Zwei Leben für die Kunst

Blaubeuren.  Über Jahre hinweg waren Elsbeth und Fritz Rieber Triebfedern für die Kultur in Blaubeuren. Jetzt wird ihr Nachlass verkauft. Ein sechsstelliger Betrag kommt dem Urgeschichtlichen Museum zugute.

Schon der erste Blick auf die rosa Fensterläden verrät, dass das Haus des Künstlerehepaars Rieber in der Gerbergasse in Blaubeuren kein gewöhnliches ist. Spätestens nach einem Dachstuhlbrand 1980 wurde das Haus in einen künstlerischen Lernort umgebaut. Jetzt werden das Gebäude und ein großer Teil des Nachlasses der beiden verstorbenen Künstler verkauft. 20 000 Euro sind allein an zwei Tagen der offenen Tür erlöst worden. Der Verkauf des Hauses selbst soll einen sechsstelligen Betrag für das Urgeschichtliche Museum einbringen, sagt Georg Hiller, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Museumsstiftung. Enorme Beträge, die das Paar fürs Museum bestimmte, aber bezeichnend sind für das Leben der beiden.

Die Kunst-Lehrerin am Gymnasium Elsbeth Rieber war allein schon wegen ihrer auffälligen Garderobe stadtbekannt. Wohl auch wegen dieser Extravaganz gaben ihr Schüler den Spitznamen "Mona Rieba". Das Unkonventionelle gefiel der Lehrerin. Immer wieder durchbrach sie Vorschriften. Das Motto: Kunst belebt. Die Künstlerin Thérése Rößle erinnert sich gut, wie sie - noch neu in Blaubeuren - bald von Elsbeth Rieber einbezogen wurde und wie sie beide im Atelier Ende der 70er Jahre regelmäßig nach lebenden Modellen Aktzeichnungen anfertigten: Nicht selbstverständlich in einer Kleinstadt.

Manche Gymnasiasten, die nur Details malen wollten, konnten dem Unterricht weniger abgewinnen, erzählt der Blaubeurer Dieter Gassebner, den Elsbeth Rieber wie viele andere junge Künstler sehr förderte. Auf viele andere dafür sprang der Funke über: Wenn es etwa um "seltsam moderne" Nagelbilder ging oder darum, Mülleimer in der Stadt bunt zu bemalen, den Stadtpark zu gestalten oder Betonflächen des Gymnasiums zu verzieren.

Über befreundete Gemeinderäte versuchte Elsbeth auch immer wieder, die Stadtpolitik für Kunst zu gewinnen. Dank der Rieberschen Kontakte und ihrer tatkräftigen Unterstützung wurden erfolgreiche Ausstellungen namhafter Künstler im Rathaus gestemmt - etwa von Otto Laible, einem Lehrer der Riebers an der Karlsruher Kunstakademie.

Die Übergänge zwischen öffentlichen und privaten Räumen im Haus Rieber waren fließend. Es stand offen und vielfach trafen sich mehrere Blaubeurer abends ganz unvermutet im Haus beim Tee. Seit 1980 organisierte das Ehepaar Rieber im so genannten Graphik-Kabinett ihres Hauses regelmäßig Ausstellungen - vor allem mit Künstlern aus der Region. Nach dem frühen Tod von Elsbeth Rieber im Jahr 1986 führte Fritz Rieber die Tradition der Ausstellungen noch bis ins neue Jahrtausend hinein fort - immer wieder auch mit Bildern seiner Frau. So beispielsweise mit Aquarellen von einer Tunesien-Reise.

Die schönsten Bilder von Elsbeth und Fritz Rieber, der vor allem als Restaurator in der Region einen Namen hatte, sind in den Bestand des Blaubeurer Museums übergegangen und sollen künfig bei besonderen Gelegenheiten gezeigt werden, berichtet Hiller. Da gibt es auch viele Tonarbeiten, inspiriert von den Arbeiten Pablo Picassos, spezielle Drucke, die mit Hilfe von Kunststoffplatten entstanden, und zahlreiche Porträts - ein bevorzugtes Gebiet von Elsbeth Rieber. Aber auch ihre großen farbenfrohen Bilder sind vorhanden, die sie malte nach ihrer Pensionierung, die aufgrund einer Krebserkrankung plötzlich kam. Oft setzte sich die Malerin darin mit antiken Mythen auseinander, baute Sand oder Holzteile in die Gemälde ein. Werke von großer Lebendigkeit.


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Autor: THOMAS SPANHEL | 09.02.2012

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