26 Leitpfosten ausgerissen - 22-Jähriger verurteilt

Ein 22-Jähriger musste sich unter anderem deshalb vor dem Amtsgericht verantworten, weil er mit einem Freund 26 Leitpfosten ausgerissen hatte.

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"Wo ist denn da jetzt der Gag bei der Sache?", fragte Amtsrichter Wolfgang Lampa, nachdem er sich die Geschichte des 22-jährigen Angeklagten ein paar Minuten lang angehört hatte. Die Geschichte, die Lampa zu durchdringen versuchte, geht so: Im Frühjahr des vergangenen Jahres machen sich der Angeklagte und ein Freund von einer Feier in der Nähe von Biberach gegen Mitternacht auf den Weg nach Ehingen. Die beiden fahren im Auto des Freundes, beide sind betrunken, "zusammen eine Flasche Whiskey", zirkuliert durch das Blut der beiden. Wer wieviel dieser Flasche getrunken hat, lässt sich nicht klären, der Fahrer wird später auf jeden Fall mit 0,78 Promille getestet.

Auf der B 465, bei einer Pinkelpause, kommt dem damals 21-Jährigen die Idee, die er in der Folge "irrwitzig" nennen wird: Einen Leitpfosten will er mitnehmen. Warum, will Lampa wissen. "Keine Ahnung." Die Idee wird auf jeden Fall prompt in die Tat um- und die Fahrt fortgesetzt. Kurzzeitig. Denn nach 500 Metern ist dem jungen Mann der frisch eingepackte Pfosten nicht mehr so lieb und er entsorgt ihn auf dem Feld neben der Straße.

Nun aber beginnt das, was Lampa nicht versteht: Der Fahrer hält erneut an und tut es seinem Freund gleich. Pfosten raus, auf die Straße damit, weiter. Wieder anhalten, Pfosten raus, auf die Straße damit, weiter. Insgesamt 26 Pfosten - zum Teil mit Verankerung - reißen die beiden raus und legen sie mitunter als "Schwelle" aneinander über die Straße. Obwohl der Sachschaden sich "nur" auf rund 250 Euro beläuft, sieht Richter Lampa den Tatbestand der gemeinsamen gemeinschädlichen Sachbeschädigung erfüllt. Die Polizei, die von durch die Pfosten behinderten Autofahrern benachrichtigt worden ist, greift die beiden wenig später auf, als sie mitten auf der Donaubrücke in Nasgenstadt erneut stehen bleiben.

Die Geschichte ist die erste von insgesamt sieben des jungen Mannes - einem gelernten Lackierer-, die in insgesamt mehr als vier Stunden an diesem Nachmittag verhandelt wird. Sieben Fälle, sieben Zeugen. Im weiteren Verlauf geht es in vier dieser Fälle um Schmierereien an Schildern, Bushaltestellen und Gebäudefassaden sowie um zwei entwendete Fahrräder.

Bei einem dieser Diebstähle wird der Angeklagte vom Bruder des Bestohlenen auf eben diesem Rad gesehen - der Bruder war ein ehemaliger Arbeitskollege des 22-Jährigen. Dass er mit dem Verschwinden des Rades etwas zu tun hat, bestreitet der Angeklagte ebenso wie die Schmierereien an der Bushaltestelle an der Emerkinger Straße und dem Pumpwerk in Munderkingen sowie an einer Supermarktfassade in Ehingen und einem Hinweisschild im Ehinger Ried. Dass bei einer Wohnungsdurchsuchung bei ihm Zeichnungen gefunden werden, die denen an der Bushaltestelle in Typografie und Schwung gleichen, erklärt er damit, dass ihm jemand etwas anhängen wolle. Die, die er damit meint, sind ehemalige Freunde. Und drei dieser ehemaligen Freunde sind an diesem Nachmittag als Zeugen geladen - und sagen gegen ihn aus.

Der Staatsanwältin auf jeden Fall sind "das ein bisschen viele Zufälle". In ihrem Plädoyer fordert sie denn auch fünf Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung. Richter Wolfgang Lampa aber setzt 120 Tagessätze zu 15 Euro an. "Sie haben hier nur zugegeben, was offensichtlich war", sagte er. Doch auch bei den übrigen Taten sei er nach der Beweisaufnahme "sicher, dass Sie sie begangen haben" - wenn auch nicht immer alleinverantwortlich.

Nach der Verhandlung steht der junge Mann als Verurteilter alleine an der Bushaltestelle vor dem Gericht. Seine ehemaligen Freunde sind zuvor zusammen gegangen. Spätestens an diesem Punkt fehlt dieser Geschichte jeglicher Gag.

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