Eine Langenauer Nacht voller Überraschungen

Ein attraktives Programm, ein gut aufgelegtes Publikum und viel Musik, Kunst und Kabarett: Das machte die zehnte Langenauer Kulturnacht aus.

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    Einige der Künstler in Langenau: Jasper van´t Hof an der Orgel, die Kabarettistin Senay Duzcu und Al Jones im Pfleghof. Foto: 
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Musik, Kunst und Kabarett spielten sich im Trockenen ab, und die Wege zwischen den Sälen waren kurz. Ein großer Vorteil nicht nur angesichts des strömenden Regens am Samstagabend in Langenau. So konnte auf engstem Raum vielfältige Kultur erlebt und dabei eine ganze Menge Neues bei der jüngsten Kulturnacht entdeckt werden – nicht zuletzt in der Martinskirche.

Wo am Vormittag bei der Orgelmusik zur Marktzeit noch Barockes von Buxtehude und Bach zu hören gewesen war, klang es am Abend deutlich abstrakter, überraschender und ungewöhnlicher. Der niederländische Jazzvirtuose Jasper van´t Hof, vor allem als Pianist bekannt geworden, entlockte dem Instrument spannende Klänge. Er zog nicht nur sämtliche Register seines Könnens, sondern auch die der Orgel. Mal schwelgte er in mächtig anschwellenden Klangwogen, mal spielte er in scheinbaren Endlosschleifen immer wiederkehrende Tonfolgen, über die Tony Lakatos am Saxophon improvisierte und die Töne bisweilen majestätisch in den Himmel schickte.

Erdverbundener Blues

Wer danach in den Pfleghofsaal wechselte, erlebte ein sehr erdverbundenes Kontrastprogramm: Vor vollen Reihen spielte sich der gebürtige Langenauer Boogie-Meister Thomas Scheytt mit seinem Dauer-Partner Ignaz Netzer durch klassische amerikanische Blues-Stücke. Dabei nahm Netzer mit seinem trockenen Humor der tiefernsten Musik einen guten Teil ihrer Schwere. Der Auftritt des Duos ging fast nahtlos über in den von Al Jones und seiner Band, die mit ihrem kernigen Rhythm´n´Blues noch eins draufsetzte. Da platzte der Saal schon fast aus den Nähten.

Beißende Satire

Richtig voll war’s auch im Kapilio, wo die Sunyard-Boys ihr traditionelles Kulturnacht-Heimspiel gaben, während die Kabarett- und Comedy-Karawane vom Kulturbahnhof zur Bücherei und umgekehrt zog. Bitterböses mit rabenschwarzem Humor und  „hübsch verpackt“ – bisweilen in geschliffenen Reimen und ausgefeiltem Versmaß – servierte Michael Feindler in drei Gängen unterm Dachgebälk der Bücherei. Waffenexporte und Deutsche Bahn, die Rache der Prinzessin Lillifee, Tyrannenmord und Lobbyismus: Seine beißende Satire ging häufig bis an die Schmerzgrenze, mit scharfem Blick auf die Realität setzte er seine oft überraschenden Pointen, die das Publikum erstmal verdauen musste.

Aber das konnte auch selbst für Überraschung sorgen – wie beim Langenauer Auftritt der Stand-up-Comedian Senay Duzcu im Kulturbahnhof. Auf ihre vermutlich rhetorische Frage, ob er Pfarrer sei, antwortete ein Zuhörer in der ersten Reihe wahrheitsgemäß mit „Ja“ – und sein Nachbar sei es auch. Die türkische Künstlerin stutzte nur kurz, Sprachlosigkeit ist ihr fremd. Mit Tempo und Temperament brachte sie ihre  „schüzüphrönen“ Erfahrungen zwischen zwei Kulturen dem Publikum näher, das bald Tränen lachte.

Private Initiativen

Ein neuer Blick im Wortsinn erschloss sich den Besuchern der Galerie „Flurkunst“: Matthias Kräuter und Stephan Tschechne zeigten Fotos von großen und unscheinbaren, technischen und natürlichen Objekten. Dazu hatten sie das private Treppenhaus zum Ausstellungsraum umfunktioniert. Nicht zuletzt von solchen privaten Initiativen lebt die Kulturnacht, zu der unter anderem auch das Musikhaus Blomeier mit einem Konzert beitrug.

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