"Haut décor" in der Höhle
Heroldstatt. Kein Laufsteg in Paris, dafür die Sontheimer Höhle bei Heroldstatt: Modedesign-Studenten aus Reutlingen haben mit Materialien der Firma Süddekor Fashion-Outfits hergestellt und in der Höhle vorgestellt.
Trotz 90-prozentiger Luftfeuchtigkeit in der Sontheimer Höhle haben 20 Studenten der Fachrichtung Modedesign an der Hochschule Reutlingen dort ihre Arbeiten ausgestellt. Beim verarbeiteten Material handelte es sich um zartes Dekorpapier der Laichinger Firma Süddekor. Die phantastischen Outfits hatten die Studenten unter dem Motto "Haut décor" in Szene gesetzt.
Fasziniert waren die rund 500 Besucher bereits vom ersten Anblick, der sie im Eingangsbereich der Sontheimer Höhle überraschte: Eine Schneiderpuppe trug ein langes, in Rottönen angestrahltes Abendkleid, umgeben vom natürlichen Steinschmuck der Höhle. Auch dieser zeigte sich durch die besondere Beleuchtung und passende Musik von einer besonders schönen und ungewohnten Seite. "Ich bin begeistert, in welches Licht nicht nur die künstlerischen Werke gesetzt sind, sondern wie sich die Höhle dadurch ganz anders präsentiert", sagte der Vorsitzende des Höhlenvereins Sontheim, Raimund Pantel.
Unter dem Motto "Kleider machen Leute. Dekore auch" übernahmen 20 Studenten die Verwandlung vom textilen Design zu mondänen Gewändern. Professor Ehrenfried Hasenfuß hatte ihnen als weitere Aufgabe gestellt, das Thema "Spiegelung" in ihre Entwürfe einzuarbeiten. Christine Forster, 21 Jahre, entschied sich für ein Schachbrettmuster aus silbernem Papier und Holzdrucken. 50 Arbeitsstunden, ohne Planung und Schnitt, investierte sie in ein kurzes Kleid: "Das Material war sehr schwer zu verarbeiten. Es ist hauchzart. Die Rückseite habe ich mit Bücherfolie geklebt, denn die farbige Oberfläche musste bleiben wie sie ist", erzählte sie.
Kein anderes Material, das der Festigkeit dient, durfte bei den Outfits sichtbar sein. Und so kam zunächst Pappmaché auf die Schneiderpuppe - Tapetenkleister, Zeitungspapier. Dazu verwendete sie doppelseitiges Klebeband und viele Stecknadeln - alles unsichtbar für den Betrachter.
Im Mai hatte das Laichinger Unternehmen Süddekor die Arbeiten bereits im Zuge der internationalen Zuliefermesse "Interzum" in Köln ausgestellt: "Damit wollten wir vor allen Dingen auch Innenarchitekten auf die wunderbare Verarbeitungsmöglichkeit von Dekoren aufmerksam machen", sagt Tobias Lorenz, Marketing-Manager der Firma Süddekor.
Trotz der hohen Luftfeuchtigkeit in der Höhle hielt sich Christine Forsters Modell recht gut, während bei Theresa Wilsons Entwurf schon um die Mittagszeit Teile zusammengefallen waren: "Das spürt man dem Kleid bereits an", bemerkte die 23-jährige Studentin. Sie hatte rote und blaue Farben auf Dekorpapier verarbeitet und den oberen Teil des Kleides auf eine runde Kugel mit Löchern gesetzt: "Ein komplett befremdliches Material, für das wir uns neue Arbeitsweisen aneignen mussten", erklärte sie.
Papier biete aber viel mehr Möglichkeiten als zunächst gedacht: "Die feste, steife Form der Kugel hätte ich mit Stoff nicht hinbekommen", sagte die Studentin, die sich Papierkleidung in der Zukunft durchaus vorstellen kann. "Natürlich für einen einmaligen Zweck", fügte sie hinzu.
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Autor: BRIGITTE SCHEIFFELE | 12.10.2011
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Mal keine Kleider von der Stange: Modedesign-Studenten haben die einzigartigen Gewänder aus Dekorpapier geschaffen. Fotos: Brigitte Scheiffele
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