Für Respekt und Menschenwürde

Langenau.  Die "Freunde von Francis Bioret" würden auf dem Langenauer Marktplatz gerne eine Gedenktafel installieren: für den 1945 von der SS ermordeten Zwangsarbeiter. Am Montag berät der Sozialausschuss.

"Wir denken, dass es der Stadt Langenau gut ansteht, sich weiterhin offensiv und konstruktiv mit der Vergangenheit auseinander zu setzen." Das schreiben die "Freude von Francis Bioret" in einem Antrag an den Gemeinderat der Stadt Langenau, der am Montag im Sozialausschuss (16 Uhr) behandelt wird. Darin bitten sie die Stadt um Erlaubnis, auf dem Langenauer Marktplatz eine Gedenktafel für Francis Raymond Bioret installieren zu dürfen. Wie mehrfach berichtet, ist der damals 22-jährige französische Zwangsarbeiter am 13. April 1945 von der SS auf dem Marktplatz erhängt worden. Ohne rechtskräftiges Urteil - um ein Exempel zu statuieren. Das Bild des Franzosen, der dort wohl mehrere Tage am Galgen neben einer Litfaßsäule baumelte, hat sich ins Gedächtnis vieler älterer Langenauer eingebrannt.

Die "Freunde von Francis Bioret", darunter der Langenauer Pfarrer Wolfgang Krimmer und Buchhändler Thomas Mahr, der Göttinger Künstler Michael Döhmann sowie Dr. Andreas Lörcher von der vh ulm, haben mit viel Aufwand nachgeforscht, wer dieser junge Franzose war, der bei einem Langenauer Schlossermeister arbeiten musste. In ihrem Antrag an den Gemeinderat schreiben sie, mit der Gedenktafel dem Leben und Sterben des jungen Franzosen Würde und Respekt entgegen bringen zu wollen. Es gehe nicht um die Frage der Schuld für das Verbrechen, denn die sei mit einem Urteil gegen SS-Sturmbandführer Emil Leimeister abschließend geklärt. Die Gedenktafel könne vielmehr dazu beitragen, kommenden Generationen eine Mahnung für Respekt und Menschenwürde zu hinterlassen. Nicht zuletzt verweisen sie auf das "Leitbild" der Stadt Langenau aus dem Jahr 2008. Darin wird als ein Ziel der Bürgerschaft genannt, eine offene und tolerante Gemeinschaft zu sein, die sich aktiv gegen Fremdenfeindlichkeit und Gewalt einsetzt.

Der Künstler Michael Döhmann hat einen Entwurf für die 60 auf 60 Zentimeter große Gedenkplatte aus Bronze gezeichnet, die im Marktplatz eingelassen werden soll. Darauf soll der Text eingeritzt werden, darunter eine Zeichnung mit den Schuhen Biorets, die laut Zeitzeugen im Todeskampf herabgefallen waren und tagelang unter dem Toten lagen. Geplant ist zudem, um die Platte einen Steinkreis zu legen, der die Litfaßsäule symbolisieren soll. Die "Freunde von Bioret" haben gut 900 Euro als Preis für die Platte errechnet, die mithilfe von Spenden aufgebracht werden, fast 400 Euro sind schon beisammen. Nun fehlt nur noch die Zustimmung der Stadt, die Platte auf ihrem Grund einbauen zu dürfen.


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Autor: HELGA MÄCKLE | 09.02.2012

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