Mit Fachleuten in die Tiefe der Alb

Der Höhlen- und Heimatverein Laichingen richtet die Bundestagung der Höhlenforscher aus und bietet viele Exkursionen an. Manche sind extrem.

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Extrem. 130 Meter Leiter­abstieg, Schlufe, Engstellen, Wasser.“ Das sind die Bemerkungen zur Exkursion H 04. „Leicht. 30 Minuten Wanderung zur Höhle, 10 Meter Strickleiterabstieg, Schlufe.“ So wird die Exkursion H 02 beschrieben. „H 04“ führt in die Hessenhauhöhle bei Berghülen, die tiefste deutsche Höhle nördlich der Alpen. „H 02“ in die Marterenhöhle bei Laichingen. Zwei der zahlreichen Angebote, die der Höhlen- und Heimatverein Laichingen (HHVL) in Zusammenarbeit mit anderen Vereinen den 250 Teilnehmern der Jahrestagung des Verbands deutscher Höhlen- und Karstforscher vom 15. bis 18. Juni macht.

Der HHVL habe versucht, bei der Ausschreibung den Schwierigkeitsgrad der jeweiligen Tour genau zu benennen, sagt Richard Frank, der zum Vorbereitungsteam des Laichinger Vereins gehört. Denn bei früheren Tagungen des Bundesverbands in anderen Höhlengegenden hätten sich Leute, die nicht im Abseilen geübt sind, für schwierige Touren in die Tiefe angemeldet. „Für die Hessenhauhöhle braucht man Kondition und Muckis für den Aufstieg“, sagt Frank. Gerade diese Exkursion, zu der die verantwortliche „Arge Blaukarst“ nur sechs Leute mitnimmt, war drei Tage nach der Veröffentlichung schon mit 17 Anmeldungen überbucht. Elf Interessenten mussten sich andere Touren aussuchen.

Bei den Höhlenforschern kennt man sich untereinander. Bei unbekannten Namen auf der Teilnehmerliste der Hessenhau-Tour hat Richard Frank nachgefragt bezüglich der Kondition. Für eine andere Extrem-Exkursion ist „sehr gute Höhlentaucherfahrung“ nötig: Die Höhlenrettung Baden-Württemberg zeigt vier Tauchern die Wulfbachquellhöhle im Oberen Donautal. Der schwer zu betauchende Blautopf in Blaubeuren wurde nicht ins Programm aufgenommen.

Richard Frank und Vorsitzender Rolf Riek freuen sich, dass der Höhlen- und Heimatverein Laichingen bei der vom 15. bis 18. Juni in Laichingen stattfindenden Bundestagung große Unterstützung von den Höhlenvereinen der Region erfährt. Nicht nur bei den an drei Tagen stattfindenden Ausflügen in die Tiefe, sondern auch bei Fachvorträgen und bei Touren an der Oberfläche. Dort geht es beispielsweise auch um Geologie, Landschaftsgeschichte und um archäologische Funde im Blau- und Achtal. Ziel aller Angebote sei, den Gästen das Karstgebiet, in dem sie sich befinden, zu zeigen, sagt Prof. Dr. Wolfgang Ufrecht, der zweite Vorsitzende des HHVL. Der Geologe bietet selber Sonderführungen in die Tiefenhöhle an: mit den Schwerpunkten Verkarstung, Geologie und Hydrologie, Richard Frank geht bei seiner Führung auf die Erforschung und Erschließung ein.

Kein Neuland für die Laichinger

Die Entdeckung der Tiefenhöhle vor 125 Jahren und die Gründung des Höhlen- und Heimatvereins vor 70 Jahren waren für die Laichinger Anlass, sich um die Ausrichtung der Jahrestagung 2017 des Verbands deutscher Höhlen- und Karstforscher (VdHK) zu bewerben. Für sie ist das kein Neuland. Schon 1956, ein Jahr nach der Neugründung des Verbands, an der die Laichinger Höhlenforscher maßgeblich beteiligt waren, tagte der VdHK in Laichingen, ebenso im Jahr 1978. Und schon 1926 war der Vorläufer, der „Verband deutscher Höhlenforscher“, zur Jahrestasgung in der Leinenweberstadt zu Gast.

Der Höhlen- und Heimatverein Laichingen, der neben der Tiefenhöhle auch das Höhlenkundliche Museum und das Weberei- und Heimatmuseum betreibt, ist mit seinen rund 500 Mitgliedern der größte der 22 höhlenkundlichen Vereinigungen in Baden-Württemberg. Etwa 75 Helfer sind während der Bundestagung im Juni auf den Beinen. Tagungsort ist die Daniel-Schwenkmezger-Halle.

So gründlich wie die Laichinger Höhlenfreunde ihre Forschungstouren vorbereiten, so scheinen sie auch die große Bundestagung zu organisieren. Sie haben bei vergangenen Treffen geschaut, was man besser machen kann. Und haben schon vor einem Jahr mit den Vorbereitungen begonnen.

Vortrag Während die Vorträge, die während der Bundestagung gehalten werden, mit so speziellen Titeln wie „DNA-basierte Forschung und Monitoring der subterranen Fauna Deutschlands“ oder „Das Höhlentier des Jahres 2017: Die Vierfleck-Höhlenschlupfwespe“ fürs Fachpublikum gedacht sind, richtet sich der Vortrag von Andreas Schober und Wolfgang Ufrecht am Samstag, 17. Juni, ausdrücklich an die Öffentlichkeit. Das Thema lautet: „Auf der Alb und in der Alb – auf den Spuren des Wassers.“ Die erfahrenen Forscher wollen die Schönheiten der Karstlandschaft und die Erforschung der unterirdischen Welt der Höhlen zeigen. Beginn ist um 20 Uhr in der Daniel-Schwenkmezger-Halle.

Feier Das Jubiläum von Verein und Tiefenhöhle wird bereits am Freitag, 16. Juni, 20 Uhr, in der Daniel-Schwenkmezger-Halle gefeiert. Es geht um die Entdeckung, Erforschung und Erschließung der Höhle und um sieben Jahrzehnte Vereinsgeschichte. „Spannend und kurzweilig in Filmsequenzen, Bildpräsentationen und Interviews“, kündigt der Verein an.

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