Schlecker: Insolvenzverwalter als Hoffnungsträger

Ehingen/Ulm.  Für die etwa 32.000 Beschäftigten bei Schlecker ist er so etwas wie ein Hoffnungsträger: Arndt Geiwitz, vorläufiger Insolvenzverwalter. Er erteilt "Resteaufkäufern" eine Absage und spricht von "Schlecker 2.0".

Es ist die Sprache, die aufhorchen lässt: Bei der ersten Pressekonferenz im Haus Schlecker seit 22 Jahren redet der vorläufige Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz aus Neu-Ulm von "wir" und "uns". Er nährt damit Hoffnung, dass in jener Kombination aus Familie, Management und ihm für das zahlungsunfähige Unternehmen mit seinen rund 32.000 Beschäftigten ein Neuanfang gelingen könnte. Mit Entschiedenheit wendet sich der 42-jährige Wirtschaftsprüfer, Diplom-Kaufmann und Steuerberater bei dieser denkwürdigen Veranstaltung am vergangenen Montag vor der deutschen Wirtschaftspresse gegen jene, die den Konzern "total zerrupfen" wollen. "Für eine Zerschlagung bin ich nicht zu haben", erteilt er "Resteaufkäufern" eine klare Absage und fügt hinzu: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Marke Schlecker spurlos vom Markt verschwindet."

Im Gegenteil: Geiwitz vermeidet zwar jede Festlegung und betont immer wieder, dass alles unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Gläubiger stehe, doch er spricht immer wieder auch von Restrukturierung und "Schlecker 2.0", einem neuen Schlecker nach grundlegender Überarbeitung des alten. "Es gibt keinen Wettbewerber, der so nah am Kunden ist wie Schlecker", sagt Geiwitz und geht mit Ironie auf Seitenhiebe von Konkurrenten wie Rossmann ein: Er nehme die "freundschaftlichen Hinweise der Wettbewerber" gern zur Kenntnis, gebe aber zu bedenken, dass Schlecker auch mit jetzt noch gut 6000 Filialen mehr habe als alle Drogeriemarkt-Konkurrenten zusammen: "Zu Schlecker geht man, zu den Mitbewerbern fährt man."

Geiwitz hat sich in Ehingen als Sanierer positioniert, der sowohl die Interessen der Gläubiger als auch die der Mitarbeiter im Blick hat. Schlecker sei das einzige Unternehmen der Branche, lobt Geiwitz, das sich hundertprozentig zur Tarifpflicht bekenne.

Das Insolvenzausfallgeld, das jetzt drei Monate lang von der Agentur für Arbeit gezahlt wird, schafft erst einmal Luft und Zeit für die Bestandsaufnahme. Zwei, drei Wochen, schätzt Geiwitz, brauche er noch, um ein bisschen mehr sagen zu können über vorhandene Masse und mögliche Perspektiven. "Wenn noch 100 Millionen Euro im Schrank liegen würden, wäre es zu diesem Verfahren nicht gekommen", erklärt er mit Blick auf die Frage nach Anton Schleckers Vermögen. Er wird, kündigt Geiwitz an, auch alle Transaktionen überprüfen, über Jahre zurück. Zuvor hatte Meike Schlecker erklärt, dass ihre Eltern Gütertrennung vereinbart haben, die Familie aber kein substanzielles Vermögen mehr besitze.

"Wir finden keine freien Vermögen", hat Geiwitz am Montag gesagt. Soll es bei Schlecker weitergehen, muss daher Geld von außen kommen. Das könnte durch einen Verkauf profitabler Auslandstöchter erlöst werden oder durch frisches Kapital. Geiwitz bekennt sich dabei als Freund konventioneller Instrumente, er habe aber auch keine Berührungsängste vor neuen Finanzierungsformen wie Hybrid- oder Mezzanin-Kapital. Den Aufwand für den dringend notwendigen Umbau der nicht mehr zeitgemäßen Schlecker-Filialen schätzt Geiwitz auf einen dreistelligen Millionenbetrag.

Als "alt eingesessen und einer Größenordnung wie Schlecker gewachsen" beschreibt die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf einen "Kenner der Branche" die Kanzlei Schneider, Geiwitz & Partner mit Zentrale in Neu-Ulm. Sie habe einen großen Namen in Insolvenzverwalterkreisen und in Fällen wie der Augsburger Walter Bau AG oder jetzt beim Druckmaschinenhersteller Manroland von sich reden gemacht. Geiwitz selbst hat im Jahr 2009 auch das Insolvenzverfahren des Anhängerherstellers Kögel geleitet, der von Humbauer (Gersthofen) übernommen wurde und jetzt wieder gute Zahlen meldet. Die Kanzlei zählt etwa 200 Mitarbeiter, davon allein 10 Wirtschaftsprüfer, 18 Steuerberater und 38 Rechtsanwälte.


Kommentare (1)

04.02.2012 22:10 Uhr |   ralfpeter lattus

Schlecker insolvent

Ich finde das eigentlich gut. Dieser unsympathische Konzern, mit seinen unsympathischen Läden und seiner asozialen Mitarbeiterpolitik war doch widerlich.

Die Mitarbeiter können ja bald mit dem iCE nach Stuttgart zu den neuen Arbeistplätzen - oder in Oberschwaben im neuen Atommüllendlager arbeiten.

Das ist die Zukunft !

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Autor: ANDREAS HACKER | 04.02.2012

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