Serieneinbrüche mit reichlich "Kleinholz"
Ebersbach/Stuttgart. In 35 Lokale im Stuttgarter und Karlsruher Raum soll eine kriminelle Bande eingebrochen sein, darunter auch eine Spielhalle und ein Wettbüro in Ebersbach. Jetzt stehen die drei mutmaßlichen Täter vor Gericht.
Sie verließen Spielhallen und Wettbüros mit Taschen voller Geld. Allerdings hatten die drei 29-, 31- und 34-jährigen Männer dieses nicht glücklich erspielt, sondern mit roher Gewalt geraubt. Sie kamen des Nachts, hebelten Türen auf, schlugen Fenster ein und schweißten die Tresore auf. Das taten sie zwischen Juni und Dezember 2009 in insgesamt 35 Fällen. Und dies nicht nur in Ebersbach, wo im August eine Spielhalle und ein Wettbüro um jeweils 5000 Euro erleichtert wurden, sondern in ganz Baden-Württemberg. So sieht es die Staatsanwaltschaft Stuttgart.
Die Anklage lautet auf schweren Bandendiebstahl. Insgesamt soll die Bande bei ihren "dauerhaften Einnahmequellen" rund 70 000 Euro erbeutet haben. Auch Gaststätten wurden ausgeraubt. Der von ihnen dabei angerichtete Sachschaden soll noch einmal doppelt so hoch sein. "In vielen Lokalitäten haben sie ein grausames Bild der Verwüstung hinterlassen", sagte der Staatsanwalt. Scheinbar sollen die Männer alles kurz und klein geschlagen haben, was sich ihnen in den Weg gestellt hat. Anstatt wie andere Banden mit Dietrich für Türen und Feinbohrern für Tresore zu arbeiten, gingen die Männer "mit der Brechstange" zu Werke. Türen wurden zur Not eingetreten, Tresore "irgendwie" aufgeschweißt. Auch reichlich Mobiliar ging bei den Taten sinnlos zu Bruch.
Bei den Einbrüchen wechselten sich die beiden Albaner und der Mazedonier immer wieder ab, um der Polizei die Ermittlungen zu erschweren. Diese kam den dreien schließlich doch auf die Spur und nahm die Männer am 12. Dezember fest. Seitdem saßen die beiden Haupttäter in Untersuchungshaft hinter schwedischen Gardinen in Stuttgart-Stammheim. Nur der 29-Jährige Mittäter aus Bretten bei Karlsruhe war auf freiem Fuß bis zur Verhandlung. Diese ging jetzt vor dem Stuttgarter Landgericht in die erste Runde.
Die 19. Große Strafkammer unter Vorsitz von Richter Jürgen Klein hat insgesamt elf Prozesstage angesetzt und dabei zwei Zeugen geladen. Als Beweismittel liegen Videoaufzeichnungen von Überwachungskameras sowie Aufzeichnungen der Telefonüberwachung durch die ermittelnde Kriminalpolizei vor.
"Ich rate Ihnen dringend zu einem Geständnis, das könnte Ihnen ein Viertel Ihrer Strafe ersparen. Die Beweise sind erdrückend", redete Richter Klein den Angeklagten gleich zu Beginn ins Gewissen. Bilder von Videoaufzeichnungen sollen die Männer bei den Taten deutlich zeigen. Zudem soll es in Handytelefonaten um klare Anweisungen zu Einbrüchen gegangen sein. Dabei sollen die Uhrzeit der Tat und die Werkzeuge, die man verwendet, deutlich abgesprochen worden sein, so die Staatsanwaltschaft.
Vor den Augen von rund einem Dutzend Zuschauer gaben sich die drei Angeklagten an der Seite ihrer drei Verteidiger furchteinflößend. Mit finsteren Mienen warfen sie dem vierköpfigen Gericht und der Öffentlichkeit immer wieder böse Blicke zu. Der Prozess wird am 14. Juni um 14 Uhr fortgesetzt. Dann hat das Trio die Möglichkeit, sich zu der Anklage zu äußern.
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Autor: ALEXANDER KAPPEN | 25.05.2010
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