Lehrer sind Narren

Munderkingen.  In der Schillerschule stand gestern Narrenunterricht auf dem Stundenplan. Mitglieder der Trommgesellenzunft lehrten Wissenswertes über die Fasnet.

Was sind Wusele, wann ist der Glombige, wer darf beim Umzug in den Stadtbrunnen springen? In der Schillerschule drehte sich gestern alles um die Munderkinger Fasnet. Statt Mathe und Deutsch war dort Narrenunterricht angesagt.

Die Pauker, zehn Mitglieder der Trommgesellen, lehrten in der Aula Wissenswertes über die Bräuche ihrer Zunft - natürlich im Häs: Als Zunftmeister mimte der ehemalige Schulleiter Josef Ott den Oberlehrer, während Albert Merkle als Rathaushexe durch die Reihen fegte. Im Gewand des Herolds riefen die Kinder selbst das närrische Gefolge herbei: die Wusele und Damenwusele (Petra Mohn, Christiane Raatz, Gabriele Beck, Martina Schmid und Birgit Schumann), die Trommmaid (Theresa Schumann), den Trommmeister (Bruno Schmid) oder den Brunnenspringer, der ausnahmsweise von Ulrike Merkle verkörpert wurde. "Eigentlich dürfen nur ledige Männer Brunnenspringer sein", klärte Zunftmeister Ott auf.

Nachdem sich die Schüler der ersten und zweiten Klassen eingehend mit den Fasnets-Charakteren befasst hatten, arbeiteten sich die Dritt- und Viertklässler tiefer in die närrische Materie ein. Mit einem dreifachen "Narro-Hee", dem Ruf der Trommgesellen, stimmte Albert Merkle die Schüler auf den Unterricht ein - gefolgt vom Munderkinger Narrenlied und dem Narrenmarsch: "Des send de graischte Lompa - das sind die größen Lumpen", heißt es darin, während man entsprechende Personen mit einem beherzten Fingerzeig anprangert. Zum Bürgermeister sagen dürfe man das aber nur an bestimmten Tagen, mahnte Ott: und zwar vom Glombigen an, der in Munderkingen eine Woche früher stattfindet als andernorts (9. Februar), bis zum Aschermittwoch (22. Februar).

In diesem Zeitraum gilt dort das närrische Gesetz: "De Fastnet hat jetzt grad angefangen und hört am Zeischdig auf", verkündet der Trommmeister am Glombigen, nachdem er dem Feuer entstiegen ist und die Trommgesellen die Fasnet ausgegraben haben. Am Abend geht es beim "Maschgera-Gau" in den örtlichen Gaststätten hoch her, ehe es in der Narrenmesse am Sonntag ein "Wunder" zu bestaunen gibt. An diesem Tag entwachsen dem Taufbrunnen in der Kirche "Wusele" - traditionelle, kleine Fasnetsbrötchen. Weiter geht es mit dem Munderkinger Umzug, der nachgespielten französischen Belagerung und dem Brunnensprung. Bevor die Männer ins Wasser abtauchen, sagen sie einen Trinkspruch auf und werfen ihren Krug an die Brunnensäule. Am Montag folgen der "Grempelesmarkt" und der Kinderumzug. Für jedes Kind gibt es eine "Rote" im Wecken gratis. Am Dienstag lassen die Trommgesellen die Fasnet beim Ehinger Umzug ausklingen. In einem letzten symbolischen Akt verbrennen sie am "Funkensonntag" die Winterhexe.

Am Ende zweier informativer Unterrichtsstunden tanzten die Schüler den "Hopser und Hüpfer" - einen Reigen, wie er im 18. Jahrhundert typisch war. Mit dem Narrenunterricht wollen die Trommgesellen den Nachwuchs für die Fasnet begeistern. Erstmals gab es in diesem Jahr nach Altersstufen getrennte Schulstunden. Jedes Kind bekam ein Fasnetsbuch mit Bild- und Textaufgaben zur närrischen Zeit.


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Autor: CHRISTIAN IPPACH | 07.02.2012

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