INTERVIEW: "Neue Strömungen und Entwicklungen aufnehmen"

Seit 2001 leitet Rolf Grübel die Geschicke des Sportkreises Hall. Beim Sportkreistag in Brettheim wird er heute für eine weitere Amtszeit kandidieren. Vor der Versammlung sprach das HT mit dem Schrozberger.

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Will noch eine weitere Amtszeit als Sportkreis-Vorsitzender dranhängen - Rolf Grübel (Schrozberg). Privatfoto

Rolf Grübel - Sie stehen für eine weitere Amtszeit als Vorsitzender zur Verfügung, obwohl es zwischenzeitlich nicht danach aussah. Was hat Sie doch zur Kandidatur bewogen?

ROLF GRÜBEL: Es stand kein Nachfolger zur Verfügung, und ich wollte das Erreichte nicht aufs Spiel setzen. Außerdem werden jetzt neue Mitarbeiter zur Vorstandschaft hinzukommen, die konkrete Aufgaben übernehmen und sich aktiv in die Arbeit einbringen.

Was waren die praktischen Arbeitsschwerpunkte des Sportkreises in den letzten Jahren?

GRÜBEL: In erster Linie fungieren wir als Ansprechpartner für die Vereine. Außerdem haben wir die vom WLSB delegierten Aufgaben erfüllt. Für wichtig halte ich nach wie vor, dass vor Ort, dezentral, diverse Seminare angeboten werden, selbst wenn nicht mehr so viele Leute kommen. In unserer Haller Geschäftsstelle halten wir einmal im Jahr eine Bauberatung ab. Im Zeitraum 2010/11 wurden Bauvorhaben im Wert von 3,3 Millionen Euro beantragt und mit 540 000 Euro von der Sportförderung des WLSB bezuschusst. Dasselbe gilt für 500 ausgebildete Übungsleiter pro Jahr (für 2010: 142 000 Euro). Rund 30 Prozent der Vereine nehmen bei uns die Kooperation Schule/Verein wahr. Damit stehen wir an Position zwei in Württemberg. Rückläufig sind bei uns die Abnahmezahlen für Sportabzeichen. Insgesamt wurden rund 300 weniger abgelegt. In diesem Bereich lagen wir früher ganz vorne und wollen künftig die Sportlehrer wieder mehr einbinden, um erneut dorthin zu kommen.

Hört man sich in Sportlerkreisen nach dem Sportkreis und seinen Aufgaben um, wissen viele gar nicht so recht etwas damit anzufangen. Kritische Stimmen stellen gar die Frage, ob man den Sportkreis überhaupt noch braucht. Wie stehen Sie dazu?

GRÜBEL: Ohne Sportkreis würde alles - zentral - in Stuttgart entschieden. Wir sind quasi der verlängerte Arm des WLSB und nehmen für ihn inhaltliche und konzeptionelle Aufgaben wahr. Ohne die bisherige Struktur könnten Vereine schwerlich beispielsweise kurzfristige Ehrungen beantragen. Es würde keiner zu Jahresfeiern und dergleichen vorbeikommen. Schlichtweg ginge der Kontakt zur Basis, das Wissen darum, wo bei den Vereinen der Schuh drückt, verloren. Ich werde beispielsweise oft direkt angerufen oder vor Ort auf Terminen angesprochen. Dieser direkte Kontakt würde ebenfalls wegfallen. Die Frage wäre auch, ob Sportabzeichen oder Sportlerball - zentral organisiert - eine Zukunft hätten. Ich halte es zudem für wichtig, auch mit den Politikern aus der Region über die Situation des Sportes im Gespräch zu bleiben und intensive Kontakte zu den Fachverbänden zu unterhalten. Trotz jahrelanger Erfahrung im Ehrenamt lernt man nie aus, sollte zudem auch mal über den Tellerrand blicken und schauen, wie es die anderen machen.

Welche zentralen Aufgaben sehen Sie für die neue Amtszeit?

GRÜBEL: Wir werden uns strukturell und inhaltlich verändern müssen. Ganz wichtig: mehr Aufgaben verteilen! Dabei muss jeder Mitarbeiter mehr Verantwortung übernehmen. Die Arbeit selbst macht mir Spaß, hat mich nie belastet, doch nach so langer Zeit muss man auch mal kürzer treten. Die Ehrenamtlichen sind das Kapital der Vereine, eine Ressource, mit der man sparsam umgehen muss. Sie zu unterstützen, liegt mir am Herzen. Dafür müssen wir Ideen entwickeln. Vielleicht könnte man einen Ehrenamtsbeauftragten im Verein etablieren, mit Budget, der autonom arbeitet - wobei sich dann wieder die Frage stellt, wer es macht. Heute werden die Leute viel älter und bleiben zudem auch länger fit. Sie wollen ihre Angebote in den Vereinen haben, wandern sonst in die Fitnessstudios ab. Zudem kann man Ältere und Vorruheständler, die ja in der Woche Zeit haben, auch organisatorisch (Auf- und Abbau bei Festen, ohne Urlaub nehmen zu müssen) enger ins Vereinsleben einbinden. Die demografische Entwicklung betrifft speziell die Teamsportarten und, bedingt auch durch immer mehr Rentner, sinkendes Beitragsaufkommen.

Worauf freuen Sie sich beim Sportkreistag heute Abend besonders?

GRÜBEL: Auf den Präsidenten. Es gibt 24 Sportkreise in Württemberg, und da ist es schon eine besondere Ehre, wenn Präsident Klaus Tappeser, der im Mai 2003 schon mal bei uns war, persönlich kommt.

Wie könnte man das Image des Sportkreises verbessern?

GRÜBEL: Das ist schwierig. Früher hat man sich öfter getroffen. Heute werden viele Infos per E-Mail und Internet ausgetauscht.

Wie sind Sie mit dem lokalen Sportangebot zufrieden? Haben Sie auch ab und zu mal Gelegenheit, in der Region Live-Sport zu sehen?

GRÜBEL: Dafür steht wenig Zeit zur Verfügung. Dennoch verfolge ich etwa, wie sich die Crailsheim Merlins entwickeln und hoffe, dass sie das unmöglich scheinende schaffen und in die erste Liga aufsteigen.

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