Das Beste im Südwesten

Mountainbiken von der Alb zum Schwarzwald

Region.  Genuss und Anstrengung sind für Mountain-Biker keine Gegensätze. Sie packen zig Höhenmeter und genießen die Abfahrten. Ein 832 Kilometer langer Trail verbindet die Schwäbische Alb mit dem Schwarzwald.

"Berg rauf und Berg runter über anspruchsvolle Wege - das ist der Anreiz für den Biker", sagt Eric Winklbauer, Mountain-Bike-Guide in Geislingen an der Steige. Der 47-jährige ehemalige Maschinenbautechniker muss sich an seinem Wohnort nur im Kreis drehen und wählen, in welche Richtung er Biken möchte. Steigen liefert die Schwäbische Alb zuhauf. Wenn er wolle, könne er an einem Tag am Albtrauf im Helfensteiner Land über 3000 Höhenmeter zurücklegen. "Da muss ich nicht in die Alpen fahren."

An Geislingen vorbei führt der im vorigen Jahr eröffnete 368 Kilometer lange Bike-Crossing Schwäbische Alb. "Das ist der Einstieg der Alb-Touristiker in eine junge dynamische Wachstumsbranche", meint Eric. Der Trail beginnt in Aalen im Nordosten und führt am Albtrauf entlang bis Tuttlingen, wo ein Verbindungsweg nach Donaueschingen zum 450 Kilometer langen Bike-Crossing Schwarzwald führt. Doch Biker zählen nicht nur die Kilometer, sondern vor allem die Höhenmeter. Die Albstrecke bringt es auf 10000, der Schwarzwald-Trail auf 16000 Höhenmeter. Eine sportliche Herausforderung, die aber für einen normal trainierten Biker zu schaffen ist, sagt Eric.

"Gang runter und in der Ideallinie ohne große körperliche Verrenkungen den Berg hochfahren." Was die "Bergziege", so nennen seine Freunde Eric, mühelos schafft, sieht beim weniger trainierten Biker verzweifelt aus. Der Oberkörper wird in alle Richtungen massiv eingesetzt, das Lenkrad schwenkt von links nach rechts, und taucht dann eine vom Wasser ausgewaschene Rinne auf, scheitert meist jeder Versuch, dem Hindernis, das noch kräftezehrender ist, auszuweichen.

Obendrein zieht sich der erste Anstieg auf den Tegelberg kurz hinter Geislingen - und fordert von Beginn an den vollen körperlichen Einsatz. "Um auf dem Bike mit Spaß und voller Dynamik im Gelände unterwegs zu sein, brauchst du eine geübte Fahrtechnik und koordinierte Bewegungsabläufe" sagt Eric. Und: "Der Könner fährt nicht über Wurzeln, sondern überspringt sie."

Allerdings sei der Crossing Trail Schwäbische Alb auch für sportlich weniger ambitionierte Fahrradfahrer ohne Weiteres zu schaffen, zeigt sich Herbert Saum überzeugt. Er ist der Geschäftsführer von zehn Gemeinden, die sich zum Helfensteiner Land zusammengeschlossen haben. Die Bike-Trasse entspricht nach seinen Angaben mit zwei Metern Breite nicht nur den Vorgaben des baden-württembergischen Waldgesetzes, sondern ist auch so angelegt, dass allzu große Schikanen vermieden werden. Der Crossing-Trail sei daher weitgehend ein Angebot für "normale Biker", die nicht nur Höhenmeter, sondern auch Strecke machen wollten, sagt Saum.

Mit dem im vorigen Jahr eröffneten Trail will der Tourismusverband Schwäbische Alb neue Gäste anziehen. Offenbar tut er das mit Erfolg. An manchen Wochenenden habe er im Schnitt bis zu 70 Biker gezählt, von denen viele auf mehrtägigen Touren unterwegs seien, sagt Saum. "Viele Schweizer kommen mit der Bahn nach Aalen und fahren auf dem Crossing Trail Schwäbische Alb über den Bike Crossing Schwarzwald wieder nach Hause."

Welche Bedeutung das Mountain-Biking im Tourismus inzwischen hat, ist im Schwarzwald leicht festzustellen. Dort rangiert die Sportart bei der Schwarzwald Tourismus-Gesellschaft längst gleichberechtigt neben Wandern, Essen und Trinken sowie Wellness. Die Ferienregion Schwarzwald bietet mit inzwischen gut 8500 Kilometern eines der größten einheitlich ausgeschilderten Mountain-Bike-Streckennetze in Deutschland an.

Jahr für Jahr ist seit dem Jahr 2003 das Wegenetz immer weiter ausgebaut worden. Zahlreiche Veranstalter bieten inzwischen geführte Touren an, Hotels und Gasthöfe haben sich auf die zahlungskräftige Kundschaft eingestellt. Mountain-Bike-Großveranstaltungen haben sich zu Kassenschlagern entwickelt. Allein am so genannten "Black Forest Ultra Bike Marathon" in Kirchzarten gehen durchschnittlich rund 4000 Teilnehmer an den Start. Und am härtesten Rennen, dem Vaude Trans, einem 550 Kilometer langen Etappenrennen, nehmen 500 Biker mit 450 Begleitpersonen teil, die in den Orten entlang der Strecke übernachten, sagt Gaby Baur von der Schwarzwald-Tourismusgesellschaft.

"Mountain-Biking ist eine feste und wichtige Größe im touristischen Alltag geworden", berichtet sie. Bike-Arenen, Bike-Parcours und Fahrtechnik-Schulen runden das Angebot auf der Schwäbischen Alb wie im Schwarzwald ab. "Biken schont die Gelenke und stärkt den Kreislauf und den Rücken", meint Eric, der Mountain-Biking zu den eher sanften Sportarten zählt, weil dabei jeder Muskel beansprucht wird. Wer regelmäßig trainiere, werde zwangsläufig süchtig nach dem "Kick - und er will dann auch immer anspruchsvollere Trails meistern", meint der Guide bei einer Verschnaufpause in herrlicher Landschaft - mit Blick auf die herbstlich-bunten Kuppen des Albtraufs.


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Autor: Hubert Kaltenbach | 21.10.2009

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