250. Geburtstag von Friedrich Schiller

Schiller- Museum in Marbach öffnet



Die Stadtkapelle Marbach probt derzeit noch mit dem örtlichen Liederkranz die 9. Sinfonie Ludwig van Beethovens in neuer Fassung für Blasorchester und Chor: „Freude, schöner Götterfunken“! Ja, die Feierlichkeiten zum 250. Geburtstag von Friedrich Schiller nähern sich dem Höhepunkt, und am 10. November läutet dann in Marbach am Neckar nicht nur die Schillerglocke Concordia, erbieten nicht nur die Marbacher Grundschüler auf der Schillerhöhe im Beisein des Bundespräsidenten Horst Köhler dem Schillerdenkmal einen Blumengruß. An diesem Tag eröffnet in Schillers Geburtsort nach zwei Jahren Bauzeit auch das generalsanierte Schiller-Nationalmuseum – ein „Pantheon des schwäbischen Geistes“ – wieder. Wobei der englische Architekt David Chipperfield den historischen Bestand des 1903 errichteten Hauses „neu interpretierte“.

In einer neuen Dauerausstellung will das Deutsche Literaturarchiv dann im Schiller-Nationalmuseum die außergewöhnliche Geschichte der deutschen Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts mit dem Schwerpunkt auf der schwäbischen Dichtung darstellen. Wie sollte es auch anders sein im viel beschworenen Lande der Dichter und Denker. Denn wie sagt der Volksmund:

Der Schiller und der Hegel,

der Uhland und der Hauff,

das ist bei uns die Regel,

das fällt nicht weiter auf.

Die Dichter- und Philosophen-Dichte im Südwesten ist nun wirklich auffällig. Aber da gab es das Tübinger Stift, in dem eigentlich die Landeskinder (nur die Söhne, leider nicht die Töchter) zu evangelischen Pfarrern ausgebildet werden sollten, das aber auch als pure Denker- und Schriftstellerschmiede diente: Hölderlin, Hegel, Schelling, Hauff, Waiblinger, Mörike, Vischer – alle waren sie dort. Friedrich Nietzsche ätzte darüber in seinem „Antichrist“: Man müsse nur das Wort Tübinger Stift aussprechen, um zu begreifen, was die deutsche Philosophie im Grunde sei – eine „hinterlistige Theologie“.

Der berühmteste Dichters des Landes aber, Friedrich Schiller, ist kein Stiftler. Ihn nahm bekanntlich nicht die Kirche, sondern die weltliche Macht, der württembergische Herzog Carl Eugen, unter seine Fittiche. Dass Schiller seine Klassiker-Karriere dann in Weimar machte, tat der Verehrung keinen Abbruch. Sein Marbach wurde Pilgerort, im Jahr 1859 eröffnete im Geburtshaus eine Gedenkstätte. Seit der Erweiterung des Schiller-Nationalmuseums zum Deutschen Literaturarchiv (1955) entwickelte sich Marbach überhaupt zum bedeutendsten Sammlungsort für die deutsche Literatur der letzten 200 Jahre.

Schiller selbst verleugnete übrigens seinen Dialekt nicht. „Die Liebe zum Vaterland ist sehr lebhaft in mir geworden, und der Schwabe, den ich ganz abgelegt zu haben glaubte, regt sich mächtig (. . .) Thüringen ist das Land nicht, worin man Schwaben vergessen kann.“

Weitere Informationen:

www.dla-marbach.de

www.schillersgeburtshaus.de



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Autor: Jürgen Kanold | 02.11.2009

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