Sepp Vogler zieht jetzt alle Register
Ebersbach. Die Stelle des Energiemanagers in Ebersbach kommt erneut aufs Tapet. Die Verwaltung möchte, dass der Gemeinderat den Ausschussbeschluss, die Besetzung der Stelle zu verschieben, aufhebt.
Sein Vorgänger Edgar Wolff hatte vor drei Jahren für mächtig Wirbel gesorgt, als er dem Gemeinderatsbeschluss widersprach, das Jugendhaus nicht an der Kanalstraße zu bauen. Nun will Bürgermeister Sepp Vogler einen Beschluss des Ausschusses für Verwaltung und Bürgerschaftliches Engagement aufheben und stattdessen den Gemeinderat entscheiden lassen. In der vergangenen Woche hatte die Mehrheit aus CDU und Freien Wählern im Gremium überraschend beschlossen, die Wiederbesetzung der Stelle des Energie- und Umweltmanagers erneut zu verschieben.
"Wir hatten nicht damit gerechnet, dass die Ausschreibung abgeschmettert wird", räumt der Rathauschef ein und macht kein Hehl daraus, "dass ich sehr an der Entscheidung zu knabbern hatte". Eine Nacht habe er darüber geschlafen, erklärt Vogler auf Anfrage und ist entschlossen, alle Register zu ziehen, um den seit Anfang 2009 vakanten Posten schnellstens besetzen zu können. "Ich halte die Stelle für extrem wichtig", macht das Stadtoberhaupt deutlich. Energieeinsparung sei ein wichtiges Thema. Die Ausgaben von rund 870 000 Euro jährlich bereiteten große Sorgen, schnelles Handeln sei angesagt. "Ich verspreche mir eine weitaus höhere Ausbeute, wenn ein Spezialist am Werk ist", erklärt Vogler. Die Verwaltung habe mehrfach klar gemacht, dass ihr die erforderlichen personellen Kapazitäten fehlten.
Da es sich um ein Thema von enormer Bedeutung handle, spreche vieles dafür, es vom Gesamtgemeinderat anstatt vom Ausschuss behandeln zu lassen. Rechtlich habe die Verwaltung das ungewöhnliche Vorgehen abgeklopft, sagt der Rathauschef, der den Gemeinderat in dessen übernächster Sitzung abstimmen lassen will.
Die Reaktionen der Stadträte auf Voglers Vorstoß sind gemischt. Das Vorgehen sei im Sinne der SPD, erklärt Ingrid Scherr. Und die Grünen hatten bereits unmittelbar nach der Sitzung gefordert, das Thema Energiemanager vom Stadtparlament beschließen zu lassen. "Das ist ungewöhnlich", kommentiert Armin Bühler, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, das Vorgehen des Rathauschefs. Schließlich sei der Beschluss in einem beschließenden Ausschuss gefallen. Bühler ist gespannt, ob die Verwaltung neue Argumente bringen kann, um seine Fraktion umzustimmen. "Die Personalkosten steigen ins Uferlose", verteidigt Bühler den Ausschussbeschluss. Seine Fraktion wolle keinesfalls einen Stillstand beim Thema Energie und Umwelt. Jedoch wolle man bei wichtigen Energieproblemen lieber auswärtige Experten hinzuziehen.
Nicht überrascht ist die CDU-Fraktionsvorsitzende Brigitte Kreisinger, bekennt jedoch, dass Voglers Vorgehen ein Novum sei. "Dass ein Ausschlussbeschluss aufgehoben wird, habe ich in elf Jahren noch nicht erlebt." Den Druck, zum jetzigen Zeitpunkt einen Energiemanager einstellen zu müssen, sieht Kreisinger nicht. Vieles, was vor Jahren noch hart habe erkämpft werden müssen, sei heute Standard. Wenn die Stelle sich rechnen solle, müsse auch in energiesparende Maßnahmen investiert werden, "dafür", so Kreisinger, "hat Ebersbach momentan kein Geld".
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Autor: KARIN TUTAS | 29.04.2010
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