"Löwen" steht zum Verkauf

Rottenacker.  Die Familie Stöhr bereitet ihren Rückzug aus der Gastronomie vor und bietet deshalb den "Löwen" in Rottenacker zum Kauf an. Er hat eine lange Tradition, im Saal wurden einst viele Hochzeiten gefeiert.

Seit 36 Jahren bewirtschaftet die Familie Stöhr das Gasthaus "Löwen" in Rottenacker. Bruno Stöhr hatte die Traditionswirtschaft erworben, nachdem sich die Wirtinnen Luise und Gertrud Dommer zur Ruhe gesetzt hatten. Über Jahrzehnte führten sie die Familientradition fort. Bruno Stöhr hatte zuvor als Koch Erfahrungen gesammelt, war bei der Bundeswehr und auf Schiffen tätig. "Mein Beruf hat mir immer viel bedeutet, er war mir gewissermaßen in die Wiege gelegt", erinnert Bruno Stöhr an seine Oma, die einstige "Adler"-Wirtin in Grundsheim.

Mit seiner Frau Margit führte Bruno Stöhr den "Löwen" nach einem grundlegenden Umbau und Sanierung des Gebäudes als Speiselokal mit 40 Plätzen, später kam ein Party-Service dazu und seit 20 Jahren bewirtschaften Stöhrs auch die Stadthalle in Riedlingen. 1980 eröffnete Bruder Robert mit seiner Frau Maria im ehemaligen "Löwen"-Saal, in dem einst viele Hochzeiten gefeiert wurden, ein Tanzcafé. Vor einigen Jahren wurde es in ein Dart-Bistro umgewandelt.

Nun haben Bruno (60) und Robert Stöhr (55) seit einigen Jahren gesundheitliche Probleme und wollen sich aus der Gastronomie zurückziehen. Die Familie hat keine Nachfolger und so bleibt keine andere Wahl, als das Gasthaus zum Kauf anzubieten, wenngleich dies der Familie nicht leicht fällt. Doch ein so großes Haus mit 480 Quadratmetern Wohn- und Nutzfläche instandzuhalten, es mit Leben zu füllen, sei mit der Zeit nicht mehr möglich, gibt Bruno Stöhr zu bedenken. Er will absehbar auch die Stadthalle in Riedlingen aufgeben, die mit ihren Sonntag-Buffets bis nach Reutlingen, Stuttgart, Ulm und bis zum Bodensee bekannt ist.

Robert Stöhr wird sein Elektrogeschäft in Munderkingen weiterführen. Doch insgesamt soll es ruhiger werden, im Blick auf die Gesundheit sei dies geboten, sagen die Brüder.

Zum Preis von 250 000 Euro steht die Immobilie zum Verkauf - dies markiert einen weiteren markanten Einschnitt in der langen Geschichte des Hauses, das eine der ältesten Wirtschaften am Ort ist. Zumindest der Keller ist sehr alt, denn dort fand sich bei Umbauarbeiten in der Wand ein Stein mit der Jahreszahl 1604, über einer Tür steht die Zahl 1774. Nach den Annalen gab es den Gasthof bereits im 30-jährigen Krieg. Seine Blütezeit erlebte er während der Ägide der Familie Dommer, die auch eine Küferei und später, zur Mitte des vorigen Jahrhunderts, eine Tankstelle betrieben hatte und das Anwesen insgesamt erheblich ausbaute. Die weitläufigen Löwen-Keller reichten bis unter die Häuser der Löwengasse und bis zur Braigestraße. Auch das quer stehende, große Gebäude neben dem Löwen gehörte einst dazu. Und im Kellerweg war ein zweistöckiger Keller zur Bier-Lagerung gebaut worden, der heute noch vorhanden ist.


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Autor: DORIS MOSER | 09.02.2012

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