Eine Ära geht zu Ende
Rißtissen. 1785 wurde die Adler-Brauerei in Rißtissen gegründet. Jetzt schließt Gebhard Föhr die Firma. Das restliche Bier in den Tanks wird noch abgefüllt und verkauft. Thomas Gerhard übernimmt den Getränkehandel.
Die Adler-Brauerei in Rißtissen schließt ihre Tanks und ihre Tore - das über die Grenzen des Ehinger Teilorts hinaus bekannte Föhr-Bier ist bald Geschichte. "Irgendwann im neuen Jahr geht das Bier zur Neige", sagt Firmenchef Gebhard Föhr, "neues Bier braue ich nicht mehr." Er hat noch verschiedene Sorten wie Schalander in den Tanks; dieses Bier wird jetzt nach und nach abgefüllt und verkauft.
Gebhard Föhr führt mehrere Gründe an, die ihn bewogen haben, das Traditionsunternehmen zu schließen. "Allein von einer Brauerei zu leben, ist sehr schwer", sagt Föhr, "außerdem hätte ich eine sechsstellige Summe investieren müssen, um die nächsten Jahre wettbewerbsfähig zu bleiben." Der 50-Jährige führt zudem "explodierende Energiekosten" ins Feld, die er nicht auf die Getränke draufschlagen könne. Vor zehn Jahren, sagt Föhr, und legt eine alte Rechnung auf den Tisch, habe ein Liter Heizöl 26 Cent und eine Kiste Bier elf Euro gekostet. Jetzt liege das Öl bei 78 Cent pro Liter und das Bier bei 13 Euro. Auch die Material- und Ersatzteilversorgung sei immer problematischer geworden. Die heutige, schnelllebige Zeit sei nicht mehr für Traditionen gedacht, bedauert er.
Bis gestern hat jedoch die Hoffnung bestanden, dass er einen Nachfolger für die Adler-Brauerei an Land ziehen kann. Dies hat sich zerschlagen. Ein 35-jähriger Brau-Ingenieur aus dem Großraum Würzburg ist abgesprungen. Den Interessenten haben bürokratische Hürden abgeschreckt, wie Föhr erläuterte. Die "Innereien" seiner Brauerei will er verkaufen.
Für seine beiden Angestellten hat der Firmenchef neue Stellen gefunden. Seinen Bier-Brauer Jürgen Schlachter hat er an Kollege Ott von der Schussenrieder Brauerei vermittelt. Auch Föhrs langjähriger Fahrer Thomas Gerhard ist versorgt; er übernimmt in Eigenregie Föhrs Getränkevertrieb, der nahtlos weiterläuft und von der Schließung der Brauerei nicht betroffen ist. "Ich bin froh, dass beide weiterhin einen Arbeitsplatz haben", betont Föhr, "das war mir wichtig".
Gebhard Föhr, der Anfang der 80er Jahre bei der Ulmer Münster-Brauerei sein Handwerk gelernt und vor 30 Jahren die Gesellenprüfung gemacht hat, sollte nach dem Willen der Eltern die Brauerei in Rißtissen nicht übernehmen. Erst als er die Prüfung hatte, willigte Vater Gebhard Föhr senior ein und gab nach. 1990/91 übernahm Gebhard Föhr junior dann die Brauerei komplett. Er ist der einzige Brauer in der Region, der der Bügel-Flasche durchgehend bis heute treu geblieben ist.
Föhrs Söhne Christoph (27) und Stephan (24) schlugen schon vor Jahren andere Wege ein. Christoph absolvierte jetzt an der Universität in Freising die Prüfung zum Diplom-Brau-Ingenieur; er hängt nun noch eine dreijährige Promotion dran. Da sei die Brauerei in Rißtissen kein Thema gewesen. Stephan studiert Betriebsmanagement.
Der Wegfall der Adler-Brauerei in Rißtissen wirkt sich auch auf die "Bierkulturstadt" Ehingen aus. Ehingen kann künftig "nur" noch mit vier traditionellen und unabhängigen Brauereien die Werbetrommel rühren.
"Man muss einen Schlussstrich ziehen können", sagt Föhr, "aber ich orientiere mich anderweitig". Mit seiner Oldie-Schmiede jedenfalls hat er einen spannenden Zeitvertreib.
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Autor: ROLAND FLAD | 25.11.2011
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Brauerei-Chef Gebhard Föhr (rechts) hört auf. Sein bisheriger Fahrer Thomas Gerhard führt den Getränkevertrieb in Rißtissen in Eigenregie weiter. Foto: Flad
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