Hugo Boss zählt zur Weltliga der Edelmarken
Mode aus dem schwäbischen Metzingen
Mode macht man in Mailand, Paris, London - und in Metzingen. Im Ermstal sitzt Hugo Boss, Deutschlands größter Modekonzern.
Hugo Boss, der vor knapp neun Jahrzehnten gegründete schwäbische Herrenschneider, wurde in den 70er Jahren unter den Enkeln des Gründers, den Brüdern Jochen und Uwe Holy sowie dem kreativen Kopf Werner Baldessarini zum Qualitätsmerkmal für den klassischen Business-Anzug - und zum Beweis dafür, dass die Schwaben auch Haute Couture können. Inzwischen zählt die Edelmarke aus Metzingen zur Weltliga, in der Armani, LVHM, Gucci oder Prada die Maßstäbe setzen.
Ganz reibungslos verlief der Aufstieg vor allem in den letzten beiden Jahren nicht mehr. Doch zuvor eilten die Metzinger von einem Erfolg zum nächsten. Der Anzugschneider hat sich zum internationalen Lifestyle- und Luxuskonzern weiterentwickelt. Die späte Einsicht, dass Mode zu allererst eine Domäne für die Dame ist, schlägt sich immer stärker in der Bilanz nieder: Gut ein Zehntel des Umsatzes von rund 1,5 Milliarden Euro macht der Konzern inzwischen mit Boss Women. Längst haben die Metzinger auch Schuhe, Taschen, Schmuck und Parfüm im Programm, neuerdings sogar ein Hugo-Boss-Handy.
Claus-Dietrich Lahrs (45) ist seit knapp eineinhalb Jahren der neue Boss bei Boss. Aus Paris, wo er die Edelmarke Dior managte, ist er nach Metzingen gekommen. Dort war zuletzt weniger von erfolgreichen Kollektionen die Rede als von anhaltenden Personalwechseln an der Spitze und von dem neuen Mehrheitsaktionär, dem Finanzinvestor Permira. Inzwischen drückt auch die Wirtschaftskrise auf die Ergebnisse. Doch Lahrs ist zuversichtlich, dass auf Mode à la Metzingen noch viele Käufer warten, vor allem dort, wo Boss ein Top-Begriff ist: in China oder Russland. In wenigen Jahren soll die Hälfte des Umsatzes außerhalb Europas gemacht werden, heute sind es 30 Prozent.
Das ist keine Absage an das Heimatstädtchen Metzingen, wo 2000 der gut 9000 Mitarbeiter beschäftigt sind. Im Gegenteil: Hugo Boss wollte hier sein neues Zentrallager bauen, von dem aus die guten Stücke, die allesamt nicht mehr in Deutschland gefertigt werden, in alle Welt verteilt werden sollten. Doch eine Bürgerinitiative kippte per Volksabstimmung das Vorhaben und mit ihm 400 neue Jobs.
Der Metzinger Bürgermeister Dieter Hauswirth schmiss tief enttäuscht den Bettel hin. Keiner weiß besser wie er, was Boss für seine 22.000 Bürger finanziell bedeutet. Bundesweit, sogar international, hat es die Nachbarstadt von Reutlingen zu einiger Bekanntheit gebracht - und auch hier war der Modekonzern der Auslöser. Zum Fabrikverkauf von Boss gesellen sich längst auch die anderen Marken.
Heute ist mehr oder weniger jeder bedeutende Textilist mit dieser Vertriebsform vertreten - und Metzingen ist zum Mekka der Schnäppchenjäger geworden. 2,5 Millionen kommen Jahr für Jahr. Auch ausländische Touristen haben Metzingen eher im Visier als die Wilhelma in Stuttgart. Etwas Vergleichbares gibt es kein zweites mal in Deutschland.
Weitere Artikel:
- Mekka der Bekleidungsindustrie rund um die Südwestalb
- Technische Textilien als große Chance
- Textilunternehmen im Südwesten
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Autor: Helmut Schneider | 05.11.2009
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