Uni Konstanz
Klein, jung und schon Elite
Konstanz.
„Wir konkurrieren mit keiner anderen Uni. Wir sind so anders, dass das gar nicht möglich ist.“ Professor Ulrich Rüdiger ist seit gut einem Monat Rektor der Uni Konstanz. Er spricht diesen Satz gelassen und mit etwas Stolz aus. Schließlich ist seine Uni noch jung, mit knapp 10.000 Studierenden auch relativ klein – und dank des Anders-Seins doch seit 2007 Elite-Uni.
Dieses Anders-Sein wurde der Uni Konstanz mit in die Wiege gelegt. Sie wurde mit der Uni Ulm erst Mitte der 1960er Jahre gegründet. Im Vergleich zur Uni Heidelberg, die 1386 gegründet wurde und die älteste Deutschlands ist, oder den über 500 Jahre alten Hochschulen in Freiburg und Tübingen ist sie allerjüngst. Doch in ihre Struktur konnten die Erfahrungen aus den altehrwürdigen Unis einfließen.
Deshalb wurde einiges anders gemacht: Das übliche Konzept, dass jede Fakultät ihre eigene Verwaltung, Bibliothek und eigene Räume hat, galt nicht mehr. „Die Uni Konstanz wurde als Reform-Uni gegründet“, sagt Rüdiger. Von vornherein sollte eine Struktur geschaffen werden, die nicht von starken Hierarchien dominiert wird. Partnerschaftliches Miteinander sowohl der Lehrenden als auch der Lernenden und interdisziplinäres Lehren, Lernen und Forschen sollten im Vordergrund stehen. „Davon ist viel umgesetzt worden“, betont der Rektor.
Das zeigt sich auch in der Architektur: Die Bibliothek, die 24 Stunden geöffnet ist, ist das Herzstück. Zentral gelegen sind auch einige Hörsäle. Drum herum wurden auf die jeweiligen Bedürfnisse der Fakultäten zugeschnittene Gebäude platziert. „Wir sind eine Campus-Uni, eine Uni der kurzen Wege und offenen Türen.“
Das architektonische Konzept setzt sich inhaltlich fort. Die Bereiche innerhalb der zwei Studien-Schwerpunkte Geistes- und Naturwissenschaften „sind extrem miteinander vernetzt“, sagt der Rektor. „Man tauscht sich aus und ist kommunikativ.“ Dieses ausgeprägte Miteinander habe sich besonders bei der Begutachtung der Uni für die dritte Förderlinie der Exzellenzinitiative gezeigt: „Alle standen zusammen wie eine Wand“, erinnert sich Rüdiger. Deshalb habe es im zweiten Anlauf mit der Auszeichnung zur Exzellenzuni geklappt.
Bereits in der ersten Ausschreibungsrunde 2006 war Konstanz mit dem Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“ erfolgreich. 2007 wurden die Graduiertenschule „Chemical Biology“ und das Zukunftskonzept „Modell Konstanz – towards a culture of creativity“ angenommen. Aus dem Konzept ist das Zukunftskolleg entstanden: ein Zentrum für wissenschaftlichen Nachwuchs, in dem Promovierte interdisziplinär forschen können.
Die Uni Konstanz gilt national und international als renommierte Forschungsuni. Bundesweit holt sie mit am meisten Drittfördermittel an den Bodensee. Das wird mit weiterem Geld aus dem Uni-Haushalt belohnt. „Keine Arbeitsgruppe hat einen eigenen Haushalt“, sagt Rüdiger. Stattdessen gibt es „leistungsorientierte Zuweisungen“. „Bei uns sind alle Professoren sehr geübt im Anträge schreiben.“ Deshalb sei auch die Bewerbung für die Exzellenzinitiative keine allzu große Hürde gewesen. „Alle waren leicht zu motivieren und kamen schnell zu der Erkenntnis, dass das Programm für uns wie geschaffen ist.“
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Autor: Petra Walheim | 03.11.2009
Studierende vor der Uni Konstanz. Archivfoto
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