Betriebsrat stoppt Kögel-Umzug

Burtenbach.  Die Lage für die Mitarbeiter des Kögel-Werks in Burtenbach spitzt sich zu. Gestern ist mit dem Abbau von Produktionsanlagen begonnen worden, der Betriebsrat hat das per einstweiliger Verfügung gestoppt.

Ulrich Humbaur, neuer Eigentümer des Sattelauflieger-Herstellers Kögel in Burtenbach (Kreis Günzburg), macht ernst. Gestern ist mit den Vorbereitungen für eine Werksverlagerung begonnen worden. Die hatte Humbaur zwar angedroht, für die 441 Mitarbeiter und ihre Interessenvertreter kam die Aktion trotzdem überraschend. Laut Günter Frey, Gewerkschaftssekretär bei der IG Metall Neu-Ulm/Günzburg, erwirkte der Betriebsrat daraufhin beim Arbeitsgericht eine einstweilige Verfügung, um den Umzug zu stoppen. Laut Betriebsverfassungsgesetz hätte die Unternehmensleitung den Betriebsrat "rechtzeitig und umfassend" informieren müssen. Das sei nicht geschehen.

Kögel-Sprecher Andreas Lubitz bestätigte gestern Abend, die Umzugsvorbereitungen seien eingestellt worden. Zuvor sei damit begonnen worden, Büros zu räumen. Auch der Abbau einer Schweißanlage sei angelaufen. Wie von Kögel-Eigentümer Ulrich Humbaur angekündigt, solle das Werk verlagert werden. Grund: Die Miete in Burtenbach sei zu teuer. Die Endmontage der Kögel-Sattelauflieger könne weitgehend im Humbaur-Anhängerwerk in Gersthofen bei Augsburg erfolgen, besagte Schweißanlage solle "in einer oder mehreren Hallen zwischengelagert" werden. An welchem Standort die Anlage wieder aufgebaut werden soll, ist Lubitz zufolge offen.

Der Unternehmenssprecher räumte ein, dass die durch monatelange Kurzarbeit belasteten Kögel-Beschäftigten weiter verunsichert werden. Lubitz: "Das ist eine insgesamt sehr haarige Situation, insbesondere für die Mitarbeiter." Gewerkschaftssekretär Frey sprach von einer "sehr unübersichtlichen Situation" für Beschäftigte und Betriebsrat: "Die Leute sind total verunsichert." Dafür sei vor allem die unklare Verhandlungslage über die weitere Nutzung des Werksgeländes in Burtenbach verantwortlich, sagte Frey: "Wir wissen nicht, wie die Linien verlaufen."

Wie berichtet, ist Kögel in Burtenbach Mieter, Gelände und Gebäude gehören der Bank Fortis Lease. Hauptmieter ist eine Immobiliengesellschaft, die von den ehemaligen Kögel-Gesellschaftern gegründet wurde. Seit der Insolvenz im vergangenen Jahr gehört das einstmals in Ulm ansässige Traditionsunternehmen als Kögel Trailer GmbH zum Anhänger-Hersteller Humbaur. Schon im Herbst vergangenen Jahres hatte der damalige Kögel-Insolvenzverwalter, der Neu-Ulmer Rechtsanwalt Arndt Geiwitz, von außergewöhnlich hohen Mietforderungen der Altgesellschafter gesprochen. Wenig später kündigte er den Mietvertrag zum 28. Februar 2010.

Humbaur war nach eigenen Angaben stets an einem Kauf des Geländes oder einer Verlängerung des Mietvertrags interessiert. Gleichzeitig betonte er, auch ein neues Werk bauen zu können. Nachdem lange keine direkten Gespräche zwischen ihm und den Altgesellschaftern um Hieronymus Graf Wolff Metternich geführt wurden, sitzen sich die Parteien seit wenigen Tagen am Verhandlungstisch gegenüber. Nach Informationen der IG Metall hat Metternich jetzt günstigere Konditionen für das Gelände in Aussicht gestellt. Aus diesem Grund habe die Gewerkschaft eine für morgen geplante Protestkundgebung in Pullach, dem Sitz der Firmen der Altgesellschafter, abgesagt. Stattdessen finde in Burtenbach eine Betriebsversammlung statt.


Kommentare (1)

17.02.2010 13:01 Uhr |   Armin

Nichtigkeit unternehmerischer Initiative

Laut des Berichts der Südwest Presse (Steibadler, Th.: Kögel geht an Humbaur, 31.10.2009, S. 17) beruft sich Herr Humbaur ausdrücklich öffentlich auf einen illegitimen Begriff des Integrativen (Bahnmüller/Schmidt, 2009, 183) der durch die Hans Böckler-Stiftung herausgegeben wurde, als er sagte, dass er ein "Unternehmer (sei), der zum Unternehmen steht". Jenes Berufen hindert vollständig den Vollzug des seinerzeit mit dem Insolvenzverwalter vereinbarten Vertrages und hat die Nichtigkeit sämtlich seiner unternehmerischen Initiative als geschäftsführender Alleingesellschafter zur Folge.

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Autor: THOMAS STEIBADLER | 17.02.2010

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