Kleiderstoff aus Milch

Ehingen.  Zwei Wissenschaftlerinnen der Baden-Württemberg-Stiftung stellten am Johann-Vanotti-Gymnasium ein Programm vor, das den Zehntklässlern naturwissenschaftliche Fächer schmackhaft machte.

Wie werden bei Amazon die Bücher transportiert und was trägt ein Rennfahrer an den Füßen? Warum sehen die Models in den Zeitschriften immer so super aus und wie könnte das Haus der Zukunft aussehen? Dr. Agnes Heinemann und Henriette Gruber vom Bildungsnetzwerk "coaching4future", einem Programm der Baden-Württemberg-Stiftung, boten gestern im Johann-Vanotti-Gymnasium eine spannende Präsentation.

Denn "MINT" ist das Kürzel für eine Fächerkombination, bei der Gymnasiasten ungern anbeißen. Abiturienten mit Interesse für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik sind an den Universitäten und im Beruf gefragte Leute mit sehr guten Berufschancen. Viele Schüler scheuen sich aber vor diesen Fächern. Dabei steckt MINT in einer Unmenge von Berufen. Anhand eines Sportschuhes zählte Dr. Agnes Heinemann die Berufsgruppe der Verfahrens-, Produktions- und Textiltechnikers auf. Auch den Produktdesigner und die Fachkraft für Veranstaltungstechnik ist gefragt, wenn der Sportschuh auf dem Rasen zum Einsatz kommt. "Die Hälfte der Berufe, die ihr heute lernen könnt, gab es früher nicht", meinten die Referentinnen. So ist der Beruf des technischen Zeichners vom technischen Systemplaner abgelöst worden.

Neue Technologien und Verfahren bestimmen die Berufswelt. Die Referentinnen stellten das Unternehmen einer Biologin vor, die aus dem Kasein der Milch Kleiderstoffe herstellt. Das Verfahren ist so aktuell, dass die Firma noch keine Stoffproben herausrückt. Aber die Wissenschaftlerinnen hatten andere Produkte zum Anfassen dabei: T-Shirts, die keine Feuchtigkeit durchlassen oder mit einem Silberanteil ausgerüstet sind, damit Personen mit Neurodermitis sie leichter vertragen. Auch feuerfeste Schuhe für Rennfahrer gabs zu ertasten.

"Da war viel Neues dabei", meinte Michali Mavromatis, der Ingenieur werden will. "Obwohl ich etwas mit Sprachen machen will, fand ich das interessant", urteilte Kim Armbruster. Denn welches Mädchen wusste, dass der makellose Teint der Models aus dem Kompressor kommt? Lackierer, die Sprühfarbe auftragen, haben im Model-Business gute Jobaussichten.

Auf großes Interesse stieß auch die Entwicklung eines speziellen Handschuhs, mit dem man Touch-Handys bedienen kann. Im Winter haben iPhone-Besitzer mit Strickhandschuhen nämlich Bedienungsprobleme. "Der Vormittag war schon deshalb gut, weil ich damit ausschließen konnte, was ich mal werden will", meinte Niklas Zolper, der als Berufswunsch Informatiker angab. "Wir wollen versuchen, das Coaching-Team jedes Jahr zu holen", sagte Lehrer Steffen Reuther.

Info www.coaching4future.de


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Autor: CHRISTINA KIRSCH | 25.01.2012

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