Die Kunst bleibt im Gespräch

Privatsammler wie Reinhold Würth prägen die Museumslandschaft

Es gibt eigentlich keine Ecke in Baden-Württemberg, wo nicht irgendwo und irgendwie Privatinitiative dafür sorgt, dass die Künstler ins Rampenlicht geholt werden und so die Kunst dauerhaft im Gespräch bleibt. Aber es ist schon phänomenal, was der Künzelsauer Unternehmer und Kunstförderer Reinhold Würth auf die Beine gestellt hat. Inzwischen hat er europaweit sage und schreibe dreizehn eigene Museen eingerichtet, eine Investition in Kunst und Kultur, die ihresgleichen sucht. Würths Augenmerk richtet sich aber bei all seinen Überlegungen immer zuerst auf sein Hohenloher Land, dort erst bekommt man einen Eindruck davon, wie er sein Kunstimperium in der heimatlichen Region fest verankert.

Wer nach Schwäbisch Hall fährt, wird dort an den Würth’schen Kunstherbergen nicht vorbeikommen, überall Hinweisschilder auf Johanniterhalle und Kunsthalle, man wird zuvorkommend und freundlich versorgt mit Audioguides, Flyern und Hausprospekten, von kundigen Begleitern durch das Labyrinth der Ausstellungshallen geleitet. Ob da nun derzeit Arbeiten des Surrealisten Max Ernst in der Kunsthalle zu sehen sind oder, einige hundert Meter weiter, in der Johanniterhalle dauerhaft die Kleinode der mittelalterlichen Kunst, die kostbaren Cranachs, die Tafelbilder des Meisters von Meßkirch. Eben der ehemals Fürstenbergische Bilderschatz, den Reinhold Würth 2003 erworben hat, um ihn dem Land zu erhalten.

Würth ist natürlich nicht der einzige Sammler, der der baden-württembergischen Kunstlandschaft seinen Stempel aufgedrückt hat. Die Kurstadt Baden-Baden etwa verfügt seit 2004 mit Richard Meiers schneeweißem, lichtdurchflutetem Prachtbau des Museums Frieder Burda nicht nur über eine städtebauliche Attraktion, die international ausstrahlt. In seinem Haus schaut der passionierte Kunstsammler Burda auch penibel darauf, dass hier auf höchste Qualität geachtet wird – gleichviel, ob nun Exponate aus seiner eigenen Kollektion oder Leihgaben aus befreundeten Sammlungen und Museen an die Wand kommen.

Ein durchdachtes Konzept, wie man von Kunst und Kultur noch ziemlich unbeleckte Zeitgenossen behutsam mit den Beschaffenheiten der heutigen Künstlerseelen vertraut machen kann, steht auch der in Waldenbuch im Schönbuch residierenden Kunstsammlerin Marli Hoppe-Ritter zur Verfügung. Wie sie in ihrem vor vier Jahren eröffneten Museum Ritter Kunstvermittlung betreibt, das kann man nur vorbildlich nennen. Da vergeht kein Tag, an dem nicht Schulklassen in den Ausstellungsräumen auftauchen, Malaktionen und Führungen sind selbstverständlich feste Programmpunkte im Museum.

Mit leichter Hand kann Marli Hoppe-Ritter dabei nicht hantieren, denn sie orientiert sich bei ihren Ankäufen nicht an gängiger Kunsthandelsware, sie hat firmenspezifisch das Quadrat auf ihre Fahnen geschrieben, also sollten ihre Neuerwerbungen immer etwas mit Konkreter Kunst und mit geometrischen Formen zu tun haben.


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Autor: BURKHARD MEIER-GROLMAN | 26.10.2009

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