Die Stimme der Frauen
"Am Anfang war der Seitensprung" und "Hat Opa einen Anzug an" wurden Amelie Frieds Bestseller. Einige ihrer Bücher wurden verfilmt. Am Dienstag hat sie aus "Eine windige Affaire" vorgelesen.
Autor: ISABELLA HAFNER |Amelie Fried steuert ruhig und zielstrebig am Dienstagabend das Podium im Auditorium der Laichinger Volksbank-Akademie an. Die zierliche Frau mit dem blonden Kurzhaarschnitt trägt schwarze Hose und Jacke. Seriös. Sie lässt sich von Vhs-Leiterin Ilse Fischer-Giovante ankündigen, die gemeinsam mit Büchereileiterin Marion König die Lesung aus Frieds aktuellem Buch "Eine windige Affaire" organisiert hat. Vorab schickt die Autorin dem Publikum ihr gewinnendes und jugendlich wirkendes Lächeln zu. Das Publikum ist vor allem weiblich. Die Vhs-Leiterin setzt sich, eine tiefe, feste Stimme übernimmt. Sie kommt von Amelie Fried.
Vielen ist diese Stimme bekannt. Die 53-jährige Fried moderierte von 1998 bis 2009 mit "Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo Deutschlands älteste Talkshow "3 nach 9". Sie präsentierte Sendungen wie "Live aus dem Alabama", "Live aus der Alten Oper" und "Stern-TV". Zuletzt war sie mit Ijoma Mangold in der Literatursendung "Die Vorleser" im ZDF zu sehen. Für ihre Fernseharbeit erhielt sie den Bambi und den Grimme-Preis.
Es ist die Stimme einer gebürtigen Ulmerin, die sich so gar nicht ulmerisch anhört. Absolut akzentfrei. Doch dass sie noch Schwäbisch kann, teilt sie auf Schwäbisch mit. Sie flechtet den Satz geschickt in die Publikum-Aufwärmphase ein. Amelie Fried ist die Tochter der Ulmer Buchhändlerin Inge Fried-Ruthardt sowie des Mitgründers und langjährigen Chefredakteurs der Schwäbischen Donauzeitung - der heutigen SÜDWEST PRESSE - Kurt Fried. Deren Tochter widmete sich erst einmal einem anderen Medium: Sie studierte Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik in München.
Doch auch bei ihr kam die Lust am gedruckten Wort durch. Sie begann, Bücher zu schreiben. Für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Ihre Romane "Traumfrau mit Nebenwirkungen", "Am Anfang war der Seitensprung", "Der Mann von nebenan" und "Die Findelfrau" wurden Bestseller. Für ihr Kinderbuch "Hat Opa einen Anzug an?" erhielt sie 1998 den Deutschen Jugendliteraturpreis, für das Buch "Der unsichtbare Vater" war sie nominiert.
In ihrem aktuellen Roman "Eine windige Affaire" gibt sie einer Frau - 15 Jahre verheiratet, zwei Kinder, beruflich erfolgreich - eine Stimme. Eine Stimme, die auch ihre eigene ist, wie sie am Dienstag zugab. "Mich ärgert, dass es in diesem Land immer noch so schwer ist, Beruf und Familie zu vereinbaren Ich selbst stand zwanzig Jahre lang immer wieder vor dieser Zerreißprobe." Amelie Fried erntete für den lebendigen Vortrag des Buches und den anschließenden Kolumnen viel Sympathie vom Publikum. Schade aber, dass das Buch einer so interessanten Frau recht flache Dialoge bereit hält und viele Klischees bedient.




