Kay-Uwe Müller: „Das geht noch schneller“

Früher hat Kay-Uwe Müller Fußball gespielt. Dann wurde der heute 37-Jährige einer der besten Läufer dieser Region.

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Kay-Uwe Müller absolviert seine Trainingsrunden im Schenkenseestadion.  Foto: 

Beim Dreikönigslauf hat Kay-Uwe Müller Heimspiel. Der gebürtige Schwäbisch Haller ist seit dem Jahr 2004 dabei, auch morgen wieder. Er stand einmal als Dritter auf dem Siegerpodest. Die Atmosphäre bei diesem Stadtlauf gefällt ihm, doch in diesem Jahr will er noch andere Herausforderungen angehen.

Herr Müller, ist für Sie der Dreikönigslauf nach all den Jahren noch etwas Besonderes?

Kay-Uwe Müller: Auf jeden Fall. Wenn man bedenkt, wie sich dieser Lauf entwickelt hat, dann ist er ganz sicher ein Highlight. Ich bin an Silvester erstmals in Backnang gelaufen. Als Vorbereitung für den Dreikönigslauf, auch wenn ich weiß, dass dort wegen des Streckenprofils keine Bestzeiten möglich waren.

Florian Röser, der in den beiden vergangenen Jahren in Hall gewonnen hat, sind vor allem die Zuschauer aufgefallen. Diese würden nahezu an der gesamten Strecke stehen. Das sei längst nicht überall so.

Ja, der Lauf lebt von dieser Atmosphäre. Er ist ja erst zweimal mitgelaufen. Anfangs nimmt man das noch viel deutlicher wahr als beim zehnten oder 15. Lauf. Der AOK-Buckel ist beispielsweise so ein besonderer Abschnitt. Durch die Zuschauer kommt man gar nicht auf die Idee, dort stehen zu bleiben.

Sie selbst sind zwar bei der TSG Hall, laufen aber für Ihre Gruppe Hari’s 66. Was haben Sie sich vorgenommen?

Ich habe mir das Leben selbst schwer gemacht, weil ich Läufer dabei habe, die für eine 34er-Zeit gut sind (lacht). Der Spaß steht eher im Vordergrund als die Zeit. Florian Röser ist eh eine Liga über mir.

Übers Jahr laufen Sie 6800 Kilometer, was etwa 130 Kilometer pro Woche entspricht. Mit was für Ambitionen haben Sie angefangen?

Ich habe mir nie erträumt, einmal auf der Stufe mit einem Johannes Weingärtner oder Günter Seibold zu stehen. Das waren für mich Sterne, die nie erreichbar schienen und auch nicht der Antrieb.

Was dann?

Als ich mit dem Fußball beim VfR Altenmünster aufgehört hatte, fehlte mir schlicht etwas Bewegung. Also fing ich im Sommer an, etwas zu laufen. Letztlich habe ich ein paar Bücher gelesen und mich selbst ins kalte Wasser geschmissen. Ich dachte, dass ich als Fußballer eine gewisse Ausdauer hätte. Aber dann war ich nach zwei, drei Kilometern fertig, bin in die Badewanne und fast nicht mehr rausgekommen.

Wie lange haben Sie sich auf den ersten Wettkampf vorbereitet?

Es waren eineinhalb Jahre. Allerdings bin ich gleich einen Halbmarathon gelaufen. Das Ziel für mich war, irgendwann einen Marathon laufen zu können.

Dieter Baumann hat einmal gesagt: Man kann einen Marathon laufen, aber gesund ist das nicht.

(schmunzelt) Ich habe es ausprobiert und Blut geleckt. Ich dachte mir, dass das noch schneller geht. Ein Schlüsselerlebnis war ein Marathon in Hamburg. Mich überholte kurz vor dem Ziel ein Läufer, den ich auf mindestens 70 schätzte. Wenn der das kann, dann kann ich es auch! Ich wollte einen Marathon unter drei Stunden laufen. Mittlerweile habe ich das geschafft. Jetzt geht es mir vor allem darum, das Niveau meinem Alter gemäß zu halten.

Sie sind vor einem Jahr vom TSV Crailsheim zur TSG Schwäbisch Hall gewechselt. Warum?

Ich habe mich in Crailsheim wohlgefühlt, aber der Wechsel hat mich sportlich weitergebracht. Bei der TSG gibt es mehr Läufer im Training. Mit mir sind ja auch weitere gekommen. Mittlerweile trainiere ich häufig mit Christian Döring und Robert Weck­esser. Wir sind uns gegenseitig Zugpferde und unterstützen uns. Bei aller Individualität in der Leichtathletik ist dieses Gemeinsame sehr schön.

Gibt es für Sie eine Zeit im Jahr, in der Sie nicht laufen?

Nein. Es mag einzelne Tage geben, aber ich bin sicher 350 Tage pro Jahr unterwegs.

Können Sie bei einem Lauf die Eindrücke genießen?

Es geht zumindest leichter, wenn man nicht am Limit läuft. Nachdem ich mehr als zehn Jahre auf der Straße unterwegs war, will ich nun häufiger an Landschafts- und Bergläufen sowie Trials teilnehmen. Da bleibt manchmal schon das Panorama in Erinnerung.

Haben Sie einen speziellen Wunschlauf?

Nein, es gibt nicht den einen spezifischen Lauf, den ich unbedingt absolvieren möchte, obwohl mich der Lauf um den Großglockner mit den 1500 Höhenmetern auf 13 Kilometer schon interessiert. Es geht darum, neue Reize zu setzen und neue Herausforderungen zu haben.

Angesichts Ihrer weiteren Hobbys Schwimmen und Radfahren: Sehen wir Sie bald auch beim Triathlon?

(lacht) Vielleicht. Die nächsten ein, zwei Jahre aber nicht. Ich wäre nach dem Schwimmen viel zu weit hinten. Außerdem müsste ich mindestens die olympische Distanz bestreiten, denn sonst wäre mir als Läufer die Laufstrecke zu kurz (schmunzelt).

Geburtstag: 6. Oktober 1979
Geburtsort: Schwäbisch Hall
Wohnort: Ilshofen
Familienstand: ledig
Beruf: Selbstständiger im Bereich Haus- und Gartenpflege
Hobbys: Laufen, Schwimmen, Radfahren, Lesen
Bisherige Stationen: TSV Ilshofen, TSG Heilbronn, TSV Crailsheim, seit 12/2015 TSG Schwäbisch Hall
Größte sportliche Erfolge: sechsmal Sieger beim EBM-Papst-Marathon (alles bis auf zehn Kilometer), dreifacher Sieger des Schwarzwaldmarathons, neunfacher Sieger beim Seefestlauf in Lautenbach
Bestzeiten: 16:26 Minuten fünf Kilometer; 32:32 Minuten zehn Kilometer

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