Ein Spiel für die Geschichtsbücher

Erstmals in ihrer Vereinsgeschichte müssen die Schwäbisch Hall Unicorns in eine Verlängerung. Nach dem 31:24 über die Berlin Rebels stehen sie im Halbfinale.

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Zwei Minuten vor dem regulären Spielende spüren die Zuschauer, dass ihr Team nun noch mehr Unterstützung braucht: „U-NI-CORNS!“ schallt es von der Haupttribüne, aber auch von allen anderen Plätzen, wo sich die Haller Fans befinden. Die fast 1900 Zuschauer haben in diesen Momenten den Regen und die Kälte vergessen. Ihre Mannschaft liegt gegen die Berlin Rebels mit 21:24 zurück, es droht das Aus im Playoff-Viertelfinale gegen den Vierten der GFL Nord.

Die Zeit läuft unerbittlich ab, dieses Attribut gilt auch für die Berliner Defense: Hall schafft in den ersten drei Versuchen keinen Raumgewinn, Quarterback Marco Ehrenfried hat einen im wahrsten Sinne des Wortes schweren Stand. „Der Regen hat den Boden extrem aufgeweicht. Das war teilweise wie Schmierseife“, erzählt er später. Die Uhr zeigt 1:31 Minuten Restspielzeit an. Gelingt Hall im vierten Versuch nicht ein neues First Down, stehen die Rebels im Halbfinale. Nach dem Snap sucht Ehrenfried eine Anspielstation. Seine O-Line verschafft ihm genügend Zeit. Pass auf Nate Robitaille – der fängt den Ball, schaffte den benötigten Raumgewinn. Die Zuschauer geraten in Ekstase und werden sich noch weiter steigern können.

Hall ist noch im Spiel, hat aber noch keine Punkte erzielt. Wegen des persönlichen Fouls eines Berliners – davon gibt es im letzten Viertel einige – rückt Hall näher an die Endzone. Der Touchdown, der den Sieg bedeutet hätte, gelingt nicht. So liegt die Verantwortung im vierten Versuch bei Tim Stadelmayr. 26 Sekunden vor dem Ende muss der Kicker der Unicorns den Ball aus 26 Yards Entfernung zwischen die Torstangen befördern. Keine leichte Aufgabe, denn der Boden ist tief. Zudem muss Stadelmayr schräg kicken. Doch er schafft es und sorgt damit für ein Novum in der Unicorns-Geschichte: Erstmals spielen sie eine Verlängerung.

Schüle läuft zum Touchdown

„Wir haben im Training solche Stressmomente simuliert“, berichtet  Head Coach Jordan Neuman. So musste Stadelmayr beispielsweise kicken, während rings um ihn Spieler standen und ihn anbrüllten. Auch Defensive Coordinator Johannes Brenner hat solche Stressmomente ins Training eingebaut. Das sollte sich in der Verlängerung auszahlen.

Zunächst erhalten die Unicorns den Ball 25 Yards von der Endzone entfernt. Zunächst findet Ehrenfried erneut Robitaille mit einem Pass, dann läuft Maurice Schüle mit dem Ball in die Endzone. Tim Stadelmayr verwandelt den Extra-Punkt-Kick zum 31:24. Nun sind die Rebels dran, erhalten ihrerseits den Ball an der 25-Yard-Linie. Der Lärm ist riesig: Alle auf der Haupttribüne stehen. Was zum Krach machen geeignet erscheint, wird verwendet. Halls Defense ist hochkonzentriert. Drei Versuche sind bereits erfolglos, dann fliegt der Ball in die Haller Endzone. Doch der Berliner wird beim Fangen erfolgreich gestört – Aus. Während die Berliner enttäuscht auf den Boden sinken, liegen sich Haller Spieler und Zuschauer in den Armen. Ein Spiel ist zu Ende, an das sich jeder, der dabei war, noch lange erinnern wird.

Denn schon vor den nervenaufreibenden Momenten gegen Ende der regulären Spielzeit und der Verlängerung bekommen die Zuschauer viel geboten: Interceptions, ein geblockter Punt, Quarterback-Sacks, unnötige Fouls und vieles mehr. Anfangs scheint Hall den Gegner im Griff zu haben. Dank Tyler Rutenbeck liegen die Unicorns 14:0 vorne, doch dann zeigen die Rebels, warum Jordan Neuman eindringlich vor ihnen gewarnt hat. Quarterback Terell Robinson ist sehr mobil. Zudem sind die beiden muskelbepackten Runningbacks Chris Smith und Larry McCoy eine ständige Gefahr. Zur Pause steht es 14:10 für Hall, dann gehen die Berliner zweimal in Führung. Letztlich fehlen ihnen 26 Sekunden, um ins Halbfinale einzuziehen.

Dort stehen zum vierten Mal in Folge die Unicorns und erwarten am kommenden Samstag die Kiel Baltic Hurricanes. Die Verantwortlichen rechnen mit einem physisch ähnlich fordernden Spiel. Gegen die Rebels haben die Unicorns einige Abschlusschwächen gezeigt, die Verlängerung wäre nicht unbedingt nötig gewesen. Das weiß auch Jordan Neuman. Andererseits sagt er: „Wenn wir es gebraucht haben, haben wir geliefert.“

Schwäbisch Hall Unicorns –
Berlin Rebels

31:24

Punkte für Schwäbsich Hall: Tyler Rutenbeck (12), Tim Stadelmayr (7), Nathaniel Robitaille (6) und Maurice Schüle (6)

Zuschauer: 1868


Viertelergebnisse: 14:7 / 0:3 / 7:7 / 3:7 / OT 7:0

Alle Punkte:
7:0 – Tyler Rutenbeck – 25-Yard-Pass von Marco Ehrenfried (Point after Touchdown Tim Stadelmayr)
14:0 – Tyler Rutenbeck – 42-Yard-Pass von Marco Ehrenfried (PAT Tim Stadelmayr)
14:7 – Terell Robinson – 11-Yard-Lauf (PAT Phillip Friis Andersen)
14:10 – Phillip Friis Andersen – 47-Yard-Fieldgoal
14:17 – Chris Smith – 6-Yard-Lauf (PAT Phillip Friis Andersen)
21:17 – Nathanitel Robitaille – 47-Yard-Pass von Marco Ehrenfried (PAT Tim Stdelmayr)
21:24 – Larry McCoy – 8-Yard-Pass von Terell Robinson (PAT Phillip Friis Andersen)
24:24 – Tim Stadelmayr – 26-Yard-Fieldgoal
31:24 – Maurice Schüle – 13-Yard-Lauf (PAT Tim Stadelmayr)

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