Gesprächshürden überwinden

Ehingen.  Elternmentoren sind Mittler zwischen Eltern und Lehrern. Sie helfen vor allem Eltern mit Migrationshintergrund bei Schulproblemen. 14 Eltern lassen sich derzeit in der Michel-Buck-Schule ausbilden.

"Ich mache das für mich selber und um anderen helfen zu können", fasst Selda Karaca ihre Motivation für ein viertägiges Seminar zusammen, das über die baden-württembergische Elternstiftung so genannte Elternmentoren ausbildet. Elternmentoren sich Männer und Frauen, die als Ansprechpartner für Väter und Mütter mit Migrationshintergrund zur Verfügung stehen (wir berichteten). Sie sollen über das Schulsystem Bescheid wissen, bei Konflikten vermitteln, übersetzen, und vielleicht auch eigene Projekte entwickeln. Das erste Wochenende haben 13 Frauen und ein Mann mit ihrem Referenten Wolfgang Mesner bereits hinter sich. Das zweite Wochenende folgt am 10. und 11. Februar.

"Es gibt an den Schulen genügend Eltern, die sich wegen eigener Sprachschwierigkeiten nicht trauen, zum Lehrer zu gehen", weiß Manuela Puseljic, die neue Elternbeiratsvorsitzende an der Längenfeldschule, die auch in der kroatisch muttersprachlichen Gemeinde engagiert ist. Es sei wichtig, dass sich diese Eltern artikulieren können, meint die Elternbeiratsvorsitzende. Sie wolle als Elternmentorin dabei helfen.

Eigene Erfahrungen als Eltern mit Migrationshintergrund helfen den Elternmentoren, andere Eltern in einer ähnlichen Situation zu verstehen. Elena Deigraf aus Kasachstan, die seit fünf Jahren in Deutschland lebt, hatte beim Schulwechsel ihrer Tochter Probleme. Es wäre gut gewesen, mehr über die Durchlässigkeit der verschiedenen Schularten Bescheid zu wissen, "um prüfen zu können, ob die Behauptungen stimmen", meint die Mutter im Rückblick.

Deshalb ging es am ersten Schulungswochenende vor allem um rechtliche Fragen und das baden-württembergische Schulsystem. Übergänge wurden besprochen, und Wege für zweite Chancen eröffnet. "Ich habe heute gesehen, dass man ein Kind nicht auf Teufel komm raus auf die Realschule schicken muss, sondern dass es auch noch andere Möglichkeiten gibt, den Schulabschluss nachzuholen", stellte Handan Karaman fest. "Außerdem ist es wichtig, dass Elternmentoren neutral bleiben und nicht Partei ergreifen", berichtete die türkische Mutter über ihre Rolle als Mentorin.

Neben den theoretischen Inhalten üben die Mentoren in Rollenspielen Gesprächssituationen und lernen etwas über motivierende Faktoren für eine konstruktive Zusammenarbeit. Im Gegensatz zu den gewählten Elternvertretern, die meist die ganze Klasse im Blick haben, widmen sich Elternmentoren den Einzelfällen. "Sie dürfen Mentor sein so lange wie sie wollen", ermutigte Wolfgang Mesner die Anwesenden. Denn je mehr Erfahrung man angesammelt habe, desto mehr könne man auch vermitteln.

Mittlerweile gibt es in Baden-Württemberg etwa 800 Elternmentoren an allen allgemeinbildenden Schulen. In Stuttgart sind sie Mitorganisatoren des interkulturellen Festes, und in Baden-Baden gründeten sie Gesprächskreise. "Ich finde, die Elternmentoren machen ein Fenster für Problemlösungen auf", meinte Hanadin Slatina über die Schulung. Der Vater hat den Vorteil, dass er Russisch und Slovakisch spricht. "Man muss bei den Kindern einfach immer dran bleiben", erklärte Nadja Horn. Ein großer Vorteil der Elternmentoren sei, dass "die eher zu Eltern Zugang haben, die man sonst im Schulalltag nicht zu Gesicht bekommt", meinte der Sozialpädagoge Wolfgang Mesner. Und sie würden nicht nur die Sprache, sondern auch das Wertesystem der Eltern mit Migrationshintergrund verstehen.


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Autor: CHRISTINA KIRSCH | 30.01.2012

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