Improvisieren bis zur Olympiareife

Ebersbach.  Als wahre Meister in der Disziplin des Improvisierens erwiesen sich die "TheaterAGenten" des Raichberg-Gymnasiums. Schlagfertig und ganz ohne Textvorlage buhlten zwei Mannschaften um die Publikumsgunst.

Die Raichberg-Aula war schon Schauplatz der mannigfaltigsten Darbietungen. Man denke da etwa an "Die Vögel", an "Krabat" oder an "Die Welle", aber so etwas wie an diesen beiden Abenden war noch nie da: Die Aula als Olympiastadion. Zwei Schauspieler- Mannschaften, die "Feuerfäuste" in roten und die "Miesen Muscheln" in blauen Trikots treten gegen einander an. Die Disziplin? Improvisieren, was das Zeug hält. Nichts ist vorbereitet. Kein auswendig gelernter Text, keine Souffleuse hilft, denn das Publikum bestimmt durch Zuruf, was gespielt wird, und stimmt gnadenlos darüber ab, welche Mannschaft das beste Stegreiftheater inszeniert. Dafür gibt es Punkte, und man kann sogar Wetten abschließen. Nach dem "Aufwärmen" - zwanzig Schauspielathleten rennen durch den Zuschauerraum - und nach dem Strammstehen bei der "Nationalhymne" steht die erste Aufgabe an: das "Stirb-Spiel".

Sechs Akteure stehen nebeneinander, einer beginnt eine Geschichte. Um einen Mantel soll es gehen, bestimmt das Publikum. Beim Schnipp der resoluten Moderatorin ist ein anderer dran, die irrwitzige Geschichte, die sich daraus spinnt, fortzusetzen. Der "Schnipp-Takt" wird schneller. Verzögertes Weitererzählen bestraft das Publikum mit "Stirb!". Derjenige muss zwar nicht das Zeitliche segnen, aber ausscheiden.

Ob Rollenspiel mit Mann und Frau oder Gruppenimprovisation mit Musik, ob Spiel mit fremden Armen oder Reimespiel, die Schüler der Unter- und Mittelstufe meistern schwierigste Situationen blendend. Mutig stehen sie da, gestikulieren mit imaginären Gegenständen, ziehen Grimassen, reagieren spontan auf Regieanweisungen der Besucher, sprudeln geradezu ihre eben erfundenen Texte heraus, auch wenn es oft an Nonsens grenzt.

Manchmal fragt man sich, wer mehr Spaß hat, "Sportler" oder Publikum. Aber was da so einfach aussieht, bedarf langer, gezielter Übung. "Trainerin" Christine Wakarecy hat ihre Mannschaften sehr gut aufs Match eingestellt, die Leistungen ihrer Impro-Athleten zur Olympiareife herausgekitzelt. Die "Miesen Muscheln" gewinnen das etwas andere Sportspektakel und fordern nun die "Schillerstraße" heraus.


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Autor: SABINE SCHWEICKHARDT | 06.05.2010

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