Ein Schritt auf langem Weg

Schelklingen/Stuttgart.  Die Fundstätten im Ach- und Lonetal sollen Weltkulturerbe werden. Die Landesregierung hat den Antrag an die Unesco beschlossen. Eine Anerkennung brächte einen wichtigen Schub, sagt Reiner Blumentritt.

Auf der Liste der Unesco sind Baudenkmale in der Überzahl. Lücken gibt es bei archäologischen Schutzgütern. Deswegen sieht das baden-württembergische Finanz- und Wirtschaftsministerium gute Chancen, für die Höhlen im Ach- und Lonetal das Siegel "Weltkulturerbe" zu bekommen. Gestern hat das Kabinett in Stuttgart beschlossen, einen entsprechenden Antrag zu stellen. Dies sei im Ministerrat unstrittig gewesen, sagte Ministeriumssprecher Dr. Frank Kupferschmidt.

Die Landesregierung meldet nun den Antrag bis zum 1. August an die deutsche Kultusministerkonferenz, die Vorschläge aus allen Bundesländern sammelt. Über das Auswärtige Amt geht die Liste an das Unesco-Welterbezentrum in Paris.

Landet der Antrag dort, wird er auch zum Zuge kommen, meint Georg Hiller, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Blaubeurer Museumsstiftung. Das sei aber noch ein langer Weg. Erst 2016 werde in Paris eine Entscheidung getroffen, sagt Hiller, der zu einer seit drei Jahren bestehenden Arbeitsgruppe zur Vorbereitung des Antrags gehört. Froh ist er über das klare politische Signal aus Stuttgart. Jetzt müssten unter Leitung des Landesdenkmalamts weitere Informationen und wissenschaftliche Fakten zusammengetragen werden. Es gehe um Gebietsabgrenzungen, Schutz- und Besucherkonzepte.

Die eiszeitlichen, bis zu 40 000 Jahre alten Funde selbst, darunter mit der "Venus vom Hohlen Fels" die älteste figürliche Darstellung eines Menschen, sind nicht Gegenstand des Antrags. Es geht um die Fundstätten. Im Achtal zwischen Schelklingen und Blaubeuren sind das die Höhlen Hohler Fels, Sirgenstein und Geißenklösterle, im Lonetal der Vogelherd bei Niederstotzingen (Kreis Heidenheim), der Hohlensteinstadel bei Asselfingen und die Bocksteinhöhle bei Öllingen.

Es sei zwar noch ein langer Weg bis zur Anerkennung als Weltkulturerbe, "aber man muss frohen Mutes sein", sagt Reiner Blumentritt, der Vorsitzende der Schelklinger Museumsgesellschaft. "Von den Höhlen und ihren Funden her sind wir einzigartig, da können wir punkten", ist Blumentritt zuversichtlich. An einer besseren Präsentation der Funde und einer besseren Vernetzung der Fundorte werde derzeit ja intensiv gearbeitet. Blumentritt erwähnt dabei das Projekt des Steinzeitparks, der die Fundstellen verbinden soll. Er erwartet, dass im Lauf des Jahres das Konzept für den Park vorgelegt wird.

Womöglich wird in diesem Zusammenhang auch die Umgebung des Hohlen Felsens für Besucher attraktiver gemacht. Immer wieder ist ein Info-Zentrum an der Schelklinger Fundstätte im Gespräch. Aber auch bis dahin ist es noch ein weiter Weg - der Stadt Schelklingen fehlen zunächst einmal die Mittel. Der Ansicht ist auch Bürgermeister Knapp: "Auch wenn ich dies immer wieder gebetsmühlenhaft wiederhole: Die Stadt Schelklingen hat sich in erster Linie um ihre Pflichtaufgaben zu kümmern", schreibt der Schelklinger Bürgermeister zum Thema Fundstätten. "Alles andere ist Kür und dafür haben wir kein Geld." Reiner Blumentritt spürt allerdings ein verstärktes Interesse am Hohlen Fels, seit die Weltkulturerbe-Anerkennung häufiger im Gespräch ist. Es gebe mehr Anfragen, mehr Besucher. Im Mai komme etwa ein wichtiges Teffen in Ulm zustande, an dem renommierte Wissenschaftler teilnähmen. "Die Fachleute kommen dann zu uns und schauen sich den Hohlen Fels an", berichtet Blumentritt.

Bis zu einer möglichen Anerkennung als Weltkulturerbe laufe aber noch viel hinter den Kulissen. Irgendwelche offenen Aktionen seien da eher kontraproduktiv, es müsse politisch gearbeitet werden, sagt Blumentritt.

Vielleicht gibt es aber bald weitere Argumente für eine Anerkennung. Denn im Sommer graben die Wissenschaftler acht statt wie bisher sechs Wochen im Hohlen Fels. Und zwar in der gleichen Schicht, in der auch der Sensationsfund der Venus gemacht wurde.


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Autor: JOACHIM STRIEBEL BERNHARD RAIDT | 09.02.2012

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