Das Krankenhaus als neuer Typ

Ehingen.  Heute vor 140 Jahren ist in Ehingen beschlossen worden, ein Krankenhaus zu bauen. Bis zur Fertigstellung 1887 vergingen aber im Ringen um die beste Lösung nochmals 15 Jahre.

Mit dem Grundsatzbeschluss der Amtsversammlung vom 10. Februar 1872, in der Spitalstraße ein Bezirkskrankenhaus zu bauen, begann in Ehingen heute vor 140 Jahren die Vorgeschichte des Krankenhauses. Oberamtsarzt Dr. Steinhard und Oberamtswundarzt Dr. Uhl wurden gebeten, ein Bauprogramm auszuarbeiten; als Standort war das Eckgrundstück in der Spitalstraße vorgesehen, auf der anderen Seite des damals städtischen Spitals im Franziskanerkloster. Dieses Spital war 1850 gegründet worden und hatte bis zur Fertigstellung des Bezirkskrankenhauses die Aufgabe, alle kranken Dienstboten, alle Ortsarmen und alle wandernden Handwerksburschen aufzunehmen, für die damals der Bezirk die Verantwortung zu tragen hatte.

In einer Veröffentlichung des Alb-Donau-Kreises über die Entstehungsgeschichte des Kreiskrankenhauses Ehingen hat Iris Radi aus Ehingen beschrieben, wie in der Mitte des 19. Jahrhunderts drohende Epidemien die Stadthygiene im allgemeinen sowie spezielle Einrichtungen wie Wasserwerke, Schlachthäuser, Krankenhäuser und die öffentliche Kanalisation zum Thema machten.

Der Krankenhausbau unterstand dabei im Königreich Württemberg dem Medizinalkollegium, einer Abteilung des Innenministeriums, der sowohl Architekten als auch Ärzte angehörten. Weil aber der Bautypus Krankenhaus etwas völlig Neues war, wurden die städtischen Baumeister und Oberamtsärzte auf Besichtigungsreisen geschickt. Uhl war dazu in Ellwangen, außerdem gab es ein Rundschreiben der Amtskorporation Ehingen an alle umliegenden Oberamtsstädte mit der Bitte, sich in Ulm zu einer Besprechung zu treffen. In Verbindung mit fehlenden Geldmitteln kam es oftmals zur "unendlichen Baugeschichte", schreibt Iris Radi in der Festschrift über das Zaudern und Zagen in den Jahren nach dem Grundsatzbeschluss und ergänzt: "Während Ehingen noch um die beste Lösung ringt, hat Laupheim sein Bezirkskrankenhaus schon in Angriff genommen; es war 1876 bezugsfertig." Als Ehingen dann 1887 in Betrieb ging, hatte es dafür auf jedem Stock am Ende der Korridore ein Badezimmer, was zu jener Zeit sehr fortschrittlich war - in Laupheim gab es dagegen nur einen Baderaum mit mehreren Wannen und der befand sich im Souterrain.


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Autor: ANDREAS HACKER | 10.02.2012

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