 Jahren zwar noch nicht, aber auch damals kam es immer wieder vor, dass Jugendliche zu viel Alkohol tranken. Die SÜDWEST PRESSE und die Jugendämter des Alb-Donau-Kreises und der Stadt Ulm wollten dem mit einer Aktion entgegen wirken: Gaststätten und Vereinsheime, die zwei nichtalkoholische Getränke - zum Beispiel Cola und einen Saft - günstiger als die gleiche Menge Bier anboten, erhielten einen Aufkleber mit der Aufschrift "Alkoholfrei billiger - wir sind dabei".
Der Rißtissener Ortschaftsrat war enttäuscht: Er hatte sich einen eigenen Wegehobel gewünscht. Das lehnte die Stadtverwaltung ab. Im Ehinger Bauhof stünde ein solches Gerät, das auch die Teilorte nutzen könnten. Allerdings hätten die Rißtissener unter anderem den Hobel gerne gehabt, um ihn auch für den Winterdienst einzusetzen.
Das Ehinger Rathaus war nur noch über die Hintertüre zu erreichen: Wegen der Neugestaltung des Marktplatzes musste der Treppenaufgang entfernt werden. Das Hauptportal schwebte in der Luft.
Vor 50 Jahren
Mädchen in langen Hosen? Mit dieser Frage beschäftigte sich unsere Zeitung vor 50 Jahren und befragte dazu unter anderem eine Lehrerin, den Besitzer eines Modehauses und eine Sekretärin. Letztere, noch recht jung, stellte fest: "Wenn Mädchen in der Stadt lange Hosen tragen, ist das, glaube ich, reine Angabe." Die Lehrerin hatte gegen Mädchen in Hosen nichts einzuwenden, sie sähen darin richtig nett aus. "Aber bei älteren Mädchen wird die Sache schon etwas kritisch, denn zu leicht bekommt das Mädchen damit einen erotischen Akzent, der für eine Schülerin nicht passt." Verbieten wollte die Lehrerin den Schülerinnen die Hosen aber nicht. Das sei "natürlich ausgesprochen weltfremd und auch pädagogisch recht unklug". Auch der Modehaus-Inhaber hielt noch an alten Vorstellungen fest: Mädchen in Hosen? Ja, in der Freizeit. Aber nicht in der Arbeit oder der Schule. Anmutig sei für eine Frau letztlich nur der Rock.
Ein Jubiläum stand der Stadt Ehingen ins Haus: Die 1000-Jahr-Feier, die 1961 begangen werden sollte. Die Schüler konnten sich schon einmal freuen: Denn wegen der Feierlichkeiten sollten sie insgesamt sieben Wochen Sommerferien bekommen, der Platz in den Schulen wurde für die Jubiläumsfeiern benötigt. Die Gymnasiasten waren aber ausgenommen, ihre Klassenzimmer wurden nicht beansprucht.
Die Maul- und Klauenseuche im damaligen Altkreis Ehingen galt als erloschen. Alle Schutzverordnungen konnten aufgehoben werden, das Landratsamt erlaubte, dass wieder Viehmärkte stattfinden durften.
Die Polizei warnte vor Dieben, die die Erntezeit nutzten. Die Bauern waren auf ihren Feldern, kümmerten sich um die Ernte - und in der Zwischenzeit stiegen die Einbrecher in die verwaisten Höfe ein.
In Dettingen wurde der Sportplatz eingeweiht, die Mitglieder des Sportvereins - der sich erst zwei Jahre zuvor gegründet hatte - hatten eine Menge Arbeit investiert. Die Schwäbische Zellstoff AG stellte kostenlos Humus zur Verfügung, das Material für die benötigten Banden kam von der Stadt Ehingen. jb
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02.09.2010
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Vor 25 Jahren gabs in dem Pavillon am Lindenplatz das erste Konzert. Archivfoto
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