Name und Alter sind tabu

Ehingen.  Chatten ist bei Schülern in - schon Fünftklässler sind täglich am Computer zugange. Dies birgt auch Gefahren. Darüber klären an der Ehinger Realschule jetzt zehn eigens ausgebildete Chat-Mentoren auf.

In einer Ecke des Klassenzimmers der Klasse 6d drängen sich die meisten Schüler, während die übrigen drei Ecken fast leer sind. Das Spiel zeigt: Die Schülerinnen und Schüler, die im Internet chatten, sind in der Realschulklasse weit in der Überzahl. Grund genug für Ilona Pancic, Leonie Neidig und Steffen Kaus, die Zwölf- bis 13-Jährigen über die Gefahren aufzuklären, die beim Austausch von Nachrichten im Chatroom lauern.

Die Achtklässlerin Ilona und die beiden Zehntklässler gehören zum zehnköpfigen Team der ausgebildeten Chat-Mentoren, die zurzeit an der Realschule tätig sind. Weiter sind dies Cindy Paschke, Yannik Bekeris, Michael Haug, Lena Lohrmann, Julia Plucinski, Nina Steinle und Steffen Mantz. Außer ihren Besuchen in den einzelnen Klassen bieten sie auch Hilfe über E-Mail an, wenn nötig anonym. In den vergangenen Tagen haben sie die meisten Klassen von fünf bis zehn durchgemacht, die 6d ist eine der letzten. "Sie haben gut mitgemacht", urteilt Leonie im Anschluss, nicht in allen Klassen sie dies der Fall.

Das Spiel mit den Klassenzimmer-Ecken bringt auch zutage, dass zwei Schüler nicht nur mit ihnen bekannten Menschen im Internet hin und her schreiben, sondern auch mit fremden. Dies ist gefährlich, erfahren sie von den Mentoren. Noch gefährlicher ist es, sich mit fremden Menschen beim Chatten zu verabreden und sich mit ihnen zu treffen. Von der Entführung bis zur Vergewaltigung können die Folgen reichen - die Mentoren nehmen hier kein Blatt vor den Mund.

Die Sechstklässler erfahren auch, dass sie beim Chatten auf keinen Fall persönliche Dinge preisgeben sollten: Name, Alter, Körpergröße oder gar die Telefonnummer sind tabu. Wenn nicht gefährlich, so doch aber sehr nachteilig kann es für ältere Schülerinnen und Schüler, wenn sie ungünstige Bilder von sich im Netz veröffentlichen, etwa in Badekleidung oder gar im betrunkenen Zustand. "Arbeitgeber schauen oft im Internet nach" - unvorteilhafte Bilder eines Bewerbers etwa wären für dessen Start in den Beruf eher hinderlich, sagt Leonie.

Die Sechstklässler scheinen die Warnungen verstanden zu haben; am Ende der etwa 20-minütigen Aufklärungsstunde spenden sie lautstark Beifall. Den bekommen die Mentoren allerorten, berichtet Lehrerin Stefanie Wekenmann, die mit ihrem Kollegen Götz Waidelich die Mentoren betreut: "Bisher haben sie nur Lob bekommen - von Schülern und von Lehrern."

Gemischt waren die Erfahrungen, die die Mentoren bislang selbst gemacht haben. Viele Schüler seien verständig und verantwortungsvoll. Andererseits seien schon ganze fünfte Klassen im "Team Ulm", einer so genannten Online-Community, auf der man chatten kann, aktiv. "Fünf Stunden ist bei einigen normal, manche haben den PC den ganzen Tag laufen", berichtet ein Mentor, was er erschreckend findet.

Das Bedürfnis nach Regeln und Vorsichtsmaßnahmen beim Chatten steige, sagen Wekenmann und Waidelich. In einem Lehrgang über drei Schulstunden haben die Mentoren ihr Handwerk gelernt. Sie sollen die Sensibilität bei den Schülern stärken und ihnen aufzeigen, wie sie sich selber schützen können. Fünf der Mentoren kommen aus der zehnten, fünf aus der achten Klasse - letztere mit Blick auf die nähere Zukunft, denn die Zehntklässler sind ja im Sommer weg.


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Autor: RAINER SCHÄFFOLD | 11.03.2010

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