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Ehrenstein gehört zum Kulturerbe

Das Steinzeitdorf Ehrenstein hat es, die eiszeitlichen Fundlandschaften im Ach- und Lonetal noch nicht: das Siegel "Unesco-Weltkulturerbe". Doch auch dort hat sich 2011 einiges getan.

Das Steinzeitdorf Ehrenstein hat es, die eiszeitlichen Fundlandschaften im Ach- und Lonetal noch nicht: das Siegel "Unesco-Weltkulturerbe". Doch auch dort hat sich 2011 einiges getan. Die an den Fundstellen liegenden Städte, die Landkreise Alb-Donau und Heidenheim und das Land Baden-Württemberg wollen das Thema Archäologie stärker in die Öffentlichkeit bringen und sehen eine Chance zur Belebung des Fremdenverkehrs.

Eher unverhofft kam Blaustein im Juni zu der Ehre, in einem Atemzug mit den Denkmälern von Abu Simbel in Ägypten, dem Nationalpark Iguazu in Argentinien, der Akropolis in Athen und der italienischen Lagunenstadt Venedig genannt zu werden: Bei seiner 35. Tagung in Paris entschied das Unseco-Welterbekomitee, 111 Pfahlbauten und Relikte anderer jungsteinzeitlichen Siedlungen in Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich, Slowenien und der Schweiz in die Liste des Welt-Kulturerbes aufzunehmen. "Sie illustrieren die Geschichte des Siedlungswesens in der Alpenregion im Verlauf von Neolithikum, Bronzezeit und Eisenzeit", urteilte die Jury.

Innerhalb der 111 Siedlungen, von denen die ersten rund 5000 Jahre vor Christus entstanden sind, stellt das Steinzeitdorf Ehrenstein eine Besonderheit dar. Es ist das einzige, das nicht an einem See liegt, sondern an einem Fluss, der Blau. Und bei den Häusern handelt es sich nicht um Pfahlbauten, wie sie etwa aus Unteruhldingen am Bodensee bekannt sind. Die "Ur-Blausteiner" verlegten vielmehr schmale Baumstämme waagerecht, um die Bauten und sich selber nicht im moorastigen Untergrund versinken zu lassen. Immer wieder wurden frische Hölzer nachgelegt. Viermal brannte die aus 30 bis 40 Häusern bestehende Siedlung ab. Dies stellten Archäologen fest, die 1952 und 1960 das unter einer Wiese liegende Dorf erforschten. Danach wurde die Fundstelle wieder mit Erde bedeckt, denn die Tausende Jahre alten Hölzer würden an der Luft zerfallen. So ist von dem einzigartigen Kulturschatz nichts zu sehen. Sichtbar ist neben einer kleinen Dauerausstellung im Rathaus und einem von Grundschülern gebauten Modell in der Bücherei jetzt eine große Urkunde der Unesco. Diese bekam der Blausteiner Bürgermeister Thomas Kayser am 3. November in Esslingen von Staatssekretär Ingo Rust vom Finanz- und Wirtschaftsministerium überreicht.

Eine Urkunde hatte Ingo Rust nicht dabei, als er im August die Vogelherdhöhle im Lonetal bei Niederstotzingen besuchte. Er konnte dem Niederstotzinger Bürgermeister Gerhard Kieninger und dem Heidenheimer Landrat Hermann Mader aber mitteilen, dass auch die neue Landesregierung das Ziel verfolgt, die wegen ihrer eiszeitlichen Kunstwerke weltweit beachteten Fundlandschaften im Achtal und im Lonetal in die Welterbe-Liste zu bekommen. Im Juli hatte dazu eine Arbeitsgruppe der Regierung getagt. Die neue Wissenschaftsministerin Theresa Bauer (Grüne) bekräftigte am 23. August im Gespräch bei der SÜDWEST PRESSE in Ulm, dass es für das Stuttgarter Kabinett "nichts zu rütteln" gibt an der hohen Bedeutung der Eiszeitfunde. Geld für touristische Einrichtungen stellte sie aber nicht in Aussicht.

Am fehlenden Geld war - zunächst - die Idee gescheitert, an der Vogelherdhöhle beim Niederstotzinger Teilort Stetten ob Lontal einen Archäopark zu bauen. Der geschätzte Zuschussbedarf von rund 100 000 Euro pro Jahr, unter anderem verursacht durch die Forderung der Uni Tübingen nach einem wissenschaftlichen Mitarbeiter, ließ den Gemeinderat der 4800-Einwohner-Stadt im Januar die Segel streichen. Aber Landrat Mader ließ nicht locker und stellte Unterstützung in Aussicht. Der Gemeinderat hob am 22. Februar den Projektstopp wieder auf und brachte im April den Bebauungsplan "Archäopark Vogelherd" auf den Weg. Im Juli ging der Auftrag an ein Münchener Architekturbüro, das einen mit Erde bedeckten Halbrundbau plant mit einer 315 Sitzplätze fassenden Arena und einer "Schatzkammer", wo die bedeutenden Elfenbein-Originale wie das Lonetalpferdchen und das Mammut gezeigt werden sollen. Auf dem 7,6 Hektar großen Gelände werden Besucher mit der Lebensweise der Altsteinzeit vetraut, Kochstellen und Jagdreviere werden dort gestaltet. Niederstotzingen nimmt für das ingesamt rund 1,9 Millionen Euro teure Projekt den schon länger zugesagten Zuschuss aus dem europäischen Leader-Programm in Höhe von rund 750 000 Euro in Anspruch. 2012 wird Baubeginn sein, im Mai 2013 soll der Park in Betrieb gehen. Von den jährlichen Betriebskosten übernimmt Niederstotzingen 50 000 Euro, der Förderverein "Eiszeitkunst im Lonetal" 76 000 Euro.

Niederstotzingen kooperiert mit dem Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren, das 2011 ebenfalls einen deutlichen Schritt nach vorn machte. Mit einem im Juli gefassten Beschluss der Alb-Donau-Kreistags, den Betrieb 15 Jahre lang mit 110 000 Euro jährlich zu unterstützen, wurde eine Idee Wirklichkeit: Das Museum kann im sanierten Spitalgebäude seine Ausstellungsfläche von 900 auf 1800 Quadratmeter erweitern. Die Stadt Blaubeuren erhöht ihren Jahreszuschuss von 145 000 auf 288 000 Euro, die Museumsstiftung steuert jährlich 185 000 bei. Aus dem Verkauf des ehemaligen Grabungshauses in Weiler übergab die Gesellschaft für Urgeschichte im September der Museumsstiftung 100 000 Euro.

Damit sei der Weg frei, die Einrichtung zum baden-württembergischen Hauptmuseum für Urgeschichte werden zu lassen, meint der Tübinger Professor Nicholas Conard. Aufgabe der Blaubeurer Fachleute ist, steinzeitliche Fundplätze und Aufenthaltsorte des Neandertalers im Alb-Donau-Kreis erlebbar zu machen. JOACHIM STRIEBEL

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