Zweiradtourismus boomt

Mit dem Rad am Fluss entlang

Region.  Wer vom Tourismus lebt, hörts inzwischen gern, das Geräusch von Fahrradklingeln. Denn von Saison zu Saison steigt der Anteil der Freizeitradler am Tourismusumsatz - die Region Ulm/Neu-Ulm steigt mit auf.

Am Anfang war der Donau-Radwanderweg. An manchen Abschnitten gilt er als die am meisten befahrene Radwanderroute in Europa. Für diese hat das Land Baden-Württemberg vor ein paar Jahren ein neues Beschilderungssystem aufgelegt - und damit auch in der Region eine ganze Reihe von Aktivitäten in Sachen Radtourismus ausgelöst. "Wir haben hier inzwischen eine sehr hohe Wertschöpfung erreicht", sagt Franz Schmid vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub, dem ADFC. Dieser ist sowas wie der ADAC für Fahrradfahrer, vertritt deren verkehrspolitische Interessen, ist aber auch sehr aktiv in Sachen Radtourismus.

Das Geschäft mit dem Fahrradfarer hat inzwischen einen Anteil von knapp 11 Prozent an der Wertschöpfung der Tourismusbranche in Deutschland. "In Baden-Württemberg sogar etwas mehr", sagt Schmid. Auch die Verwaltungen in der Region haben ihre Bemühungen verstärkt, das Freizeitangebot für nichtmotorisierte Zweiradfahrer stetig zu verbessern: Zurzeit profitieren hauptsächlich die Nutzer fester Wege von den Angeboten. Im Auftrag des Alb-Donau-Kreises hat der ADFC das Beschilderungssystem für dessen 14-Touren-Radwanderheft konzipiert - auf Familien ausgerichtete Ausflüge. Mit genutzt wird dabei der Grundstock an bestehenden Orientierungshinweisen zwischen den Städten und Dörfern in der Region. "Insgesamt dürften dies allein beim Alb-Donau-Kreis an die 2800 Schilder sein." Knapp 700 Kilometer touristischer Pfade sind dafür erfasst worden. Der Alb-Donau-Kreis ist schließlich groß "und bietet wunderschöne Ecken". Außer dem 14-Touren-Heft gebe es ein Angebot des Regionalverbands Donau-Iller. Der Landkreis Neu-Ulm bietet seinerseits fünf Touren an, und entwerfe dafür zurzeit auch einen Internetauftritt. Mit neuen Radwegen bemüht sich der bayerische Teil, Verbindungen zum übergeordneten Wegenetz herzustellen.

In Kooperation aller regionalen Verwaltungen ist zum Beispiel die Strecke "Wasserspuren" an der Donau entstanden. Andere Touren- und Streckennamen folgen den Flussläufen der auf die Donau zufließenden Gewässer: Iller, Günz, Kammel. "Bald haben wir auch einen Rothtalweg", sagt Schmid. Ein wohlklingender, eingängiger Name sei wichtig. "Wer würde schon auf der Tourismusmesse hängenbleiben, wenn ich ihm einen Ausflug von Nersingen nach Ichenhausen vorschlage?" Es sei wichtig, dass die Leute das Gefühl haben, sich durch das Nutzen solcher ausgefeilten Touren die Landschaft und die Angebote am Weg zu erschließen.

Bei aller Euphorie über die Möglichkeiten der Wertschöpfung aus dem Radtourismus dürfe man allerdings nicht nur die quantitative Verbesserung des Radwegenetzes im Auge haben. Es gehe schließlich um die Sicherheit der Menschen, die diese Wege nutzen - "ob nun für ihre Freizeitaktivitäten oder um zur Schule oder zur Arbeit zu gelangen". Er selbst sei seit 1994 verkehrspolitisch aktiv und habe den Eindruck, dass der Einfluss von Zweiradfahrern auf die Planungsbehörden bei weitem nicht ihrem Anteil am Verkehrsgeschehen entspreche. Übersetzt heißt das: Radwege werden noch zu oft von Vollblut-Autofahrern geplant. "Sie enden zu abrupt in den Ortschaften oder berücksichtigen an zu vielen Stellen nicht die Gefahren, die von Einfahrten ausgehen." Eine dieses Jahr erschienene Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen habe gezeigt: "Die Beachtung der technischen Vorgaben für den Radwegebau beeinflusst maßgeblich die Unfallzahlen." Heißt: Gut geplante Radwege helfen, das Risiko für Radfahrer im Verkehrsgetümmel zu mindern.
 


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Autor: Michael Janjanin | 21.10.2009

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