Aus für das Sing-Programm?

Region.  Was passiert mit dem Projekt "Singen-Bewegen-Sprechen"? Vertreter der CDU sprechen vom Aus. Die SPD sagt, es werde nur weiterentwickelt. Die Musikschulen sind über das Hin und Her verärgert.

"Verwundert und enttäuscht", zeigt sich der Landtagsabgeordnete Karl Traub (CDU) darüber, dass die neue Landesregierung das Förderprogramm "Singen-Bewegen-Sprechen" zum Sommer abschaffen will. 20 000 Kinder hätten von dieser frühkindlichen Förderung profitiert. Im Alb-Donau-Kreis seien 16 Kindergärten beteiligt. Insbesondere entwicklungsverzögerte Kinder erhielten durch diese Förderung neue Möglichkeiten, schreibt der Abgeordnete. Traub bereitet jetzt einen Brief an alle beteiligten Musikschulen und Kindergärten vor. Er will darin empfehlen, sich bei der neuen Landesregierung für das Programm einzusetzen.

Überrascht und betroffen von der Einstellung des Programms sei sie, schreibt auch die Ulmer Landtagsabgeordnete Monika Stolz (CDU). Eltern, Erzieherinnen, die Musikschulen und vor allem die Kinder seien die Verlierer dieser "Hau-Ruck-Entscheidung". Mit dem bundesweit einmaligen Förderprogramm habe die CDU-geführte Landesregierung für Kinder vom Kindergarten an bis zur vierten Klasse im Oktober 2010 ein neuartiges ganzheitlich-musikalisches Bildungsangebot gestartet. "Besonders ärgerlich ist dabei, dass Grün-Rot nun der CDU-Fraktion den Schwarzen Peter zuzuschieben versucht, indem behauptet wird, das Förderprogramm wäre nicht solide finanziert gewesen." Das treffe in keinster Weise zu, schreibt Stolz.

Da ist der Ulmer Landtagsabgeordnete Martin Rivoir (SPD) ganz anderer Meinung. "Die alte Regierung hatte die Finanzmittel ab 2012 gar nicht mehr im Haushalt vorgesehen", schreibt er. "Da ist schon ziemlich dreist, jetzt über das angebliche Ende zu klagen." Die Grün-Rote Landesregierung werde "wichtige Bestandteile des Programms aufgreifen und weiterentwickeln". Das habe sein Fraktionskollege Frank Mentrup versichert. Das Kultusministerium plant Rivoir zufolge, "Inhalt und Instrumente des Programms für die breit angelegte Sprachförderung in den Kindergärten zu übernehmen".

Zusammen mit den Kommunalen Landesverbänden, Musikschulen, Musikverbänden und Hochschulen werde aktuell überlegt, das Programm für die Umsetzung der Sprachförderung zu nutzen. "Da sich beim Projekt Singen-Bewegen-Spielen gezeigt hat, wie gut die Kindergärten die Kleinsten mit diesem Dreiklang fördern können, wäre das ein gutes Instrument für eine intensivierte spielerische Sprachförderung", meint Rivoir.

Bei den beteiligten Kommunen, Vereinen und Musikschulen in der Region wird dieses Hin und Her mit gemischten Gefühlen betrachtet. In Ehingen läuft das Projekt in Zusammenarbeit mit der Jugendmusikschule an den Kindergärten in Dettingen, im Hopfenhaus und inzwischen auch am Kindergarten Büchele. Das Programm kommt nach Auskunft von Gabriele Stubhan, die für die Kindergärten zuständig ist, sehr gut an. Die Stadt wäre froh, wenn das Programm weitergehen könnte, sagt Bettina Gihr, die Sprecherin der Stadtverwaltung.

In Ehingen war die Zukunft des Programms auch Thema bei der Haushaltsvorberatung im Kultur- und Sozialausschuss. Unter anderem fragte Dr. Rüdiger Rombach (CDU) danach, wie es mit dem Programm weitergeht. Von der Verwaltung gab es dazu keine Auskunft. Gudrun Sigloch-Holtz (Bündnis 90/Grüne) sagte, sie habe sich erkundigt. Das Programm laufe bis Juli 2012 und werde dann, weil zu teuer, überarbeitet. Es soll aber weitergehen, Hauptschwerpunkt soll dann die Sprachförderung sein.

In Munderkingen gibt es das Programm in Zusammenarbeit mit der Jugendmusikschule im Kindergarten Schillerstraße sowie im Kindergarten St. Peter in Untermarchtal.

Im Raum Schelklingen ist in Kooperation mit der Jugendmusikschule Blaubeuren-Laichingen-Schelklingen der Kindergarten in Hausen beteiligt, über den Musikverein Schmiechen nimmt der Kindergarten in Schmiechen teil. "Dass das Programm eingestellt werden soll, gefällt uns als Musikschule überhaupt nicht", sagt Reiner Striebel, der Geschäftsführer der Musikschule. "Das ist kontraproduktiv." Ähnlich sieht es Musikschulleiter Tim Beck. Für das Landesprogramm machen Lehrkräfte der Musikschule extra an zehn Samstagen im Jahr eine Weiterbildung, berichtet Beck. Es sei allen Beteiligten schwer vermittelbar, warum jetzt das Programm in Frage gestellt sei. "Wir erreichen mit dem Projekt Kinder, zu denen wir sonst keinen Zugang hätten", sagt Beck. "Selbst sozial auffällige Kinder singen, tanzen und sprechen gerne mit." Die Musikschule will jetzt an das Kultusministerium schreiben.


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Autor: ANDREAS HACKER JÜRGEN BUCHTA BERNHARD RAIDT | 22.12.2011

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