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"Jedem Tierle sei Plässierle"

Als wahrlich "vielsaitige Liedpoetin", nicht nur an Gitarre und Harfe, hat sich Claudia Pohel während ihres Auftritts beim Laichinger Albverein gezeigt. Ihr Programm lautete: "Jedem Tierle sei Plässierle.

Autor: SABINE GRASER-KÜHNLE |
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Die Ortsgruppe Laichingen des Schwäbischen Albvereins hat am Samstagabend die Liedermacherin Claudia Pohel in ihrem Vereinsraum auf die Bühne geholt. Es sollte ein poetischer Abend werden. Zahlreich kamen die Albvereinler, vereinzelt mischen sich Nichtmitglieder unter die Zuschauer.

Die aus Wiesensteig stammende Liedpoetin nutzte den Heimvorteil und griff zum Aufwärmen die seit ewigen Zeiten herrschenden, kleinen Differenzen zwischen den Älblern und jenen im "Täle" auf. "Gucket net so mitleidig auf mi als lichtscheue Wiesensteigerin", meint sie deshalb einmal und punktet beim Publikum.

In der Art der Liedermacher bettet Claudia Pohel dann alltägliche Kindheits- und Jugenderinnerungen, Träume und Beobachtungen in teils heitere, teils sinnige Liedtexte, begleitet sich selbst dazu mit der Gitarre oder Harfe, plaudert dazwischen charmant. Dem Ganzen drückt sie den Stempel "Jedem Tierle sei Plässierle. . ." auf. Nachdenkliche Lyrik zusammen mit feinem Harfenspiel ist eine Seite der Liedpoetin - von schwäbischem Humor und Bodenständigkeit geprägt sind ihre gitarrenbegleiteten Lieder. Sie machen den Hauptteil des Abends aus.

Der Wiedererkennungseffekt bei den Zuhörern ist groß, wenn Pohel in "Kloi sei" vom wöchentlichen Tannennadelbad singt sowie dem samstäglichen Machtkampf zwischen Kindern und Vater, zwischen Sportschau und Daktari. Mordlüstern geht sie im Gemüsegarten auf Schneckenjagd, "zuerscht versäufa, verschmora und dann zerschneida". Zusammen mit dem Publikum wird im "Romjaumra-Lied" gejammert. Humorig und feinsinnig nimmt die Liedermacherin die Schwabenart aufs Korn, gibt sie aber nie der Lächerlichkeit Preis. Dabei kommt ein Gefühl der Gemeinsamkeit auf.

Auch ein wenig politisches Kabarett kommt bei ihr durch. Da taucht der Ex-Ministerpräsident Oettinger mit seinem "Schwänglisch" auf, ebenso wie das inzwischen schon wortgetreue "wulffen". Claudia Pohel wechselt zum Geschlechterkrieg, singt vom "Kriminal-Tanga", der auch "ganz ohne Hintern ein Männerhirn verwirra ka", lässt Vater und Sohn im "Menschenfresser Blues" auf der Suche nach der richtigen Frau Gattin und Mutter verspeisen. Dann wieder ist sie ganz die Poetin, schwimmt als Bodenseefelchen mit dem Bruder der schönen Lau vom Fils-Ursprung in den Bodensee, ihrer Wahlheimat, wo sie unterwegs im Mörike-Dom des Blauhöhlensystems jauchetrüben Tropfsteinsekt trinkt.

Nach zweieinhalb Stunden ist das Publikum platt von tief-, fein- und hintersinnigem Humor. Die blonde Liedermacherin erst recht in ihrem Element - so scheint es. Sie entlässt ihre Gäste mit Harfenspiel und Poesie in die Nacht.

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