50 Zuhörer bei Weitzmann-Vortrag von Ludwig Walter in Munderkingen

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Ludwig Walter hat unterhaltsam aus Leben und Werk von Weitzmann berichtet.  Foto: 

Carl Borromäus Weitzmann, am 25. Juni 1767 im „Hirsch“ in Munderkingen geboren, zeichnete sich nach der Beschreibung seines Sohnes „schon als Knabe durch Lebhaftigkeit, Witz und heiteren Humor aus“. Bei dem Buben Ludwig Walter, dem späteren Rektor der Realschule Munderkingen, hatte eine Nachbarin das Interesse für die Verse und Gedichte in den Büchern geweckt, die der Anwalt und Dichter, der am 30. Mai 1828 in Ehingen starb, zu seinen Lebzeiten veröffentlicht hatte.

Am Sonntag berichtete Walter vor knapp 50 Zuhörern in Munderkingen auch über den Buben, der schon bald „mit einem analytischen Verstand, präzise und sprachlich treffenden Beschreibungen der Mitmenschen mit ihren Schwächen, perfekt lesen und in der damaligen Mundart rezitieren“ konnte. Dazu hat Walter im Laufe der Jahrzehnte alles zur Biographie des Sohnes von Dr. Friedrich Weitzmann ,zusammengetragen und ist deshalb als Dozent gefragt, wenn es um die Mundartdichter der Region geht, zu denen auch Sebastian Sailer und Michel Buck gehören.

Zum 250. Geburtsjahr hatten die Leiter der VHS, Erwin Pöschl und Simone Bertsche, den Pensionär für den Vortrag über den berühmten Sohn der Stadt geladen, dessen gereimte Beschreibungen vom Brunnensprung und dem „Ausfall von Munderkingen“ im 18. Jahrhundert Vorlage für die Pflege fastnächtlichen Brauchtums sind.

Zwischendurch sang Walter mit und ohne Publikum, und es wurde viel gelacht über die Verse des Juristen, der nach seiner Jugendzeit in Munderkingen in Wien und Ehingen gelebt hat. Heute kann man sich amüsieren über die schwäbischen Gedichte über Weitzmanns oberschwäbische Heimat, das bäuerliche Leben, das kleinstädtische Bürgertum und das Verhältnis von Stadt und Land. Doch bei seinen Mitmenschen, die in seiner literarischen Tätigkeit eine Rolle spielten, eckte er seinerzeit an, wie beispielsweise im Schauspiel der Hundskommöde, in dem Prominente, gut charakterisiert als Hunde in einem Wirtshaus, in Streit geraten, oder der König von Württemberg, dessen Bruder ein Freund von Weitzmann war, wie Walter erklärte, „auf Weitzmann nicht gut zu sprechen“ war. Ebenso die Munderkinger, die ihren Dichter aus der Stadt jagten und in ihn symbolisch als brennende Strohpuppe den Fluten der Donau geworfen hätten, führte Walter aus.

„Hätte Carl Borromäus Weitzmann Gedichte nur in der Hochsprache geschrieben, so wäre er als Nachahmer längst vergessen“, fasste der Redner zusammen. Glücklicherweise hätten Zeitgenossen den Verehrer Friedrich Schillers angeregt in der Mundart zu schreiben, die von entscheidender Bedeutung wurde, wie auch die später von Sebastian Sailer veröffentlichten Gedichte.

Walter führte an, dass Weitzmann in der Zeit der französischen Revolution, der napoleonischen Diktatur, dem Ende des heiligen römischen Reiches Deutscher Nation lebte. Unter dem Einfluss dieser Zeitepoche seien seine Gedichte in der Hochsprache entstanden, die deutlicher als seine Gedichte in der Mundart seien. Am stärksten erweise sich der Einfluss Schillers auf ihn. In Einzelbegriffen, Wortwahl, Vers- und Strophenformen sowie in der Kompositionstechnik stoße der Leser immer wieder auf diese Abhängigkeit.

Eine Buchhalterkarriere

Die Zuhörer im Rathaussaal erfuhren auch, dass Weitzmann vom 22. Juni 1793 an als Buchhalter bei den vorderösterreichischen Landständen Karriere machte, sich in Ehingen etablierte, und Anfang des 19. Jahrhunderts beim Übergang an Württemberg pensioniert wurde. Er habe sich mit einer eigenen Anwaltskanzlei niedergelassen und armen Bürgern oft kostenfrei beigestanden – was die kinderreiche Familie manchmal in finanzielle Nöte brachte, wie Walter anmerkte, dass die „Armut dann ständiger Gast war“. Themen des Vortrags waren auch Weitzmanns Studienzeit  in Wien, dessen Mitgliedschaft in  der Wiener und in der Loge Astraea (Zu den Drey Ulmen) inder Münsterstadt war. Am Ende ging Walter noch auf die vielen Publikationen ein und erntete viel Beifall beim Publikum.

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