Die Ausstellung „Aufgefischt“ in der Wimsener Mühle

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Peter Barth, Susanne Michel, Gisela Rohnke, Konrad Schmitt-Schrollbach und Martin Bürck (von links) stellen in der Wimsener Mühle mit der Ausstellung „Aufgefischt“ ihre Werke aus.  Foto: 

Von jeher hatte der Fisch in der Kunstgeschichte eine große Bedeutung. Doch wo käme er wohl besser durch Grafik, Malerei, Objekt und Installation zur Geltung, als in der Wimsener Mühle direkt an der Zwiefalter Aach? Die regionalen Künstler Peter Barth, Martin Bürck, Susanne Michel, Gisela Rohnke und Konrad Schmitt-Schrollbach haben sich dem Fisch mit verschiedenen Techniken angenähert. Für Bürgermeister a.D. Robert Riehle ein „Highlight“, das hoffentlich in den nächsten zwei Wochen zahlreiche Besucher anzieht.

Der Kunsthistoriker Sebastian Borkhardt führte am Sonntag in die Ausstellung „Aufgefischt“ ein und stellte den Fisch als Individuum in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Dabei wird – wenn von Fischen die Rede ist – häufig generalisiert und abstrahiert: „Dann wird nicht von so und so vielen Fischen gesprochen, sondern von so oder so viel Kilogramm oder Tonnen Fisch“. So kehrt der Aspekt des Fisches als Speise in den Arbeiten von Gisela Rohnke wieder. Sie beschäftigt sich in mehrfacher Hinsicht konkret mit Forellen in dokumentarischer Art. Die Künstlerin rückt das Leben und die „Verwertung“ in der Fischzucht in den Fokus, ihre Arbeiten bewegen sich thematisch in den Spannungsfeldern von Individuum und Masse, von Leben und Tod, von Natur und Technik, von Moment und Ewigkeit. Sie umkreist in ihren Drucktechniken Widersprüchlichkeiten und unterstreicht damit, dass es sich bei den dargestellten Fischen um einzigartige, einmalige, individuelle Lebewesen handelt – und nicht um etwas beliebig Reproduzierbares. Die Fische scheinen aus ihren Bildern heraus zu schwimmen – die Körper sind von den Köpfen separiert. In ihren Collagen bilden Natur und Technik einen Kontrast und nehmen auf die Fischverarbeitung Bezug.

Peter Barth dagegen hat einen Fisch aus Pappmaché auf ein altes Telefon mit Gabel und Wählscheibe gesetzt. Er kombiniert dadurch – wie im Surrealismus – zwei vertraute Dinge, die in diesem Verbund nur selten zu sehen sind und verfremdet sie. Das lässt Assoziationen zu. Der Künstler lenkt durch sein Werk „Schweigen“ die Aufmerksamkeit auf den Aspekt der Sprache. Der Fisch hat den Hörer verschluckt: „Als Abwehr der Erwartung auf ständige Erreichbar- und Verfügbarkeit“, wie Borkhardt verdeutlichte.

Das Markenzeichen von Konrad Schmitt-Schrollbach sind Arbeiten mit Lamellen. Auf einer Platte hat er parallel und in regelmäßigem Abstand rund 50 Lamellen in vertikaler Ausrichtung montiert, die Seiten sind unterschiedlich bemalt. Damit gehen spezifische Gestaltungsmöglichkeiten und Bildwirkungen einher. Der Betrachter wird aktiviert, die Ansichten ändern sich mit der Position. Mittig vor dem Quadrat zeigt sich eine abstrakte Komposition in Grün und Hellblau, weiter rechts präsentiert sich mit verschiedenen Fischarten das bunte Leben unter Wasser. Von links sind ein Schwarm, zwei Fische und ein Netz zu sehen, in das die Fische zu schwimmen scheinen. Die Lamellen sorgen für Diffusität und lassen Ästhetik und Ethik zusammen laufen.

Auch Susanne Michel beschäftigt sich in einer Installation – bestehend aus Setzkästen, die mit Angelzubehör ausgestattet sind – mit dem Fischfang. Isoliert vom Gebrauchszusammenhang können Blinker wie Objekte in einer ethnologischen oder kulturhistorischen Sammlung betrachtet werden. „Die Vielfalt der Farben und Formen scheint dabei nicht nur praktischen Gesichtspunkten geschuldet, sondern auch ästhetisch motiviert zu sein“, führte Borkhardt aus. Darüber hinaus zeigt die Künstlerin Text-Zeichnungen, in denen sie sich mit dem Gedicht „Am Tag des engen Gedankens“ von Peter Waterhouse auseinander setzt.

„Fliegende Fische“ – so lautet die Installation von Martin Bürck, der mit seinen Drahtfischen bereits am Eingang ein atmosphärisches Entrée schafft. Vom Stauwehr aus bewegen sie sich in die Mühle hinein, der Reigen endet im unteren Wandbereich des Vorraums. „Wir werden daran erinnert, dass wir wie alles Leben den Ursprung im Wasser haben“, sagte der Kunsthistoriker. Um die Magie des Augenblicks geht es auch bei Bürcks zwei Meter langen Metallskulptur in Gestalt eines Fischskeletts, die auf einen Resonanzkörper montiert ist. Im Rahmen der Vernissage bespielte Bürck die Gräten dieses Klangfischs wie ein Schlaginstrument und erzeugte mit Fingern, Gummibällen, Nadeln, Holzsticks, Paukenschlägen und Bassbögen archaische Klänge. Sie erinnerten eindrucksvoll an den Gesang von Walen in den Tiefen des Meeres.

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